Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Fortbildung: Netzwerke für Bildung aufbauen und koordinieren

"Einen Knoten knüpft man nicht mit einer Hand." Dieser Satz steht auf dem Flipchart, als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Seminarraum in Halle betreten. Moderatorin Dr. Beata Walter bringt damit auf den Punkt, was die Anwesenden in ihrer täglichen Arbeit beschäftigt: Kommunen, die in Sachen Bildung etwas erreichen wollen, sind darauf angewiesen, sich mit anderen Bildungsakteuren zu vernetzen. Diese Zusammenarbeit ist Segen und Fluch zugleich und kann den Verantwortlichen auch schon mal "den Schweiß auf die Stirn treiben", sagt Dr. Lars Knopke, Leiter im Amt für Bildung des Burgenlandkreises. 


1+1=3 Netzwerke als Chance begreifen

Netzwerke sind auf Vertrauen basierende Kooperationen zwischen eigenständigen und gleichrangigen Akteuren. Gemeinsam werden Arbeitsprozesse auf klare Ziele hin abgestimmt, die die Einzelnen in der Form nicht erreichen können. In ihrem theoretischen Input geht Walter auf Definitionen, Instrumente, Erfolgsfaktoren und Zyklen der Netzwerkarbeit ein. Sie macht klar, welche Vorteile ein gut koordiniertes Netzwerk mit sich bringt:

  • Ressourcen können gebündelt und zielgerichteter eingesetzt werden
  • Unsicherheiten und Risiken werden auf die Schultern von Vielen verteilt
  • Möglichkeiten der politischen Lenkung und Steuerung werden vereinfacht
  • Informationen, Leistungen und Ressourcen können sicherer, günstiger und effizienter ausgetauscht werden
  • Der individuelle Nutzen übersteigt die Beitragskosten der Einzelnen
  • Netzwerke sind lernfähig und flexibel in ihrem Anpassungsvermögen

Wie gut oder schlecht ein Netzwerk arbeitet, hänge letztlich von seiner Struktur und der Qualität der Verbindungen zwischen den einzelnen Personen ab, sagt Walter.


Netzwerke als Herausforderung

Nach der Mittagspause geht es in die Praxis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in Gruppen eingeteilt und gebeten, ihre zehn wichtigsten Kooperationspartner in einer Beziehungslandkarte einzutragen. Sie selbst bilden den Mittelpunkt der Karte, von dem aus sie die Akteure nach Wichtigkeit und Intensität der Beziehung zueinander anordnen.

Die Erkenntnisse aus der Übung sind so unterschiedlich wie die Arbeitsstände, auf denen sich die anwesenden Kommunen befinden. Während sich die einen um den Aufbau erster Netzwerke kümmern, sehen sich andere einer unübersichtlichen Gremienstruktur gegenüber, die sie verschlanken wollen. Kritisch angemerkt wird, dass die Potenziale bestehender Netzwerke in der Praxis nicht voll ausgeschöpft werden können. Gründe hierfür seien ungleiche Machtverteilungen, Menschen, die blockieren und ein konstruktives Arbeiten auf Augenhöhe erschweren. "Verordnete Gremienarbeit" sei ebenso wenig zielführend wie "vererbte Posten", so die Anwesenden. Es brauche gemeinsame Ziele, hinter denen die Akteure stehen. So könne man Zweifler überzeugen und das gemeinsame Arbeiten vorantreiben.



Die Beziehungslandkarten offenbarten Verbindungen, die den Einzelnen in der Form nicht bewusst waren. Die sich hieraus ergebenen Optionen, will man weiter verfolgen, ineffiziente Strukturen hinterfragen, verbessern aber auch "entknüpfen", wenn notwendig. Das analytische Handwerkszeug hierfür nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Fortbildung mit nach Hause. Das Wissen, worauf es bei guter Netzwerkarbeit ankommt, ebenso.

Inhalt der Veranstaltung

Das Bildungsgeschehen in einer Region wird von vielen Akteuren gestaltet. Bildungsmanagement steht vor der Aufgabe, funktionierende Strukturen für deren Zusammenwirken zu schaffen. Um die Kooperation zwischen Verwaltung, Bildungseinrichtungen, privaten Trägern und Zivilgesellschaft zu gewährleisten, bieten sich Netzwerke an. Im Netzwerk können Schnittstellen ausgelotet, Kompetenzen konzentriert, ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt und Entscheidungen getroffen werden. Vor Ort sind Netzwerke auf allen Ebenen anzutreffen: So vernetzen sich die Leitungspersonen der bildungsrelevanten Fachbereiche in einem verwaltungsinternen Arbeitsgremium. Flankierend zu Landes- und Bundesprogrammen begleiten lokale Beiräte und Gremien die Abstimmung zwischen den beteiligten Trägern. Nicht zuletzt arbeiten Mitarbeiter/innen verschiedener Bildungseinrichtungen in themenspezifischen regionalen Netzwerken zusammen.

Angesichts der Vielfalt an Netzwerken stellt sich die Frage, welche der vorhandenen Netzwerke für eine übergreifende Bildungsplanung genutzt werden können? Wie können verlässliche Kooperationsbeziehungen angebahnt und aufrecht erhalten werden? Welche Akteure sind in welcher Form einzubinden? Wann arbeitet ein Netzwerk erfolgreich?

Die Fortbildung vermittelt Ihnen das notwendige Wissen über Netzwerke, deren Möglichkeiten, Grenzen und Erfolgskriterien. Zugleich sollen Methoden und Instrumente der Netzwerkanalyse mit den Teilnehmenden praktisch erprobt werden.

Zielgruppe

Die Fortbildung richtet sich an Führungs- und Fachkräfte aus Transferkommunen, die innerhalb der Kommunalverwaltung für die Koordination von Bildungsnetzwerken zuständig sind oder zukünftig sein werden.

Ablauf

  • 10:00 Uhr
    Vorstellungsrunde mit Methoden der Netzwerkbildung,                        
    Fachinput: Netzwerk – Akteure, Phasen, Evaluierung
  • 12:00 Uhr
    Mittagspause
  • 13:00 Uhr
    Kleingruppenarbeit: Zuschnitt der Netzwerke vor Ort,
    Fachinput: Erfolgskriterien guter Netzwerkarbeit,
    Moderierter Erfahrungsaustausch
  • 17:00 Uhr
    Ende

Ort und Zeit

16. Juni 2016, von 10:00 bis 17:00 Uhr, Deutsches Jugendinstitut e.V./ Raum 208
Franckeplatz 1, Haus 12/13, 06110 Halle