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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Fortbildung: Kommunale Bildungsberatung – Praxiserfahrungen und Hintergründe

Kommunales Bildungsmanagement fördert lebensbegleitendes Lernen. Angesichts der Komplexität von Bildungs- und Berufsbiographien stellt sich jedoch die Frage, wie dieser Ansatz praktisch umgesetzt werden kann. Ein Instrument, Menschen Orientierung im Dickicht lokaler Bildungsangebote geben zu können und gemeinsam mit ihnen unter Berücksichtigung Ihrer Kompetenzen die richtigen Wege zu finden, ist die kommunale Bildungsberatung. In unserer Fortbildung am 24. Mai 2018 drehte sich deshalb alles um diese Schnittstelle.


26 Teilnehmende folgen unserer Einladung nach Halle mit dem Wunsch, Bildungsberatung greifbar werden zu lassen. Den Auftakt ins Thema liefert Frau Dr. Kathrin Ellwart aus Freiburg, jahrelange Beobachterin und Praktikerin im Feld der Bildungsberatung. Gleich zu Beginn macht sie deutlich, die eine Bildungsberatung gibt es nicht, vielmehr gibt es unterschiedliche Modelle der Organisation. Neben der trägerneutralen, durch die Kommune gestützten Beratungsstelle kann eine Bildungsberatung auch an eine vorhandene Struktur angebunden werden, zum Beispiel an eine Volkshochschule.

Frau Ellwart, zertifizierte Bildungsberaterin am LvO-Standort in Lübeck, spricht sich mit dem Blick auf ihre Erfahrungen für eine kommunal koordinierte Bildungsberatung als Netzwerk aus. Der Idee des „educational governance“ folgend kommen in diesem Netzwerk die Akteure der Bildungsberatungslandschaft über Runde Tische zusammen und stimmen ihre Angebote aufeinander ab, um den Menschen vor Ort gute, auf sie angepasste Beratung bieten zu können. Die Referentin vergleicht die Bildungsberatung mit einem Scharnier im kommunalen Bildungsmanagement. Voraussetzungen für eine solche Schnittstelle sind neben bestehenden Beratungsangeboten zu Bildungsfragen und beruflichen Perspektiven in der Kommune, ein politisches Mandat und der Kooperationswille der Beteiligten, so Ellwart weiter.

(K)eine Bildungsberatung in der Praxis: der Kyffhäuserkreis berichtet

Nach dem einführenden Vortrag übernimmt Herr Kriese, Leiter der Volkshochschule im Kyffhäuserkreis, das Wort. Er berichtet offen über die Erfahrungen des Landkreises mit der Bildungsberatung. Insbesondere der Prozess des Aufbaus einer Bildungsberatung mit Hilfe einer Expertenrunde „Bildung“ und konkrete Angaben zu den Nutzungszahlen bzw. den Zielgruppen, interessieren das Publikum.

Kriese erläutert auch die Schwierigkeiten der Beratungsstelle, wie etwa dem Nachweis der Wirksamkeit und den Grenzen der Beratung. Nach dem Auslaufen des Förderprogramms LvO gibt es im Kyffhäuserkreis keine kommunale Bildungsberatung mehr. Über Ursachen und die Frage, was man rückblickend anders machen würde, kommen Ellwart und Kriese anschließend ins Gespräch. Es wird wieder deutlich, ohne Unterstützung der kommunalen Spitze geht es nicht, aber auch die organisatorische Anbindung der Beratungsstelle, das Beratungsverständnis und die Qualifikation des Personals machen den Unterschied.

Im Austausch zeigen sich erneut die Stärken eines Netzwerkmodells. Ein Beispiel für eine noch bestehende Bildungsberatung mit diesem Grundverständnis bietet der Kreis Lippe.

Ein Leitbild und viele Schultern: die Stadt Erfurt berichtet

Nach einer Mittagspause steht eine Kommune aus Thüringen Rede und Antwort. Aus Erfurt, eine weitere ehemalige LvO-Kommune, berichtet Torsten Hass, Leiter des Amtes für Bildung der „Bildungsstadt Erfurt“, über die dortige Bildungsberatung, die sich durch ein umfangreiches Marketingkonzept und Online-Beratungsangebote auszeichnet. Bei der Nachfrage zur Verstetigung lenkt Herr Hass den Blick auf das Bildungsleitbild als Argumentationsgrundlage im politischen Entscheidungsprozess.

Dennoch spricht auch er über weitere Probleme, wie die Erklärung scheinbar geringer Nutzungszahlen und dem Wegfall von Beraterstellen durch Personalwechsel. Um dem Prozess eines Auslaufens zu begegnen, wurde die Bildungsberatung in Erfurt auf mehrere Schultern verteilt. Die Kommune setzte sich dafür mit der Industrie- und Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit an einen Tisch. Im Ergebnis wird die Bildungsberatung nun von der Agentur für Arbeit selbst getragen.

Die Bildungsberatung ist damit zunächst gesichert. Die Ausbildung neuer Beraterinnen und Berater, das Einbinden der Universität sowie die Spezialisierung auf Neuzugewanderte sind drei konkrete Wünsche, die Herr Hass für die weitere Arbeit der Bildungsberatung in Erfurt formuliert.

Methode Bildungsberatung: Kommunen bilanzieren

Nach den Inputs bleibt für die Teilnehmenden Raum, die vorgestellten Modelle zu diskutieren und eigene Fragen loszuwerden. Welche Vorteile könnte die Bildungsberatung in „meiner“ Kommune bringen? Welche ersten Schritte müsste ich gehen? Wen und was brauche ich dafür?

In Kleingruppen kommen die Teilnehmenden erneut mit den Inputgeberinnen und Inputgebern ins Gespräch. Im abschließenden Plädoyer wird klar, die Bildungsberatung kann sehr viel, jedoch muss sie von Anfang an in ein starkes Netzwerk eingebunden und der Auftrag entsprechend politisch mitgetragen werden.


Text: Maria Nobis, TransMit

 

Inhalt der Veranstaltung

Kommunales Bildungsmanagement soll lebensbegleitendes Lernen fördern. Angesichts der Komplexität des Vorhabens stellt sich in unseren Transferkommunen vermehrt die Frage, wie dieser Ansatz praktisch umgesetzt werden kann. Ein Instrument, das Menschen Orientierung zu lokalen Bildungsangeboten und Fortbildungsmöglichkeiten geben kann, ist kommunale Bildungsberatung. Hier finden Verwaltungen den direkten Draht zu Bürgerinnen und Bürgern, hier werden Bedarfe und Zuständigkeitsbarrieren sichtbar. In Mitteldeutschland haben mehrere Kommunen im Rahmen des Programms „Lernen vor Ort“ (2009-2014) Bildungsberatungsstellen eingerichtet – einige konnten verstetigt werden, andere nicht.

Gern schöpfen wir aus diesem Erfahrungspool und stellen den Teilnehmenden unserer Fortbildung zentrale Erkenntnisse aus den Modellkommunen zur Verfügung – insbesondere aus der Stadt Erfurt und dem Kyffhäuserkreis. Hierfür konnten wir Akteure aus beiden Standorten gewinnen, die sowohl am Entwicklungs- als auch am Umsetzungsprozess der kommunalen Bildungsberatung beteiligt waren.

Folgende Fragen stehen dabei zur Diskussion: Was muss beim Aufbau kommunaler Beratung im Vorfeld beachtet werden? Welche Akteure unterstützen das Vorhaben? Welche Vor- und Nachteile hat kommunale Bildungsberatung? Wo liegen strukturelle Hürden? Wer nutzt das Angebot? Welche Funktion übernimmt die Beratung?

Zudem konnten wir für die Fortbildung eine Impulsgeberin aus der Wissenschaft gewinnen, die Bildungsberatung vor allem konzeptionell und unter dem Fokus Bildungsmanagement betrachtet. Dr. Kathrin Ellwart promovierte zum Thema und war als Bildungsberaterin in Lübeck tätig. Ihr obliegt in unserer Fortbildung die Aufgabe, Bildungsberatung theoretisch einzuordnen, von anderen Angeboten abzugrenzen und Hinweise für die praktische Umsetzung beizusteuern. 

Neben Impulsvorträgen haben wir in der Fortbildung auch an Raum für Austausch zwischen den Teilnehmenden gedacht: In einer Podiumsdiskussion und einer (kurzen) Arbeitsgruppenphase können Sie sich über Ihr Vorhaben austauschen und Anregungen mit in Ihre Kommune nehmen.

Zielgruppe

Die Veranstaltung richtet sich an Bildungsverantwortliche aus unseren Transferkommunen, Personal an der Schnittstelle Kommunalverwaltung-Berufsberatung-Arbeitsverwaltung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Programme „Bildung integriert“ und „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“.

Ablauf

  • 09:30 Uhr
    Ankommen und Anmeldung
  • 10:00 Uhr
    Begrüßung
  • 10:20 Uhr
    Impulsvortrag aus Sicht der Wissenschaft
    „Konzeptuelle Grundlagen der Bildungsberatung und Einbindung in das KMB",
    Dr. Kathrin Ellwart, Stadt Freiburg
  • 11:00 Uhr
    Impulsvortrag aus Sicht der Praxis
    „Voraussetzungen und Herausforderungen kommunaler Bildungsberatung in Landkreisen", Michael Kriese, Kyffhäuserkreis
  • 11:45 Uhr
    Podiumsgespräch
    Dr. Kathrin Ellwart und Michael Kriese beantworten Fragen aus Theorie und Praxis
  • 12:30 Uhr
    Mittagspause
  • 13:15 Uhr
    Praxisbeispiel
    „Zielgruppen, Beratungsalltag und  Verstetigung am Beispiel der Stadt Erfurt",
    Torsten Hass, Stadt Erfurt
  • 14:20 Uhr
    Arbeitsgruppenphase mit Kaffee und Kuchen
  • 15:15 Uhr
    Verabschiedung und Feedback

    Moderation: Alexander Lorenz und Maria Nobis, TransMit

Ort und Zeit

Donnerstag, 24. Mai 2018,
von 10:00 bis 15:30 Uhr

Deutsches Jugendinstitut e.V. Halle
Franckeplatz 1, Haus 12-13, Seminarraum 1. OG
06110 Halle/Saale