Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Online-Bildungswerkstatt: „Bildungsmonitoring XIV: Produkte der Bildungsberichterstattung“

Kann eine Präsenzveranstaltung erfolgreich in den digitalen Raum verlagert werden? Vor dieser Herausforderung stand TransMit, als die Kontaktbeschränkungen im März 2020 auch in Mitteldeutschland griffen. Das zweiteilige Online-Seminar am 23. und 25. Juni war ein gelungener Auftakt für weitere virtuelle Veranstaltungen. Durch die Bereitschaft der Impulsgeberin und des Impulsgebers, die Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und eine überwiegend störungsfreie Übertragung konnte sowohl inhaltliches zusammengetragen als auch munter miteinander diskutiert werden.

Angespannt warten wir am ersten Seminartag um kurz nach 9 Uhr im virtuellen Raum: Werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einloggen können? Und was, wenn nicht? Und dann geht es am Ende doch ganz schnell. Nach und nach treffen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Transferkommunen ein: mit Kamera oder ohne, über Telefon dazu geschaltet oder komplett mit Kamera und Headset ausgestattet. Dabei sind sowohl „alte Hasen“ als auch Mitarbeitende, die erst seit kurzem dabei ist.

Der Bildungsbericht hat sinnvolle Ergänzung erfahren

Im Jahr 2016 hatte TransMit eine der ersten Bildungswerkstätten zu den Produkten der Bildungsberichterstattung durchgeführt. Stand damals noch der umfassende Bildungsbericht im Fokus, wollen wir nun zeigen, dass das Spektrum diverser geworden ist und sich auch nicht nur auf gedruckte Publikationen beschränkt.

Vielmehr zählen alle in sich geschlossenen Darstellungen der Bildungssituation dazu: der Bildungsbericht und seine Varianten, mit Erhebungen untersetzte thematische Analysen, (Online-)Datenbanken über Kennzahlen, Einrichtungen und Angebote, aber auch die datengestützte Überprüfung von Bildungszielen. Daneben sind die Mitarbeitenden im Bildungsmonitoring selbst auch verstärkt als Dienstleister für die Verwaltungsleitung, andere Fachämter und die Kommunalpolitik gefragt und leiten bzw. begleiten interne Abstimmungen zu Datenfragen.

Erfahrungsberichte aus Stadt und Landkreis

Zugeschaltet sind an beiden Tagen Solveig Meyermann aus dem Landkreis Uelzen und Mario Bischof aus der Stadt Leipzig – zwei Kommunen, die mittlerweile ihren dritten bzw. fünften Bildungsbericht veröffentlicht haben. Im Landkreis Uelzen wird der Bericht alternierend alle zwei bis drei Jahre in einer kompakten und einer umfassenden Form veröffentlicht. Meyermann berichtet von ihrem konsequent auf amtliche und standardisierte Daten setzenden Ansatz. Er solle eine Vergleichbarkeit im Zeitverlauf und mit anderen niedersächsischen Kommunen ermöglichen. Wichtig sei es, den Bericht nicht nur zu veröffentlichen, sondern auch durch eine gesonderte Vorstellung und Einordnung in entsprechenden Gremien der Bildungslandschaft zu rahmen.

Bischof aus der Stadt Leipzig zeigt darüber hinaus auf, wo das Monitoring neben der Berichterstattung noch eingebunden ist. So gäbe es ad-hoc-Analysen und die Mitarbeit an fachbezogenen Strategiepapieren oder Stadtteilkonzepten. Auch sei der Aufbau einer Datengrundlage als Basis für Analysen oder für Fördermittelanträge sehr hilfreich und werde gerne von anderen Fachbereichen genutzt. In Thesen schaut Bischof auf die Zukunft des Monitorings. Zunächst würde es durch eine bessere Datenbasis immer einfacher, kommunal auszuwerten.

Weiterhin komme mit der Wiederholung die Übung, d.h. die Neuauflage eines Produktes verbrauche weniger Ressourcen als am Anfang. Dann sei Monitoring mehr als ein gedruckter Bericht. Schließlich brauche es für das 21. Jahrhundert neue Formate, um mit den digitalen Möglichkeiten und persönlichen Gewohnheiten der Zielgruppe zu gehen. Und zuletzt – hierbei wird die Brücke zum Bildungsmanagement, zu Verwaltung, Politik und Bildungslandschaft geschlagen – ersetze ein Bericht nicht die Handlung. Er könne Hilfen geben, entscheiden und handeln müssten aber andere.

Befragungen und Analysen in den Kommunen sehr beliebt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus acht Landkreisen und kreisfreien Städten berichten, welche Arbeitsschwerpunkte sie aktuell im Monitoring setzen. Bei der Mehrzahl steht ein Bildungsbericht ins Haus, der um Schwerpunktanalysen ergänzt wird, wozu fast alle Kommunen eigene Erhebungen durchführen. Diese reichen von Familien­befra­gungen an den Übergängen bis hin zu Befragungen von Eltern und Lehrern zum Schulunterricht und zur Kita-Betreuung während der Corona-Beschränkungen.

Ein Mitarbeiter eines kommunalen Bildungsbüros berichtet, bei der Auswahl der Sozialarbeit an Kitas mit Analysen unterstützt zu haben.

Amtliche versus hausinterne Daten

Eine größere Diskussion entspinnt sich im Plenum, inwiefern amtlichen oder hausinternen Daten der Vorzug zu geben sei. Dabei entscheidet der Zweck die Mittel. Amtliche Daten sind statistisch plausibilisiert und eignen sich aufgrund ihrer Datenqualität sehr gut als Vergleichsbasis. Jedoch mangelt es ihnen häufig an Aktualität und sie können durch ihre feststehende Aggregation nicht kleinteiliger differenziert werden.

Hausinterne Daten bieten hingegen den Vorteil, oft fallbezogen oder einrichtungsbezogen zusammengesetzt zu sein und damit mehr Analysemöglichkeiten zu bieten. Sie entziehen sich aber teilweiseder statistischen Überprüfung und stellen besondere datenschutzbezogene Anforderungen. Schließlich weichen sie im Detail von den amtlichen Daten ab. Hausinterne Daten sind dort eine gute Alternative, wo amtliche Daten nicht in entsprechender Form vorliegen.

Die Stadt Leipzig hat gute Erfahrungen mit „Daten-Abos“ beim Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen gemacht. Hier werden notwendige Daten, über den öffentlich zugänglichen Datensatz hinaus, schneller aufbereitet zur Verfügung gestellt.

Den Life-Cycle eines Produktes gut im Voraus planen

In den Kleingruppen können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielhaft über den „Life-Cycle“ eines Bildungsberichtes und einer Erhebung am Übergang von der Kita in die Grundschule austauschen. Wichtig sei, sich frühzeitig ein Konzept zu überlegen und abzustimmen, das sowohl den grundsätzlichen Auftrag als auch die methodischen Schritte kläre, das Zeitschienen und zumindest erste Ideen beinhalte.

Auch sollte früh festgelegt werden, was während und nach der Veröffentlichung mit dem Bildungsbericht und seinen Ergebnissen geschehen soll. Die frühzeitige Einbindung wichtiger Partner könne außerdem Vertrauen schaffen und zahle sich im Nachhinein aus, bei Befragungen ist sie sogar zwingend notwendig. Auch können Produkte gut mit anderen Formaten, wie Konferenzen kombiniert werden, um ihre Wirkung zu steigern.

Lessons learned

Was haben wir als TransMit methodisch mitgenommen? Online-Seminare funktionieren, wenn die Technik stabil läuft und die Mischung aus Input, Diskussion und reichlich Pausen stimmt. In diesem Sinne freuen wir uns auf weitere Online-Seminare, setzen aber auch auf Präsenzveranstaltungen, denn ein vertrauliches Pausengespräch ist nun einmal unersetzlich.

 

Text: Oliver Wolff, TransMit

 

„Ein Bildungsbericht ist nur gut, wenn er nicht im Regal verstaubt.“ Die kommunale Berichterstattung ist seit dem Beginn kommunaler Bemühungen im Bereich Bildung vor knapp einem Jahrzehnt diverser geworden. Galt bislang der Bildungsbericht als „Goldstandard“ der Berichterstattung, haben sich in den letzten Jahren andere Formen des Monitorings entwickelt und neue Produkte zu ihm gesellt.

In der zweiteiligen Bildungswerkstatt wollten wir Ihnen fundiertes Wissen darüber vermitteln, wie ein Bildungsbericht konzipiert und auf welche Weisen dieser heute rezipiert und genutzt werden kann. Auch wollten wir Ihnen zeigen, welche Instrumente der „Monitoring­koffer“ darüber hinaus enthält und diese im Hinblick auf die Anwendbarkeit für Ihre Bildungsberichterstattung diskutieren.

Wir freuen uns, dass wir Solveig Meyermann, Bildungsmonitorerin im Landkreis Uelzen, für einen ersten Input gewinnen konnten. Der an Sachsen-Anhalt angrenzende Flächenlandkreis hat mittlerweile den dritten Bildungsbericht herausgegeben und nutzt ihn aktiv für seine Arbeit. Mario Bischof aus der Stadt Leipzig berichtete, wie Bildungsbericht, thematischen Analysen und weitere Monitoringprodukte umgesetzt werden.

Zielgruppe

Die Bildungswerkstatt richtete sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kommunalen Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring aus unseren Transferkommunen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leitungsebene sowie Planerinnen und Planer aus den Transferkommunen und „Lernen-vor-Ort“-Kommunen waren ebenso herzlich willkommen. Für Bildungsmonitorerinnen und -monitorer, die ab 2019 ihre Arbeit aufgenommen haben, hielten wir Plätze reserviert.

Termin

Dienstag, 23. Juni 2020, 09:30 Uhr bis 12:00 Uhr und

Donnerstag, 25. Juni 2020, 09:30 Uhr bis 11:30 Uhr

Programm

Dienstag, 23. Juni 2020, Teil I

  • 09:00 Uhr Ankommen (Einwahl und Möglichkeit für technischen Support)
  • 09:30 Uhr Begrüßung
  • 09:50 Uhr Einführung: Überblick zu Produkten des Bildungsmonitorings
    Oliver Wolff, TransMit
  • 10:10 Uhr Input 1: Bildungsberichterstattung in einem Flächenlandkreis
    Solveig Meyermann, Bildungsmonitorerin, Landkreis Uelzen
  • 10:50 Uhr Diskussion: Wo stehen Kommunen derzeit hinsichtlich ihrer Produkte und Dienstleistungen im Rahmen der Berichterstattung?
  • 11:15 Uhr Kleingruppenarbeit in virtuellen Chat-Räumen (Begleitung durch TransMit bis 12:00 Uhr)
  • 12:00 Uhr Ende des ersten Teils

Donnerstag, 25. Juni 2020, Teil II

  • 09:00 Uhr Ankommen (Einwahl und Möglichkeit für technischen Support)
  • 09:30 Uhr Begrüßung
  • 09:40 Uhr Input 2: Bildungsberichterstattung in einer Stadt
    Mario Bischof, Bildungsmonitoring, Stadt Leipzig    
  • 10:20 Uhr Vorstellung der Kleingruppenarbeit
  • 11:10 Uhr Abschlussdiskussion
  • 11:25 Uhr Hinweise zum Feedback und Verabschiedung
  • 11:30 Uhr Ende der Online-Bildungswerkstatt

Moderation

Oliver Wolff, TransMit (Moderation) und Ulrike Richter, TransMit (techn. Unterstützung)