Mobbing an Schulen –
mit Kooperation zur Prävention

Mobbing an Schulen ist immer wieder Teil der fachlichen und politischen Diskussion im Landkreis Wittenberg. Sandra Lamm, Bildungsmonitorerin des Landkreises, befragte deshalb die Schulen zu den Themen Mobbing, Gewalt und Sucht. Das Beispiel zeigt, wie dieses schwierige Thema zielgerichtet verfolgt werden kann und wie eine gut verzahnte Verwaltungsstruktur zur Umsetzung erfolgreicher Maßnahmen beiträgt.

Cybermobbing

Immer häufiger werden Jugendliche Opfer von Beleidigungen und Diffamierungen im Internet.

Laut letzter PISA-Studie sind Schulen in Deutschland „Orte der Qual“: Fast ein Viertel aller 15-jährigen Schülerinnen und Schüler werden mindestens einmal im Monat von Mitschülerinnen und -schülern drangsaliert. Werden Jugendliche gemobbt, schwänzen sie oft die Schule und bezeichnen sich häufig selbst als „traurig“. Physische und psychische Gewalt hat, das zeigt die Studie eindrucksvoll, weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen – von dauerhaftem Stress, Rückzug, Leistungsabfall bis hin zu Depressionen.

Auch im Landkreis Wittenberg ist Mobbing immer wieder Thema an den Schulen. In der Abteilung Bildung und Planung des Landkreises Wittenberg griff man dies auf und stellte die zunächst nur gefühlten Entwicklungen auf eine solide Datenbasis. Dazu befragte die Bildungsmonitorerin Sandra Lamm die Fachkräfte aller allgemeinbildenden Schulen zu den Aspekten Gewalt, Mobbing und Sucht und erhob, welche Anstrengungen bereits im Landkreis unternommen wurden.

Die Ergebnisse fanden große Resonanz in politischen Gremien und Ausschüssen, es wurden zahlreiche Steuerungsmaßnahmen abgeleitet und daraufhin erste Projekte angestoßen. Das Beispiel zeigt, wie das Bildungsmonitoring ein Thema erfolgreich bearbeiten kann und wie die verwaltungsinterne Kooperation zum Gelingen beitragen kann.

Interne Kooperation als Erfolgsfaktor

Im Landkreis Wittenberg sind die Bereiche Bildung und Planung eng verzahnt. Das Bildungsmanagement ist mit dem Bereich Bildungskoordination und jugendpolitische Bildung, der Netzwerkstelle Schulerfolg sichern, dem Landesprogramm RÜMSA als auch der Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung in einer Abteilung zusammengefasst.

„Wir können uns auf Arbeitsebene regelmäßig austauschen und uns eng aufeinander abstimmen“, sagt Lamm weiter. In der internen „AG Monitoring, Controlling und Planung“, in der die Bildungsmonitorerin mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Fachcontrolling, Qualitätsmanagement, Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung sowie der Abteilungsleitung einmal im Monat zusammensitzt, entschied man sich dem Thema Gewalt und Sucht verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.

Hier konnte auch gleich besprochen werden, wie die Daten ressourcenschonend erhoben werden könnten. „Die Schulentwicklungsplanung befragt jährlich alle Schulen des Landkreises zu verschiedenen Aspekten, z.B. zu den Schülerzahlen, dem Wechselverhalten und der Schülerbeförderung. „Bei dieser Befragung haben wir uns einfach angeschlossen. Wir konnten durch das bekannte Befragungsformat die Fachkräfte gut erreichen, die Rücklaufquote war sehr hoch“, sagt die Bildungsmonitorerin.

 

„Vor allem die Gemeinschafts- und Sekundarschulen sind von Cybermobbing betroffen.“

[Sandra Lamm, Bildungsmonitorerin im Landkreis Wittenberg]

Das Thema bleibt

„Es hat sich gezeigt, dass die Gemeinschafts- und Sekundarschulen besonders von psychischer Gewalt wie Cybermobbing betroffen sind“, so Lamm. Im Landkreis haben sie sich deswegen entschieden, dass die Fachkraft für mobile Suchtprävention nun mindestens ein Präventionsprojekt an diesen Schulen pro Jahr durchführen soll. Die Präventions- und Beratungsangebote sollen allgemein ausgebaut werden, so steht es jetzt im Maßnahmenkatalog zum Bildungsleitbild. Als direkte Folge aus der Befragung hat sich die Schulsozialarbeit im Landkreis Cybermobbing als Jahresthema gesetzt, plant Elternwerkstätten zur Mediennutzung und eigene Arbeitshilfen.

Das Thema soll auf der Agenda bleiben: Die Befragung soll alle 3 Jahre wiederholt werden, um die Entwicklungen in dem Bereich beobachten zu können.

In der PISA-Studie von 2018 stimmten 86% der Jugendlichen der Aussage zu, dass es eine gute Sache sei, Schülern zu helfen, die sich nicht selbst verteidigen können. Warum sind dann doch so viele Jugendliche von Mobbing betroffen? Eine gezielte Intervention in akuten Fällen reicht oft nicht. Die Prävention von Mobbing, Gewalt und Sucht muss in den Vordergrund rücken, damit alle wissen, wie sie ihren Mitschülern in solchen Situationen helfen können. Hier kann die gezielte Steuerung von Ressourcen helfen, damit dieses Potenzial bald ausgeschöpft wird. Der Landkreis Wittenberg setzt dabei auf eine gut abgestimmte Kooperation innerhalb der Verwaltung und eine enge Zusammenarbeit mit kompetenten, externen Partnern.

Wir von TransMit wünschen gutes Gelingen, um dieses wichtige Thema voranzubringen!

Kontakt

Nora Herrmann, Kommunalberatung Sachsen-Anhalt

Tel.: 0341-993923 13 E-Mail: nherrmann@dji.de

Mehr zum Thema

Datenbericht online

Der Datenbericht „Soziale Problemlagen an Schulen – Mobbing, Gewalt und Suchtprävention“ des Landkreises Wittenberg soll dazu beitragen, soziale Problemlagen zu beschreiben sowie die umfangreichen präventiven Angebote der Schulen vorzustellen.

Bildungsmanage­ment im Landkreis Wittenberg

Auf der Seite des Landkreises finden Sie auch weitere Berichte und Veröffentlichungen des kommunalen Bildungsmonitorings, die im Rahmen des Programms „Bildung integriert“ erstellt wurden.

PISA 2018 Ländernotiz

Die Schulleistungsstudie PISA ist eine weltweite Erhebung, die alle drei Jahre durchgeführt wird. Dabei wird evaluiert, inwieweit Schülerinnen und Schüler über Schlüsselkenntnisse verfügen. Die Ergebnisse finden Sie hier zum Download.