Vom Ziel zur Maßnahme – das hallesche Bildungskonzept

Am 24. April 2019 war es im Stadthaus am halleschen Marktplatz so weit. Der Stadtrat hatte in einer der letzten Sitzungen seiner Legislaturperiode das „Bildungsleitbild für die Stadt Halle (Saale)“ verabschiedet. Dabei wurde noch einmal deutlich, wie hoch die Erwartungen der Stadträtinnen und -räte sind: Auf Grundlage des Leitbildes sollen in Zusammenarbeit mit interessierten Bildungspartnern konkrete Strategien und Maßnahmen zur Weiterentwicklung der kommunalen Bildungslandschaft bis zum Jahr 2030 erarbeitet und in einem abgestimmten Bildungskonzept festgehalten werden.

Bildungskonferenz „Bildungschancen gemeinsam gestalten“ der Stadt Halle im November 2018

Konsequente Einbettung in die kommunale Gesamtstrategie

Bereits der Stadtratsbeschluss von 2015 zum kommunalen Bildungsmanagement und das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK) aus dem Jahr 2016 forderten den Geschäftsbereich Bildung und Soziales unter Federführung der Beigeordneten Katharina Brederlow dazu auf, rechtskreisübergreifende strategische Grundlagen im Bereich Bildung und Lebenslanges Lernen zu schaffen. Mit dem Leitbild wurde dabei zunächst ein gemeinsames Verständnis von Bildung erarbeitet, zu dem sich die Bildungsverantwortlichen und -akteure in der Stadt bekennen. Es ist das Fundament für das Bildungskonzept, in das dann die konkreten Handlungsempfehlungen einfließen werden.

Die Akteure der Bildungslandschaft mitnehmen

Bildungsmanager Michael Gerstner, der seit 2016 den Gesamtprozess verantwortlich begleitet, betont, wie wichtig und hilfreich es sei, einen solchen Weg nicht allein zu beschreiten. So wurden zunächst viele Einzelgespräche geführt, um das Interesse und die Vorstellungen innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung einschätzen zu können. Bei der 2017 begonnenen Entwicklung des Bildungsleitbildes wurden sowohl verantwortliche Fachbereiche innerhalb der Stadtverwaltung als auch zahlreiche Akteure der hiesigen Bildungslandschaft wiederholt in Diskussionsrunden und Workshops beteiligt.

Das zeige sich auch am Namen, so Gerstner: „Wir betonen, dass die Leitziele ein Orientierungsrahmen für die gesamte Stadt und nicht nur für die Stadtverwaltung sind. Dies wird auch im Namen deutlich: ein Bildungsleitbild für die Stadt Halle und nicht eines der Stadt Halle.“ Die erste Bildungskonferenz mit dem Titel „Bildungschancen gemeinsam gestalten“ im November 2018 habe die Aufmerksamkeit dafür stadtweit noch einmal gesteigert. War zunächst noch etwas Zurückhaltung zu spüren, sei im Laufe des Prozesses die Bereitschaft erheblich gewachsen, sich einzubringen. Manchen Akteur hätte das Leitbild auch veranlasst, proaktiv das Gespräch mit der Stadt zu suchen.

So sieht der Fahrplan für das Bildungskonzept aus

Die auf Leitungsebene der Stadtverwaltung angesiedelte „Lenkungsgruppe Bildung“ hat sich nun vor einem Jahr auf eine Schrittfolge für das Bildungskonzept verständigt. So werden die einzelnen Handlungsfelder zunächst auf externer und interner Führungsebene identifiziert und priorisiert. Diese beziehen sich auf das Leitbild und setzen bewusst Schwerpunkte. So werden etwa in Bezug auf die „Leitlinie 3: Zugänge ermöglichen und Übergänge aufeinander abstimmen“ die Übergänge in die Schule sowie in Ausbildung und Beruf fokussiert.

Im Anschluss werden dann mit der Fachebene Maßnahmen diskutiert und operationalisiert. Dazu bedarf es konkreter Vorschläge aus dem Monitoring, auf welcher Datenbasis die Evaluation erfolgen und woran der Erfolg letztlich gemessen werden soll. Nach Verabschiedung des Bildungskonzeptes im Stadtrat (voraussichtlich Ende 2020) sollen in Abstimmung mit der Stadtpolitik erste Maßnahmen auf den Weg gebracht werden.
 

Strategische Meilensteine des Bildungsmanagements in der Stadt Halle (Saale), eigene Darstellung TransMit

Was kann man schon sehen?

Vor allem Maßnahmen gegen Schulabsentismus gelten hier als konsensfähig. So will die Stadt erreichen, dass mindestens 95 Prozent der schulpflichtigen Kinder die Schule regelmäßig besuchen und aktiv am Unterricht teilnehmen, um mehr Schülerinnen und Schüler zu einem Abschluss zu führen als bisher. Grundsätzlich, so Gerstner, können einzelne Handlungsfelder im Detailgrad voneinander abweichen, manche erst nach und nach fortgeschrieben werden. So sei man aufgrund des Berichtswesens bezogen auf die Zielgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund schon etwas weiter als in anderen Bereichen. Dort lägen Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen vor. Vieles ließe sich laut Gerstner auch auf andere Zielgruppen übertragen, etwa auf Kinder aus benachteiligten Elternhäusern. Er nennt dabei beispielsweise die zusätzliche Sprachförderung oder den flächendeckenden Einsatz von Schulsozialarbeit.

Konsequenter Datenbezug

Besonderer Vorteil bei den strategischen Planungen: In Halle (Saale) kann auf eine Berichterstattung und Datenbasis seit 2009 zurückgegriffen werden. So liegt etwa mit dem jüngst diskutierten „Bericht über die Bildungssituation von Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund“ (2018) ein Set an aktuellen Kennzahlen vor. Geplant ist weiterhin, für jedes Handlungsfeld eine abgestimmte Kennzahlenübersicht zu erstellen. Schließlich sollen die einzelnen Ziele nach fachlicher Sinnhaftigkeit und Datenverfügbarkeit mit möglichst konkreten Zielmargen und Indikatoren versehen werden. Künftige Bildungsberichte, aber auch andere, noch näher zu bestimmende Formate könnten so die Fortschritte messen und dokumentieren.

Wie geht’s weiter?

Michael Gerstner und seine Kolleginnen und Kollegen veranschlagen für den anstehenden Prozess das gesamte Jahr 2020. Das Konzept soll dann nach seiner Verabschiedung auf der Webseite der Stadt veröffentlicht und für die Gremienarbeit aufbereitet werden.

Weitere Informationen zum Bildungsleitbild und zum Bildungskonzept der Stadt Halle (Saale) finden Sie ebenda.


Text: Oliver Wolff, TransMit