Fortbildung „Integrierte Sozialplanung – Erfolgsfaktoren und Schnittstellen zum Bildungsmonitoring und Bildungsmanagement“

Das kommunale Bildungsmanagement ist mit seinem Querschnittsthema Bildung auf die Zusammenarbeit mit anderen Fachplanungen einer Kommune angewiesen. Mithilfe der integrierten Sozialplanung ist es möglich, verschiedene Fachplanungen aufeinander zu beziehen und unter Berücksichtigung sozialräumlicher Entwicklungen zu bearbeiten. Wie aber können sich die Mitarbeitenden aus Bildungsmonitoring und -management innerhalb der vielerorts etablierten Planungsprozesse positionieren? Denkanstöße gab an zwei Fortbildungstagen der Sozialplaner und Stadtsoziologe Walter Werner. Er erörterte Grundlagen der (integrierten) Sozialplanung, zeigte Anknüpfungspunkte zu Bildungsmonitoring und -management auf und verwies auf gute Beispiele auf der Praxis.
 

Mehr als doppelt so viele der ursprünglich geplanten Teilnehmenden waren aus unseren mitteldeutschen Kommunen nach Halle gekommen. An den Tischen im Stadtmuseum saßen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Bildungsmonitoring, Bildungsmanagement sowie den Fach- und  Sozialplanungen. Eine Vorstellungsrunde verdeutlichte rasch den unterschiedlichen Erfahrungshintergrund der Teilnehmenden. Manche arbeiteten bereits seit Jahren in der Sozialplanung oder im Bildungsmanagement, teils sogar in einer Stabsstelle für Integrierte Sozialplanung. Andere waren gerade neu als Bildungsmonitorer/in oder Bildungsmanager/in in ihrer Kommune eingestellt worden oder sind in Städten oder Landkreisen beschäftigt, in denen Sozialplanung und Akteure des kommunalen Bildungsmanagements bislang noch nicht eng zusammenarbeiten.

Entsprechend unterschieden sich die Erwartungshaltungen, mit denen die Teilnehmenden zur Veranstaltung gekommen waren. Neben den Grundlagen der integrierten Sozialplanung war insbesondere von Interesse, wie eine stärkere Verzahnung von datenbasiertem Bildungsmanagement und Sozialplanung strategisch umgesetzt werden kann. Damit war auch die Frage verbunden, wo das datenbasierte Bildungsmanagement konzeptionell verortet und strukturell gestärkt werden kann. Wie bei allen TransMit-Veranstaltungen bestand zudem ein großer Wunsch, mit Verwaltungsakteuren anderer Kommunen in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können.

Ähnliche Arbeitsweisen in Sozialplanung, Bildungsmonitoring und -management

Der erste Tag war durch den versierten Input des Referenten Walter Werner geprägt. Er teilte mit uns nicht nur sein Fachwissen, sondern auch sein Erfahrungswissen, das er in seiner über dreißigjährigen Tätigkeit als Sozialplaner in der Stadt Mannheim erworben hat. Bei der Erörterung der Grundlagen der Sozialplanung wurde schnell klar, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede in den Arbeitsweisen von Fachplanungen auf der einen Seite und Bildungsmonitoring und -management auf der anderen Seite gibt. So hat das Bildungsmonitoring ebenso wie die integrierte Sozialberichterstattung eine Aufklärungs-, Planungs-, Kommunikations- und Innovationsfunktion. Auch werden ebenso wie bei der integrierten Sozialplanung Steuerungsmodelle angewendet, die die Planungsprozesse in einzelne Zwischenschritte untergliedern. Anders als beim Programmpersonal von „Bildung integriert“ kommt die Aufgabe der Fachplanung in der Regel einer Person zu, die sowohl für das Monitoring als auch für das Management ihres Fachthemas verantwortlich ist.

Walter Werner stellte weiterhin heraus, dass Bildungsplanung die (teilweise pflichtigen) Fachplanungen wie die Jugendhilfe- oder Schulentwicklungsplanung nicht ersetzt, sondern einen eigenen Auftrag hat. Dieser besteht vorrangig darin, Querschnittsthemen zwischen einzelnen Fachplanungen, die diese selbst nicht zum Gegenstand haben, aufzunehmen und in den integrierten Planungsprozess einzubringen (z. B. Übergangsprozesse im Lebenslauf). Ein Beispiel einer dauerhaften Verankerung von Bildungsplanung bot die Stadt Mannheim. Dort wurde parallel zu einer jahrzehntelang etablierten Sozialplanung und Sozialberichterstattung Bildungsplanung und Bildungsberichterstattung zu einer Standardaufgabe gemacht. 2010 wurden hierfür neue Verwaltungsstrukturen geschaffen.

Solche Beispiele beeindruckten die Teilnehmenden der Fortbildung. Ihre Wortbeiträge machten aber auch deutlich, dass sie vielerorts vor der Herausforderung stehen, einzelne Bildungsthemen erst einmal generell auf die Planungsagenda des Landkreises zu bringen.

Um nach dem intensiven Input des ersten Tages nah an die Planungspraxis der Teilnehmenden heranzukommen, wurde am zweiten Fortbildungstag in Kleingruppen gearbeitet. Anhand von Praxisbeispielen ihrer Kommunen setzten sich die Gruppen mit den Chancen und Stolpersteinen von Planungsprozessen unter dem Fokus Bildung auseinander. Die Ergebnisse wurden später vor der Gesamtgruppe vorgestellt, damit möglichst viele von dem Erfahrungswissen der einzelnen Teilnehmenden profitieren konnten. Nachfolgend sind einige der Erfolgsfaktoren, die von den Teilnehmenden herausgearbeitet wurden, aufgeführt:

  • Für neue Mitarbeiter/innen empfiehlt es sich, an Planungsprozessen und Planungstraditionen anzusetzen, die bereits in der Kommune vorhanden sind. Wenn man mit seiner (Bildungs-)Planungskompetenz in der Verwaltung etabliert ist, ist es leichter, weitere Planungsthemen voranzubringen.
  • Es gilt zu ergründen, welche Themen politische Akteure einer Kommune besonders akut bewegen, um folgend künftige Planungsthemen argumentativ gut vorbereiten zu können.
  • Bevor Planungsprozesse gestartet werden ist es sinnvoll, diese vom Stadtrat bzw. Kreistag beauftragen zu lassen. Hierzu gehört auch, die finanziellen Mittel, die für den Planungsprozess benötigt werden, offenzulegen. Zudem sollten mögliche (Langzeit-)Folgen benannt werden, die auftreten, wenn die Kommune hier untätig bliebe.
  • Generell sollte der gesamte Planungsprozess beauftragt werden. Dies reicht von dem Beschluss der Methode bis zur Bestätigung, dass Handlungsempfehlungen und Maßnahmevorschläge zu erarbeiten sind.
  • Manche drängenden Themen finden aktuell keine politischen Mehrheiten. Hier gilt es diese ggf. hintenanzustellen und den passenden Moment abzuwarten, um sie mit geballter Kraft nach vorne zu bringen. 

Ausblick

In den zwei Tagen sind viele der anfangs durch die Teilnehmenden eingebrachten Erwartungen zur Sprache gekommen – sicherlich konnten aber nicht alle Aspekte in Gänze bearbeitet werden. Gerade die Frage, wie Bildungsplanung konzeptionell gestärkt werden kann, ist eine, die sowohl die Planer/innen als auch TransMit weiter beschäftigen wird. Im Plenum wurde großes Interesse daran geäußert, in weiteren Fortbildungen das Thema der Politikfeldanalyse zu behandeln. Hierdurch könnte eruiert werden, wie politisches Agenda-Setting in den Kommunen erfolgt und wie Bildungsthemen in den Verwaltungen gestärkt werden können.


Text: Sarah Beierle, TransMit

In vielen Kommunen wurden in den vergangenen Jahren integrierte (Sozial-)Berichterstattungs- und Monitoringsysteme aufgebaut. Bildungsmonitoring und -management spielen hierbei eine wichtige Rolle. Sie sind oft den entsprechenden Verwaltungsstrukturen (Stabsstellen bzw. Abteilungen/Sachgebiete Sozialplanung in Fachämtern) mit der Schnittstelle zur sozialräumlichen Stadtentwicklungsplanung organisatorisch zugeordnet. Auch Förderprogramme orientieren sich zunehmend auf integrierte Ansätze und die Einbindung von KBM-Strukturen.

Der Mehrwert eines integrierten Planens liegt auf der Hand: In Hinblick auf die strategische Bildungsplanung können direkte Schnittstellen zur Sozial-, Jugendhilfe-, Schulentwicklungs- und Teilhabeplanung genutzt werden. Und auch für andere Planungen sind die bildungsbezogene Expertise und die dazugehörigen Daten hoch relevant. Grundlage für eine erfolgreiche Bearbeitung konkreter Projekte durch mehrere Planungsbereiche sind die Entwicklung strategischer Ziele, die Einbeziehung aller relevanten Verwaltungseinheiten, passgenaue Abstimmungsformate, Datenaustausch und Transparenz.

Die Fortbildung widmet sich deshalb folgenden Fragen: Wie kann das Thema Bildung in den Fokus der Verknüpfung kommunaler Planungen rücken? Welche konkreten Ansätze gibt es bei der Verknüpfung von Planungen zur Bearbeitung bildungspolitischer Themen? Ziel der Fortbildung ist es, die Potenziale einer integrierten, inklusiven, indikatorenorientierten Planung zu eröffnen und die Planungs- und Beratungskompetenz der Teilnehmenden zu stärken.

Bausteine der Fortbildung sind: Konzeptionen, Methodiken, Systemlogiken und Prozessstrukturen integrierter Sozialplanung sowie die Standards integrierter Sozialberichterstattung mit ihren Schnittstellen zu Bildungsmonitoring und -management. Durch die Reflexion der eigenen Beratungspraxis in Bezug auf Planung/Berichterstattung, Integration/Inklusion, Governance/Management, Koordination/Kooperation und Monitoring/Evaluation und das Vorstellen sowie die Diskussion guter Beispiele wird die eigene Arbeit qualifiziert.  

Zielgruppe

Die Fortbildung richtete sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kommunalen Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring sowie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Fachplanungen in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Programm

Mittwoch, 6. November 2019

  • 09:00 Uhr Ankommen und Anmeldung
  • 09:30 Uhr Begrüßung, Einstieg, Vorstellungsrunde
  • 10:30 Uhr Konzeptionen, Methodiken, Systemlogiken und Prozesstrukturen integrierter Sozialplanung – Mehrwert und Nutzen integrierter Planung
  • 12:00 Uhr Mittagspause
  • 12:45 Uhr Standards integrierter Sozialberichterstattung – indikatorengestütztes Monitoring als Analyse- und Steuerungsinstrument
  • 14:30 Uhr Querschnittsthemen zu Planung und Berichterstattung:

    • - Governance/Management, Koordination/Kooperation, Monitoring/Evaluation 
    • - Inklusive Sozialplanung – Masterplan, Aktionsplan, Index zur Inklusion (Umsetzung der UN-BRK, insbes. Art. 24 Bildung)
  • 16:15 Uhr Sammlung und Ausblick auf den nächsten Veranstaltungstag
  • 17:00 Uhr Ende des ersten Veranstaltungstages

Donnerstag, 7. November 2019

  • 08:45 Uhr Ankommen
  • 09:00 Uhr Arbeit in Gruppen: Beispiele integrierter Sozialplanung und Sozialberichterstattung – Erfolgsfaktoren, Schnittstellen zum Bildungsmonitoring und Bildungsmanagement
  • 11:30 Uhr Mittagspause
  • 12:00 Uhr Ergebnisvorstellung der Gruppenarbeit und Diskussion / Austausch
  • 14:00 Uhr Zusammenfassung der Ergebnisse
  • 15:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Leitung

Walter Werner leitet diese Veranstaltung. Er war viele Jahre für die integrierte Sozialplanung der Stadt Mannheim verantwortlich und verfügt über eine große Expertise zu den Themen und umfassende Erfahrungen in der kommunalen Beratung.

Organisation und Moderation

Jenny Richter, Sarah Beierle und Norbert Blauig-Schaaf, TransMit

Zeit und Ort

Mittwoch, 6. November 2019, 09:30 Uhr bis 17:00 Uhr und
Donnerstag, 7. November 2019, 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr

Stadtmuseum Halle, Christian-Wolff-Haus, Große Märkerstr.10, 06108 Halle (Saale)