Kultur macht stark!
So profitieren Kommunen vom Bundesprogramm

Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft können über das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ Fördermittel für kulturpädagogische Projekte beantragen, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Nachfolgend erfahren Sie, wie die Antragstellung funktioniert und die Projekte in der Praxis umgesetzt werden können.

Europäischer Archäologietag in den Städtischen Museen Großenhain

Im Chor singen, Theaterspielen oder Tanzkurse besuchen, dies alles sind Freizeitbetätigungen, über die junge Menschen viel für sich und ihr Leben lernen. Studien verweisen darauf, dass sich dort erworbene Fähigkeiten positiv auf den Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsverlauf auswirken.

Doch für junge Menschen aus einkommensschwachen Familien oder solchen mit Zuwanderungshintergrund bleiben solche, meist kostenpflichtigen Freizeitbeschäftigungen, oft unerreichbar. Hier setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Programm „Kultur macht stark“ an, das seit 2013 einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland leistet.

So läuft die Projektförderung

Das BMBF arbeitet mit 29 deutschlandweit agierenden Programmpartnern zusammen, die über eine ausgewiesene Kompetenz in der außerschulischen Bildung verfügen. So haben z.B. der Deutsche Volkshochschul-Verband oder der Bundesverband Soziokultur vorstrukturierte Programme entwickelt, auf die sich die Antragsstellerinnen und -steller bewerben können. Das hilft den Projektvorhaben bei der fachlichen und praktischen Planung ihrer Projekte.

Je nach Unterprogramm können Wochenendworkshops, Ferienangebote oder auch längerfristige wöchentliche Angebote beantragt werden. Um Fördermittel zu erhalten, müssen sogenannte „Bündnisse für Bildung“ geschmiedet werden. Diese bestehen aus mindestens drei Partnern, z.B. einer Kultureinrichtung, einem Jugendzentrum und einem Verein.

Auf diese Weise sollen Netzwerke auf lokaler Ebene und damit die Bildungslandschaft vor Ort gestärkt werden. Da es sich um eine Förderung außerschulischer Angebote handelt, können Schulen keine Antragsteller sein, wohl aber ist eine Zusammenarbeit im Rahmen der Bündnispartnerschaft möglich und mit Blick auf die Zielgruppe oft auch sinnvoll.

Um über das Bundesförderprogramm zu informieren und potentielle Akteure zu „Kultur macht stark“-Projekten zu beraten, sind seit 2018 Servicestellen auf Landesebene eingerichtet worden. Sie helfen bei der Suche nach Bündnispartnern, vermitteln Kontakte zu kommunalen Ansprechpartnern, unterstützen bei der Entwicklung von Projektideen und geben Tipps zu passenden Unterprogrammen.

Die Projektbeantragung und -abrechnung ist nicht ohne – man erhält aber auch eine Menge Unterstützung und wesentlich mehr Mittel als bei anderen Förderungen.

[Kristin Lehmann]

Kommunen müssen keinen Eigenanteil leisten

Christine Müller von der Servicestelle Sachsen macht deutlich, warum diese Förderung für Kommunen in Sachsen und gleichsam auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen interessant sein könnte. Kleine kommunale Kultureinrichtungen sehen sich überall kaum in der Lage, noch zusätzliche außerschulische Bildungsangebote zu entwerfen und zu betreuen. Ein Grund sei die oft nur stundenweise Beschäftigung des (kultur)pädagogischen Personals.

Gerade für Kommunen in strukturschwachen Regionen wäre es zudem ein immenser Anreiz, dass die Auszahlung über eine 100%-Förderung erfolgt und kein Eigenanteil geleistet werden muss, sagt Müller. Für Kommunen ergibt sich dadurch die günstige Gelegenheit, die Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahre zu erhöhen und zeitgleich die Vernetzungsstrukturen zwischen kommunalen Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Bildungslandschaft zu stärken.

Denkbare Partner eines „Bündnisses für Bildung“ reichen von Bibliotheken, Museen und soziokulturellen Zentren über Gedenkstätten und Jugendzentrum bis hin zu Musikschulen oder Jugendkunstschulen.

Ein Buch-Projekt an der Stadtbibliothek Bautzen

Die Stadtbibliothek Bautzen setzt zusammen mit dem Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit e.V. und einer Grundschule ein zweijähriges Storytelling-Projekt für Kinder im Grundschulalter um. Das Projekt läuft über das Unterprogramm „Total Digital“ des Deutschen Bibliotheksverbands und ist in kleinere Laufzeiten untergliedert. Im Verlaufe des Projekts schreiben Kinder ihre eigenen Geschichten, die sie in einem selbstgebundenen Buch mit Illustrationen zusammenführen, in eBooks und schließlich in Trickfilme verwandeln und zusätzlich mit dem BOOkii-Stift vertonen.

Es können zwei Medienpädagogen auf Honorarbasis finanziert werden, von denen einer die Buchgestaltung und ein anderer den digitalen Part übernimmt. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie zudem durch Ehrenamtliche und engagierte Eltern, die die Kinder auf ihrem Weg von Schule und Hort in die Bibliothek begleiteten und vor Ort unterstützen.

Foto: Ergebnisse des Projektes „Total Digital“ der Stadtbibliothek Bautzen

Doch ab Frühjahr 2020 war durch die coronabedingten Kontaktbeschränkungen plötzlich alles anders. Das war jedoch kein Grund, das Projekt aufzugeben oder auszusetzen. Denn die Kinder waren mit so viel Engagement bei der Sache, dass ein Abbruch sie sehr enttäuscht hätte. Man setzte ab sofort noch stärker auf das Digitale und profitierte dabei von der Zusammenarbeit mit dem dafür zuständigen Medienpädagogen, der entsprechende Endgeräte zur Verfügung stellte und mit technischer Beratung zur Seite stand.

So gelang, was vorher kaum denkbar war: Auch mit Grundschulkindern war es möglich, das Projekt digital weiterzuführen und für alle Beteiligten, ihre Familien und alle Interessierten in einer Online-Abschlussveranstaltung zu präsentieren. Dies erfolgte über Videokonferenzen und digitale Lesestifte, in die die Kinder ihre Geschichten einsprachen.

Der Fördermittelgeber hatte großes Verständnis, dass der Projektplan in Teilen abgeändert werden musste, sagt Kristin Lehmann von der Bibliothek Bautzen. Sie weiß aber auch: „Die Projektbeantragung und -abrechnung ist nicht ohne – man erhält aber auch eine Menge Unterstützung und wesentlich mehr Mittel als bei anderen Förderungen.“

Von Kindern lernen in den Städtischen Museen Großenhain

Die Städtischen Museen Großenhain arbeiten in ihrem Projekt der Kindermuseumsführerinnen und -führer ebenfalls mit Grundschulkindern zusammen. Das Projekt wird über das Unterprogramm „Museum macht stark“ realisiert und setzt auf eine Kooperation mit dem Soziokulturellen Zentrum Großenhain und der Zukunftswerkstatt Dresden als Bündnispartner. Die Idee ist ein Peer-Learning Prozess, in dem sich Grundschulkinder intensiv mit Exponaten im Museum und in der Stadt auseinandersetzen und ihr Wissen für andere Kinder und Besucher z.B. in Audioguides aufbereiten.

„Für uns ist es eine große Hilfe gewesen, dass das Projekt durch den deutschen Museumsbund als Programmpartner schon in Module unterteilt war“, sagt Dr. Jens Schulze-Forster, Leiter der Städtischen Museen Großenhain. So hatte z.B. das erste Modul die Teilnehmergewinnung zum Thema, welche in der Praxis durch kleine Miniprojekte in Horten erfolgte.  Bei der Konzeptentwicklung und Antragstellung half zudem, dass die Zukunftswerkstatt Dresden bereits Erfahrungen bei der Beantragung und Durchführung von Projekten über „Kultur macht stark“ hatte.

 Foto: Dr. Jeny Schulze-Forster
Foto: Internationaler Museumstag 2019, Städtische Museen Großenhain

„Die Umsetzung eines solchen Projektes wäre für das Museum Alte Lateinschule, das über keine feste Stelle für Museumspädagogik verfügt, ohne diese zusätzlichen Personalmittel undenkbar gewesen“, so Schulze-Forster. Was sich aber auch zeigt ist, dass bei großen Teilnehmerzahlen weitere Betreuungskapazitäten hilfreich wären. Hier werden Überlegungen gemacht, wie zusätzliche Ehrenamtliche in das Projekt einbezogen und gefördert werden könnten.

Auch in Großenhain ist durch Corona der ursprünglich geplante Projektablauf deutlich durcheinandergeraten. An die großen Präsentationen ihrer Ergebnisse vor Eltern und Freunden, wie sie bislang stattgefunden hatten, war nicht mehr zu denken. In Zeiten der Lockerung wurde in Kleingruppen weitergearbeitet. Der Kontakt mit den Kindern wird aktuell so gut wie möglich über gängige technische Möglichkeiten aufrechterhalten. Für die Weiterführung des Projekts im Museum stehen alle Beteiligten in den Startlöchern.

Das Bundesprogramm läuft noch bis Ende 2022

Eine Beantragung von Fördermitteln für Personal- und Sachkosten ist fortlaufend, in Abhängigkeit von den Laufzeiten der Unterprogramme, noch bis nächstes Jahr möglich. Wir als TransMit freuen uns, wenn die Fördermöglichkeit noch stärker in den Kommunen und bei den dort ansässigen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Akteuren im Bereich Kultur, Jugend und Bildung genutzt werden würde.

 

Kontakt

Sarah Beierle

Tel.: 0345-6817848 E-Mail: beierle@dji.de

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Über das Programm

Mit dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ fördert das BMBF außerschulische Angebote der kulturellen Bildung. In Bündnissen für Bildung setzen lokale Akteure Projekte für Kinder um, die einen eingeschränkten Zugang zu Bildung haben.

Angebote in Ihrer Nähe

„Kultur macht stark“-Projekte finden bundesweit statt. Welche Bildungsangebote Kindern und Jugendlichen aktuell zur Verfügung stehen und wo Bündnisse aktiv sind, finden Sie auf der Seite zum Programm des BMBF.

Servicestellen

Um lokale Akteure bei der Suche nach dem passenden „Kultur macht stark“-Projekt zu unterstützen, hat das BMBF regionale Servicestellen eingerichtet. Sie beraten und helfen bei der Suche nach Ansprechpartnern oder bei der Konzeption von Projektideen.