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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Online-Bildungswerkstatt: „Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule“

Im Zentrum der zweiteiligen Online-Bildungswerkstatt am 10. und 12. November 2020 standen kommunale Datenanalysen zum Übergang nach der Grundschule. Wie amtliche Daten der Schulstatistik und eigene Erhebungen dabei gut kombiniert werden können, machten zwei kommunale Beispiele deutlich.

Am ersten Tag der Veranstaltung zeigte die Bildungskoordinatorin Ina Eversmann in ihrem Input sehr anschaulich, wie aus den Ergebnissen einer Elternbefragung im Landkreis Osnabrück konkrete Handlungsempfehlungen und neue Angebote am Übergang Grundschule zur weiterführenden Schule entstanden sind.

Den Ausgangspunkt für die intensive Beschäftigung mit dem Thema bildete die schnell angestiegene Abiturquote in der Bildungsregion Nordkreis Osnabrück. Zusätzlich konnte festgestellt werden, dass nur noch 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler bis zur 12. Klasse im gewählten gymnasialen Bildungsgang verblieben. Dies führte zu der Frage, wie die Schulformwahl besser unterstützt werden kann.

Durch den Wegfall der verbindlichen Schullaufbahnempfehlung in Niedersachsen stellte sich zudem die Frage nach den elterlichen Kriterien für die Wahl der weiterführenden Schule. Gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen wurde die Idee entwickelt, eine Befragung aller Eltern der Viertklässlerinnen und Viertklässler an Grundschulen durchzuführen. Gleichzeitig wurde eine Kooperation mit der niedersächsischen Landesschulbehörde zum Übergang ins Leben gerufen.

Eltern wünschen sich weitere Unterstützung bei der Schulwahl

Die Elternbefragungen wurden im Jahr 2017 in der Stadt Melle und der Samtgemeinde Bersenbrück umgesetzt. An der schriftlichen Befragung beteiligten sich etwa zwei Drittel der Eltern. Danach gefragt, wie sich die Eltern über die Angebote der einzelnen Schulformen informieren, gaben diese am häufigsten den Tag der offenen Tür und Informationsveranstaltungen der Schulen an.

Die Befragung machte auch Informationslücken der Eltern bezogen auf das Schulsystem sichtbar. Zum Beispiel war nur einem Teil der Eltern bekannt, dass auch an einem beruflichen Gymnasium ein Abiturabschluss möglich ist.

Ein zentrales Ergebnis der Befragung betraf den Wunsch der Eltern nach weiterer Unterstützung bei der Entscheidung für eine weiterführende Schule. Diese wünschten sich eine konkrete Empfehlung zur Schulform und Unterstützung durch Lehrkräfte, da diese den Entwicklungs- und Lernstand des Kindes am besten kennen.

Neu entwickelte Angebote für Lehrkräfte und Eltern

Die Ergebnisse der Elternbefragung wurden in der Koordinierungsgruppe Bildung des Landkreises und in den Ausschüssen und Gremien der beteiligten Kommunen diskutiert. In Zusammenarbeit mit der Landesschulbehörde wurde eine modulare Fortbildungsreihe für Lehrkräfte entwickelt, um deren Beratungskompetenz zu erhöhen.

2019 hat der Landkreis einen Elternratgeber „Tschüss Grundschule“ herausgegeben, der Hilfestellung bei der Wahl der richtigen Schulform gibt. 2020 erschien dieser zusätzlich in leichter Sprache. In naher Zukunft plant der Landkreis einen Ratgeber aus der Perspektive des Kindes, um Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule besser zu begleiten.

Ina Eversmann machte abschließend deutlich, dass die Elternbefragung und die daraus abgeleiteten Angebote nicht so erfolgreich gewesen wären ohne die frühzeitige Kooperation mit dem Land Niedersachsen. Hier wurde Hand in Hand zusammen gearbeitet mit dem Ergebnis, dass sich die entwickelten Angebote sinnvoll ergänzen.

Stadt Oberhausen – Nutzung vielfältiger Datenquellen

Am zweiten Tag der Veranstaltung ging Patricia Scherdin aus dem Bereich Statistik auf die regelmäßig berichteten Kennzahlen zum Übergang und die zusätzlichen Datenabfragen der Stadt Oberhausen ein.

Als Hauptdatenquelle nutzt die Stadt den jährlichen Schuldatensatz vom Statistischen Landesamt Nordrhein-Westfalen. Dieser beinhaltet u.a. Informationen zu Schulformwechseln, Empfehlungen und Übergängen zu den weiterführenden Schulen nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit. Die Daten liegen auf Ebene der einzelnen Schulen vor und ermöglichen so differenzierte Auswertungen.

Untersucht wurden z.B. die Übergangsquoten zum Gymnasium auf Schulebene sowie nach Oberhausener Sozialräumen. Hier zeigte sich, je schwieriger die sozialen Rahmenbedingungen einer Grundschule waren, desto geringer fiel die Übergangsquote zum Gymnasium aus. Auch der starke Anstieg bei den Schulformwechseln in den vergangenen Jahren gab Anlass, genauer zu untersuchen, wie die Empfehlungspraktiken der Grundschulen aussehen.

Von Interesse war außerdem, ob es sich bei den Schulformwechseln um Schülerinnen und Schüler handelt, die mit einer niedrigeren Empfehlung auf eine höhere Schulform gewechselt sind.

Zusätzliche Datenabfragen

Da die Informationen aus dem Standardschuldatensatz für die Beantwortung der Fragen nicht ausreichten, wurde gemeinsam mit dem Bildungsbüro, der Schulaufsicht und in Absprache mit den Schulleitungen eine Datenabfrage bei den Schulen durchgeführt. Dazu wurden standardisierte Datenmasken für alle Grundschulen und weiterführende Schulen erstellt.

Aus Sicht von Patricia Scherdin war in diesem Prozess wichtig, die beteiligten Akteure, darunter vor allem die Schulleitungen frühzeitig einzubinden und den Nutzen klar herauszustellen. Bereits bestehende Standardabfragen wurden bei den neuen Datenanforderungen genutzt und ergänzt, um den Mehraufwand so gering wie möglich zu halten.

Die Aufbereitung der Daten aus den Schulbefragungen fand zunächst im Rahmen von „Bildung integriert“ durch das Bildungsmonitoring statt. Mittlerweile wird sie als verstetigte Aufgabe von der Schulentwicklung übernommen und dient dem internen Austausch mit den Schulen.

Verbesserung der Empfehlungspraxis

Da sich in den Befragungsergebnissen Auffälligkeiten zeigten, wurde mit den wesentlichen Akteuren, darunter den Schulleitungen, der Schulaufsicht, dem Bildungsdezernat und dem Bildungsbüro ein Fachtag durchgeführt, um sich über Kriterien für Übergangsentscheidungen auszutauschen. Im weiteren Prozess erfolgte auf Basis der Ergebnisse eine Auswahl von neun Pilotschulen, die aktuell mit wissenschaftlicher Unterstützung pädagogische Konzepte zur Verbesserung der Schulformempfehlungspraxis erarbeiten.

Eine weitere Abfrage zum Übergang findet im Rahmen der Oberhausener Familienbefragung statt. Sie gibt einen Einblick in die subjektive Einschätzung der Eltern zum Übergang ihres Kindes. Abgefragt wird z.B. inwieweit sich die Eltern von den Grundschulen und den aufnehmenden Schulen in Bezug auf den Übergang vorbereitet fühlen.

Datenverfügbarkeit in Mitteldeutschland

Wie die Verfügbarkeit von Daten aus der amtlichen Schulstatistik für Mitteldeutschland aussieht, erläuterte Oliver Wolff, ehemaliger Mitarbeiter von TransMit. Die Kommunale Bildungsdatenbank kann hierbei eine erste Anlaufstelle sein, die eine Auswahl an Kernindikatoren zum Übergang Grundschule – weiterführende Schule für die einzelnen Bundesländer bereitstellt. Um differenzierte Auswertungen vornehmen zu können, werden jedoch vor allem Daten auf Schulebene benötigt, die in Absprache mit dem jeweiligen Statistischen Landesamt oder dem Landesschulamt bezogen werden können.

Dass die Zugänge zu den Daten für die Kommunen mitunter sehr unterschiedlich aussehen können, machte auch der Austausch zwischen den Teilnehmenden deutlich. Einige Kommunen nutzen Datenabos beim Statistischen Landesamt oder besitzen einen kommunalen Zugang zu einem statistischen Informationssystem. Andere Kommunen führen ergänzend eigene Erhebungen durch z.B. ausgehend vom Schulverwaltungsamt.

Fazit

Die beiden kommunalen Beispiele stießen bei den Teilnehmenden aus dem Bildungsmonitoring, Bildungsmanagement, der Sozialplanung sowie dem Bildungsbüro auf großes Interesse und konnten hilfreiche Anregungen geben, wie Analysen zum Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule gestaltet werden können.

Besonders die Feingliedrigkeit der Daten, die enge Zusammenarbeit mit dem Land, die gute Kooperation mit den Schulen und das Vorwagen in Bereiche wie den Empfehlungspraktiken an Grundschulen wurden dabei herausgestellt.

Thematische Schwerpunkte für die eigene Arbeit sahen die Teilnehmenden vor allem im Bereich der Durchlässigkeit im Bildungssystem wie der sogenannten Abwärtsmobilität. Auch die Betrachtung von Übergängen differenziert nach bestimmten Schülergruppen und die Bildung von Schulindizes wurden genannt.

Eine TransMit-Handreichung – geplant für Anfang 2021 – zum Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule wird diese Themen aufgreifen und weitere Praxisbeispiele aufzeigen.


Text: Franciska Mahl, TransMit

Für viele Kinder und ihre Eltern ist der Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule ein wichtiges Ereignis: Meist ist dieser Übergang mit einem Schulwechsel verbunden und die neue Schulform bestimmt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Schulabschluss des Kindes.

Auch in der kommunalen Bildungsberichterstattung ist der Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe ein wichtiger Bestandteil. Die Übergangquoten geben Hinweise für eine nachhaltige Schulentwicklungs- und Schulwegeplanung. Es lassen sich sozialräumliche Ungleichheiten sowie schulspezifische Unterschiede erkennen und ggf. Handlungsbedarfe ableiten. Das genaue Wissen über diesen Übergang ermöglicht es den Kommunen zudem, eine gelingende Übergangsgestaltung zu entwickeln und späteren Brüchen im Bildungsverlauf vorzubeugen.

Im Zentrum der zweitägigen Online-Veranstaltung steht die Beantwortung folgender Fragen: Wie lässt sich der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule innerhalb der Berichterstattung abbilden? Wo gibt es Hürden und Lösungen? Inwieweit können selbst erhobene Daten die der amtlichen Schulstatistik ergänzen? Aber auch: Was lässt sich aus ihnen für das Bildungsmanagement und andere Bereiche der Verwaltung ableiten? Zwei Inputs sowie ein Praxisbeispiel aus einem Landkreis und einer Stadt geben erste Antworten und Diskussionsanregungen für den Austausch.

Zielgruppe

Die Online-Bildungswerkstatt richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kommunalen Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring sowie aus der Statistik, der Schulentwicklungs-, Jugendhilfe- und Sozialplanung und Schulsozialarbeit. Ebenfalls können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den „Lernen-vor-Ort“-Kommunen Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens an der Veranstaltung teilnehmen.

Termin

Dienstag, 10. November 2020, 9:30 Uhr - 11:30 Uhr und
Donnerstag, 12. November 2020, 9:30 Uhr - 12:00 Uhr

Programm

Dienstag, 10. November 2020

  • 09:00 Uhr Technischer Support und Ankommen 
  • 09:30 Uhr Begrüßung und Einführung, Dr. Anne Walde, TransMit
  • 09:50 Uhr Input 1: „Der Übergang Grundschule-Weiterführende Schule: Herausforderungen und Lösungen im Entscheidungsprozess“, Ina Eversmann, Bildungskoordinatorin im Referat Strategische Planung, LK Osnabrück
  • 10:30 Uhr Pause
  • 10:45 Uhr Diskussion in Kleingruppen: Stand in den mitteldeutschen Kommunen
  • 11:30 Uhr Ende des 1. Veranstaltungstages

Donnerstag, 12. November 2020

  • 09:00 Uhr Technischer Support und Ankommen 
  • 09:30 Uhr Begrüßung
  • 09:40 Uhr Input 2: „Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule in der Stadt Oberhausen“, Patricia Scherdin, Bereich Statistik, Stadt Oberhausen
  • 10:20 Uhr Pause
  • 10:30 Uhr Impuls: „Datenverfügbarkeit in Mitteldeutschland“, Oliver Wolff, TransMit
  • 10:45 Uhr Gruppenarbeit zu Anknüpfungspunkten für das Bildungsmanagement: Wie lässt sich mit den Daten Steuerungsrelevanz erreichen? Welche weiteren Daten spielen bei dem Thema Übergang innerhalb der Schule eine Rolle?
  • 11:30 Uhr Zusammenfassung der Diskussionen in den Gruppen
  • 12:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Moderation

Dr. Anne Walde und Franciska Mahl, TransMit