Online-Fortbildung

Formate des Bildungsmanagements digitalisieren

In dieser Fortbildung stimmten Inhalt und Umsetzung überein: digitale Formate des DKBM in einer digitalen Veranstaltung der TransMit. Es ging um virtuelle Bildungskonferenzen, ePartizipation, digitale Gremienstrukturen und den Einsatz von Videos im Bildungsmarketing. Über all dem stand die Frage, wie sich diese und andere Bildungsprojekte in eine übergeordnete Digitalisierungsstrategie der Verwaltung integrieren lassen.

Einfach mal ausprobieren!

Es gibt unzählige technische Tools und Möglichkeiten, analoge Formate des Bildungsmanagements ins Digitale zu übersetzen und weiterzuentwickeln.

 Foto: Canva Studio/Pexels.com

Mittlerweile fallen Begriffe, wie „Schulcloud“, „Softwarearchitektur“ oder „Stream“ auffallend beiläufig. Für alle ist erkennbar: Die Digitalisierung von Bildung ist eine brandaktuelle und überall drängende Aufgabe. In unserer zweitägigen Online-Fortbildung wollten wir unseren mitteldeutschen Transferkommunen einen Überblick über die verschiedenen Dimensionen der Digitalisierung geben.

Unser Grundsatz für die Fortbildung lautete: Wir dürfen uns nicht im Ungefähren verlieren, denn die Kommunen brauchen konkrete Unterstützung. Also nahmen wir den Telefonhörer in die Hand und suchten bundesweit nach guten Beispielen, wie analoge Formate des DKBM ins Digitale überführt werden können. Orientiert an den Interessen unserer Transferkommunen hielten wir nach Bildungskonferenzen, ePartizipation, digitalen Gremienstrukturen und Marketingideen Ausschau. Kurze Zeit später haben wir sechs Impulsgeberinnen aus dem gesamten Bundesgebiet an Bord, die den Teilnehmenden anhand konkreter Beispiele von den Chancen und Hindernissen der Digitalisierung berichten wollten.

Blick unter die Oberfläche

Nach einer Begrüßung der 44 Teilnehmenden durch Moderatorin Katrin Pappritz und die stellvertretende TransMit-Leiterin Ulrike Richter stellte unser Thüringer Kommunalberater Alexander Lorenz in seinem Impuls Aspekte der Digitalisierung für Kommunale Bildungsmanagements vor. Als Sinnbild wählte er einen mächtigen Eisberg. „Ziel unserer Fortbildung ist es, zu schauen, was sich unter der Wasseroberfläche befindet.“, sagte Lorenz und startete den ersten Teil seines Vortrags zum aktuellen Stand der Digitalisierung in Kommunalverwaltungen, relevanten Statistiken und aktuellen Vorhaben von Bund und Ländern. Sein Fazit: „Wenn es um Strategien der Digitalisierung geht, konzentrieren sich Verwaltungen auf ihr Kerngeschäft: das Verwalten. Die Einbeziehung kommunaler Entwicklungsfelder wie Bildung, Wirtschaft, Gesundheit oder Kommunalentwicklung ist ausbaufähig.“

Nach dem Input befragten wir die Teilnehmenden per Padlet, an welchen Stellen ihre Bildungsmanagements bereits digitalisiert wurden. Das virtuelle Whiteboard füllte sich schneller als gedacht. Trotz der vielerorts bekanntermaßen noch nicht ausreichenden technischen Ausstattung zeigte sich, dass die Digitalisierung auch im Bildungsmanagement voranschreitet: Gremienstrukturen, interne Kommunikationstools, Homeoffice, gemeinsame Datenplattformen und digitales Berichtswesen – das waren die Arbeitsfelder, die die Teilnehmenden benannten.

In Teil 2 seines Vortrags erläutert Alexander Lorenz verschiedene Dimensionen der Digitalisierung von DKBMs:

  • Bildung als Arbeitsfeld in die Digitalisierungsbemühungen der Kommune einbringen
  • Digitalisierung von Produkten und Elementen des KBM
  • Digitalisierung von Arbeitsabläufen im Rahmen des KBM
  • Entwicklungen von Innovationen. 

„Wenn es um Strategien der Digitalisierung geht, konzentrieren sich Verwaltungen auf ihr Kerngeschäft: das Verwalten.“

[Alexander Lorenz, TransMit]

Bildungskonferenz mit NASA-Countdown

3, 2, 1, Zero! Catrin Müller und Anna-Sophia Opitz, beide im Bildungsmanagement des bayerischen Landkreises Dachau tätig, starteten im Jahr 2020 ohne lange Vorrede eine digitale Bildungskonferenz, von der sie in ihrem Input berichteten. Von der Idee bis zur Durchführung benötigten sie lediglich sechs Wochen. Neben den Hinweisen, was technisch, strategisch und administrativ zu beachten ist, war es vor allem die Energie der beiden Bildungsbeauftragten, die in der virtuellen Runde spürbar wurde. Beide brennen für das Vorhaben DKBM und konnten mit ihrem Engagement auch den Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) für die Idee einer virtuellen Veranstaltung gewinnen. Passendes Motto der Konferenz: „Da geht was!“

Bildungskonferenzen sind im Regelfall Formate, in denen Kommunen mit der örtlichen Gemeinschaft über die strategische Ausrichtung der Bildungslandschaft debattieren oder Bildungsleitbilder entwickelt werden. Die Dachauerinnen konzentrieren sich bei der Planung auf zwei Schwerpunkte: Einen vorproduzierten Film mit bildungspolitischen Aussagen des Landrats und lokalen Talking Heads, also interviewten Akteuren, die im Netzwerk „Dachau digital“ aktive Rollen einnehmen. Dieser Film wurde als Eröffnungsbeitrag vor der eigentlichen Konferenz im Internet zur Verfügung gestellt. Daran schloss sich ein digitaler Netzwerkgarten als Live-Format an. Hier gaben zwei lokale Bildungsexperten Impulse und beantworteten Fragen von Teilnehmenden aus dem Chat.

Bei der Bildungskonferenz Dachau 2020 ging es vor allem darum, die neuen technischen Möglichkeiten auszuloten und neue Produkte auszuprobieren, sagte Opitz. Man wollte den Akteuren vor Ort Mut machen und neben den bildungspolitischen Aspekten neue Online-Tools vorstellen. Zudem sollte die Veranstaltung den Teilnehmenden auch strategische Fragen der Bildungssteuerung näherbringen, beispielsweise über eine einführende Rede des Landrats.

Was beide Impulsgeberinnen betonten: Sie haben Vorerfahrungen im Medienbereich, sind gut in der Verwaltung vernetzt und technikaffin. Und zur Not nutzen sie die Aufnahmefunktion ihres Smartphones, um den Countdown der NASA als Startschuss für die Konferenz nachzusprechen. „Schließlich wollten wir das Copyright nicht verletzen“, schmunzelt Müller. Dann zeigt Opitz das Intro des Videos: „10, 9, 8, 7, 6…!“, hört man ihre verfremdete Stimme sagen. Das Anschnallzeichen aus Flugzeugen scheint auf. Man merkt den beiden Dachauerinnen den Spaß an der Sache an, mit dem sie ein etabliertes Format des Kommunalen Bildungsmanagements digitalisiert haben.

„Bei der Bildungskonferenz Dachau 2020 ging es vor allem darum, die neuen technischen Möglichkeiten auszuloten und neue Produkte auszuprobieren.“

[Anna-Sophia Opitz, Bildungsmonitorerin Landkreis Dachau]

ePartizipation – Plattformen und Einbindung von Multiplikatoren

Den nächsten Impuls setzte Dr. Sybille De La Rosa von der Stiftung Mitarbeit zur ePartizipation. Aktuell erarbeitet die Stiftung eine Übersicht zu kommunalen Einsatzszenarien und technischen Lösungen der ePartizipation. Die Beteiligung der örtlichen Gemeinschaft bzw. bestimmter Zielgruppen an Prozessen des Kommunalen Bildungsmanagements ist ein Dauerbrenner. Aber wie erreicht man Menschen, wenn sie sich wegen Kontaktbeschränkungen nicht analog treffen können?

Ein Erfolgsfaktor für gelingende ePartizipation sei die Einbindung von Multiplikatoren, Vereinen und Verbänden, die Kontakt zu den anvisierten Personengruppen pflegen, so De La Rosa. Diese sind günstigstenfalls bereits bei der Konzeptentwicklung mit ins Boot zu holen. Denn dann weiß man, wie man bestimmte Personengruppen gezielt für gesellschaftliche Beteiligung motivieren kann. Auch in der Quartiersarbeit tätige Kolleginnen und Kollegen sind hilfreiche Multiplikatoren.

Zur Wahl stünden eine Vielzahl von Online-Plattformen zur ePartizipation. Hier gelte es, Funktionen der Plattform mit den Zielen des Vorhabens abzugleichen. Geht es um kleinere Beteiligungsformate, empfiehlt sich beispielsweise adhocracy+. Die Plattform ist ohne größeren Aufwand auf der Internetseite einer Kommune einbettbar. Mit Consul können größere Beteiligungsprozesse begleitet werden. Das Tool wird weltweit von rund einhundert Kommunen genutzt, darunter Barcelona und Madrid. Zudem stellt die Stiftungsmitarbeiterin noch die Plattformen DIPAS und „Weck den Herkules in Dir“ vor.

 „Open-Source-Plattformen sind für Kommunen ideal, denn erstens fallen nur relativ geringe Kosten an und zweitens sind sie über einen offenen Quellcode anpassbar“, berichtet De La Rosa. Für vertiefende Einblicke in das Feld verweist die Partizipationsexpertin auf die im Verlauf des Jahres 2021 erscheinende Broschüre der Stiftung Mitarbeit.

Virtuell im Gespräch bleiben

Am zweiten Tag wollten wir den Teilnehmenden einen Überblick über die Digitalisierung von Netzwerkstrukturen und Ansätzen für das Bildungsmarketing geben. Zum Thema Netzwerke sprach Mandy Peukert, Bildungsmanagerin des Landkreises Diepholz. Der Landkreis liegt im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen, hat eine enorme Ausdehnung und ist speziell im Süden sehr ländlich geprägt. Frau Peukert stellt das Bildungsmanagement ihrer Kommune vor. Nahezu prototypisch sind dort alle Elemente des Kommunalen Bildungsmanagements vorhanden: Es existieren ein Bildungsbüro, strategische Ziele, Steuerungsgremien, themenbezogene Arbeitsgruppen, ein landkreisweites Bildungsportal. Auch Bildungskonferenzen werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt.

Durch Covid 19 änderten sich die Rahmenbedingungen für die gut eingespielten DKBM-Prozesse. Bereits im Frühjahr 2020 entschied sich der Landkreis, digitale Gremiensitzungen und Arbeitsgruppentreffen abzuhalten, für die Kollaborationssoftware (Videokonferenzen, Doodle, Padlets etc.) genutzt werden. Zudem werden digitale Umfragen, z.B. via Q-Set, an Schulen durchgeführt. Ein Jahresbericht und Umfragen ersetzen Sitzungen der Steuergruppe Bildung. Die Übersicht der Sprachkurse wird von den Bildungsträgern über das kollaborative System Only Office gepflegt und über das Bildungsportal zur Verfügung gestellt. Regelmäßig informiert das Bildungsbüro die Netzwerkpartner/innen der Flüchtlingssozialarbeit und in den kreisangehörigen Kommunen.

Derzeit werden folgende Produkte, Formate und Verfahren digital transformiert:

  • Bildungsbericht „Digitale Bildung unter Berücksichtigung von Covid 19“
  • Ausbau der internen Vernetzung zum Thema Bildung
  • Abfrage „Bewerberverhalten, Best Practice und Digitalisierung der Berufsorientierung“ und darauf aufbauend Digitalisierung der Berufsorientierung
  • digitaler Fachtag zum Thema Kooperation Schule und Wirtschaft
  • digitale Lernpartnerschaften
  • Digitalisierung des Regionalwettbewerbs Jugend forscht.

Mandy Peukert beantwortete noch einige Fragen der Teilnehmenden, die routiniert auf dem Padlet einlaufen. Es sei wichtig gewesen, bereits im März 2020 mit konkreten Technikbedarfen an die IT-Abteilung des Landkreises heranzutreten, sagt Peukert, denn die politische Ebene überzeuge man am besten mit gezielten Anrufen zur Teilnahme an digitalen Gremiensitzungen. Und: Das ideale digitale Meeting dauert nicht länger als zwei Stunden inklusive Pause.

 

„Open-Source-Plattformen sind für Kommunen ideal, denn erstens fallen nur relativ geringe Kosten an und zweitens sind sie über einen offenen Quellcode anpassbar“

[Dr. Sybille De La Rosa, Stiftung Mitarbeit]

Auf YouTube über Bildung sprechen

Last but not least ging es um ein Format des Bildungsmarketings. Katja Schöne, Abteilungsleiterin für Bildungsmanagement und Integration, sowie Doro-Thea Chwalek, Bildungsmanagerin Stadt Kassel, stellen die digitale Gesprächsreihe „Bildung im Gespräch“ vor. Die Präsentation nahmen wir vorab auf, da Frau Chwalek nicht live dabei sein konnte. Hier zeigt sich ein klarer Vorteil der Digitalisierung!

Die Videoreihe knüpft 2020 an ein etabliertes Format „Gesundheit im Gespräch“ des gleichen Dezernats an. In „Bildung im Gespräch“ werden regelmäßig aktuelle Bildungsthemen aus verschiedenen Handlungsfeldern aufgegriffen, um unterschiedlichen Perspektiven regionaler Bildungsexpertinnen und -experten eine Bühne zu geben, sich als „Bildungskommune“ zu präsentieren und eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen.

Chwalek stellte dar, dass der Weg zwischen Planung und Umsetzung mit einigen Unwägbarkeiten verbunden ist. Ursprünglich sollte das erste Video zum Digitaltag im Juni 2020 erscheinen, doch dann zog der Offene Kanal Kassel in neue Räumlichkeiten – die Zeitschiene war nicht mehr zu halten. In enger Abstimmung mit der Dezernentin für Bildung, Jugend, Frauen und Gesundheit sowie mit Katja Schöne wurden die ersten Hürden beseitigt und die Gesprächsrunde „Corona – die große Zäsur in der digitalen Bildung“ konnte als Livestream im Juli 2020 gesendet und später auf dem YouTube-Kanal angeschaut werden. Doch Corona durchkreuzte nicht nur verschiedenste Bildungsvorhaben, sondern auch die Aufnahme der zweiten Folge „Vielfalt und Heterogenität“ der Gesprächsreihe. Hierbei sollten die Handlungsempfehlungen für den Bereich Bildung aus dem Integrationskonzept der Stadt debattiert werden. Die Produktion war für November 2020 angedacht, musste aber wegen der Kontaktbeschränkungen vom Studio auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Die Bildungsmanagerin lässt sich dennoch nicht beirren und bleibt am Ball.

Derweil ist Zeit zu reflektieren, wie das digitale Format zukünftig gestaltet sein sollte, um die Öffentlichkeit besser zu erreichen. Hier gilt es abzuwägen, wie lang darf eine Gesprächsrunde sein? Wie können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiver einbezogen werden? Wie erzeugt man Lebendigkeit in einer Gesprächsrunde? Und nicht zuletzt, über welche Kanäle erzeugt man mehr Aufmerksamkeit für Bildungsthemen und wie generiert man mehr Klicks auf YouTube?

Einfach mal machen!

In unserer Online-Fortbildung gewährten erfahrene Kommunen Einblicke, wie sie vormals analoge Formate ins Internet verlegten, welche Tools sie benutzen, welche Schritte nötig und auf welche Weise die Vorgesetzten überzeugt wurden. Der unsichtbare Teil des Eisbergs namens Digitalisierung verliert seine Bedrohlichkeit. Beachtenswert bei der Digitalisierung von Formaten des KBM ist deren Einbettung in die Digitalisierungsstrategie der Kommune, eine Abstimmung mit der Leitungsebene, die Kohärenz mit den Zielen des Bildungsmanagements sowie die technische Umsetzbarkeit.

Die Online-Veranstaltung endet mit der Botschaft: Einfach mal machen! Loslegen! Die Bedenken beiseitelegen! Die Medienzentren und Experten im Netzwerk nutzen, sich selbst fortbilden und vom Marketing lernen. Nach zwei Tagen Fortbildung geht es nun genau darum: Die Möglichkeiten und Ressourcen vor Ort einzuschätzen und dann erste Formate des Bildungsmanagements zu digitalisieren. Wir wünschen viel Erfolg!

Unser Dank gilt den Teilnehmenden, den Referentinnen sowie Moderatorin Katrin Pappritz.

Kontakt

Ulrike Richter, Veranstaltungen

Tel.: 0345-68178 21 E-Mail: urichter@dji.de

Mehr zum Thema

Da geht was!

Unter diesem Motto fand am 10. Juli 2020 die erste Dachauer Online-Bildungskonferenz statt. Sie widmete sich den Themen „Tatkraft durch Vernetzung“, „Teilhabe durch Digitalisierung“ und „Toleranz durch Fortschritt“ und ist auf YouTube als Video verfügbar.

Stiftung Mitarbeit

Die Stiftung unterstützt Demokratieentwicklung von unten und die politische Teilhabe aller Menschen in Deutschland. Auf der Webseite der Stiftung erfährt man mehr zu Zielen, Ideen und Projekten der Stiftung.

Bildungbüro Diepholz

Der Landkreis fördert schulische und außerschulische Bildungsarbeit, unterstützt Netzwerke und das lebenslange Lernen. Auf der Internetseite stellt sich der Landkreis Ziele und aktuelle Projekte seines Bildungsbüros vor.

Bildung im Gespräch

Die Stadt Kassel startete ihre neue Videoreihe „Bildung im Gespräch“ mit dem Thema „Corona – die große Zäsur in der digitalen Bildung?“ Das Video steht auf YouTube zur Verfügung.