Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Fortbildung: Einführung in das datenbasierte kommunale Bildungsmanagement

Was ist eigentlich dieses datenbasierte kommunale Bildungsmanagement (DKBM), welche Erfahrungen liegen mittlerweile aus dem mitteldeutschen Raum vor und was planen die Kommunen konkret? Um diese Fragen zu erörtern, lud die Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit am 22. Mai 2019 zum wiederholten Mal interessierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Räume des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in den Franckeschen Stiftungen nach Halle ein.

Seit dem Auftakt der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement im Jahr 2014 konnte die Transferagentur Mitteldeutschland zu mehr als 40 Fortbildungen und Werkstätten für interessierte Kommunen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einladen. In diesem Jahr bot sich aufgrund der wachsenden Zahl zu beratender Kommunen die Gelegenheit, noch einmal einführend über kommunale Bildungssteuerung zu informieren.

Was ist eigentlich dieses kommunale Bildungsmanagement?

Viele interessierte und fragende Gesichter haben sich in den Räumen des Deutschen Jugendinstituts versammelt. Insgesamt sieben Kommunen haben neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring nach Halle entsendet. Waren in den früheren Jahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem aus Sachsen-Anhalt und Thüringen gekommen, reisten sie diesmal auch in großer Zahl aus Sachsen an. Immer mehr Kommunen im Freistaat wollen die Etappen lebenslangen Lernens besser miteinander verzahnen. Ihr Leistungsspektrum ist bedingt durch konkrete Zielvorgaben, die Zustimmung kommunaler Gremien und vagen Vorstellungen davon, mittels Daten die Bildungsangebote vor Ort besser zu gestalten.

Dimensionen des kommunalen Bildungsmanagements

In ihrem Einführungsvortrag machen Dr. Cornelia Leser und Oliver Wolff von TransMit deutlich, dass Bildungssteuerung nicht die Zuständigkeiten anderer Institutionen ersetze, etwa die des Landes. Stattdessen sichere sie die notwendige Kooperation der unterschiedlichen Institutionen und Akteure  ab.

Viele verschiedene Dimensionen umfasse das kommunale Bildungsmanagement, betont dabei Cornelia Leser: Seine Aufgabe ist es zunächst, auf eine gemeinsame strategische Zielsetzung hinzuwirken und diese mit Leben zufüllen. Die Koordination erfolgt dabei durch die Kreis- und Stadtverwaltungen. Einerseits sind sie für die Daseinsvorsorge ihrer Bürgerinnen und Bürger verantwortlich. Andererseits spielen sie im Bildungsbereich eine zentrale Rolle, etwa als Trägerinnen von Kindertageseinrichtungen, Bibliotheken, allgemeinbildenden, Musik- und Volkshochschulen.

In Bildungsbüros oder entsprechenden Stabsstellen wirken die verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Bildungsbezug zusammen. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb der Verwaltung wichtig, um die lokale Bildungslandschaft zu gestalten. Unterstützt von externen Austauschrunden ist es Aufgabe des Managements, die Akteure an einen Tisch zu bringen und einzubinden.

Daneben braucht es eine wirksame Begleitung der fachlichen Bildungsthemen, die von der Übergangsgestaltung über Fragen zu Inklusion, Integration oder Digitalisierung bis hin zur Verbesserung der Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen reichen. Über die Information der Zielgruppen hinaus ist deren Beteiligung sehr wichtig. Dafür müssen Kanäle und Formate geschaffen werden, um sie einzubinden und ihr Feedback einzuholen – letztlich sollen sie von der Arbeit des Bildungsmanagements auch tatsächlich profitieren. Neben anderen Partizipationsmöglichkeiten haben sich Bildungskonferenzen bewährt. Zudem müssen die Angebote in der Kommune für die Bürgerinnen und Bürger klar erkennbar sein.

Letztlich ist ein wirksames Bildungsmanagement nur auf einer validen empirischen Grundlage möglich, erklärt Oliver Wolff. Ein Monitoring sei deshalb unverzichtbar, um als Diagnoseeinheit und Dienstleister Fragen kommunaler Akteure zu beantworten und Tiefenschärfe in die Diskussion zu bringen.

Bildungsmanagement ohne Monitoring bleibt blind – Bildungsmonitoring ohne Management bleibt stumm

Anhand einiger konkreter Beispiele zeigt Oliver Wolff auf, wie die beiden Bereiche Monitoring und Management zusammenwirken müssen. Das Bildungsmanagement formuliert sein Erkenntnisinteresse und schafft entsprechende Datenzugänge für das Bildungsmonitoring. Dieses liefert seinerseits Erkenntnisse und ermöglicht es den Verantwortlichen, auf valider Grundlage über Empfehlungen, konkrete Ziele und wirksame Maßnahmen zu beraten. Außerdem kann und sollte es diese überprüfen und aufzeigen, ob die Ziele der Kommune auch erreicht werden.

Das Beispiel Halle (Saale) – Bildungsmanagement FÜR die Stadt

Nach der Mittagspause stellen Annett Fritzsche und Michael Gerstner aus der Stadt Halle die Entwicklung in der Händelstadt dar. Ausgehend von einer halbjährigen Einstiegsphase, in der mehr als 30 Akteure nach ihren Vorstellungen zur Bildungsgestaltung für die Stadt befragt werden (von einer Kommune so schön „Kavaliersrunde“ genannt), wird ein Fahrplan für die Erstellung von bildungspolitischen Leitlinien erstellt und in der internen Lenkungsgruppe verabschiedet werden. In ausgewählten Workshops werden Schwerpunkte behandelt und in einer Bildungskonferenz im Jahr 2018 zu einem Entwurf für ein Leitbild verdichtet.

Nach der Verabschiedung des Leitbildes 2019 soll es nun zur konkreten Maßnahmenplanung kommen. Auch müssen die Bürgerinnen und Bürger und aufgeschlossene Akteure in der zukünftigen Bildungsplanung noch systematischer eingebunden werden. Schließlich, so betont Michael Gerstner, mache man kein Bildungsmanagement als Stadt, sondern FÜR die Stadt. Als Schlüsselfaktor für den bisherigen Erfolg wird von beiden die Unterstützung durch die Beigeordnete für Bildung und Soziales, der politische Rückhalt durch den Stadtratsbeschluss sowie die enge Einbindung aller relevanten Gruppen in den Strategieprozess genannt.

Das Beispiel Burgenlandkreis Kräfte bündeln

Einer der Pioniere in den ostdeutschen Bundesländern ist der zwischen Halle, Leipzig und Jena gelegene Burgenlandkreis. Er zeigt, dass auch Landkreise das Thema „Lebenslanges Lernen“ ernst nehmen. So schildert Robert Aßmann, Leiter des Amtes für Bildung, Kultur und Sport, zunächst die ganz konkreten Entwicklungsschritte der letzten Jahre.

Durch die Zusammenführung sämtlicher bildungsbezogener Landes- und Bundesprogramme in einem gemeinsamen Bildungsbüro und unter dem Dach eines vereinenden Dezernates sind viele Kräfte gebündelt worden. Die Abstimmung unter den Projekten entlang der Bildungskette ermöglicht es, Leerstellen und Mehrfacharbeit zu identifizieren. Im Regionalen Arbeitskreis Bildung (RAK Bildung) sitzen Vertreterinnen und Vertreter hochrangiger Institutionen aus der Region und dem Land unter Vorsitz des Landrates und beraten, wie sich Bildung entwickeln soll.

Nach Robert Aßmann erleichtert deren Einbindung die Zusammenarbeit mit den Institutionen bei konkreten Anliegen. Gerade bei weitreichenden Modellversuchen wie etwa aktuell im Inklusionsbereich, bei der medienpädagogischen Begleitung von Schulen oder bei Bildungsangeboten der Migrationsagentur für Neuzugewanderte sind die einzelnen Institutionen alleine oftmals nur begrenzt handlungsfähig, zumal ein möglichst breiter Konsens zwischen ihnen notwendig ist. Der Aufbau des Bildungsmanagements ist und bleibt von der Priorisierung in der Kommune abhängig. In diesem Fall sei das außerordentliche Engagement des Landrats ein „Glücksfall“.

Gruppenphase – Einheit in Vielfalt

Nach einem Imbiss folgt für die Teilnehmenden eine Arbeitsphase, die Ulrike Richter moderiert. In ihr sollen die Pläne für die Kommune aufgeschrieben und auch erläutert werden, was für Anknüpfungspunkte dafür schon bestehen.


Nach Minuten eifrigen Nachdenkens und Visualisierens wird klar, dass es ganz unterschiedliche Herangehensweisen gibt. Einige Kommunen möchten ihre Bildungssteuerung in eine schon bestehende, übergeordnete, integrierte Planung einbetten. Andere wiederum möchten Bildung eher als Dach einer rechtskreisübergreifenden Arbeit verstehen. Die Formulierung strategischer Ziele steht überall im Fokus. Auch die Einbindung von Zivilgesellschaft und die Unterstützung durch Stiftungen wird genannt.

Uneinig sind sich die Beteiligten darüber, welche Produkte aus dem Portfolio des Bildungsmonitorings helfen. TransMit weist darauf hin, dass sowohl ein großer Bericht als auch eine thematische Analyse ihre Berechtigung haben, es aber vielmehr darauf ankommt, WIE und FÜR WEN damit gearbeitet wird. Die Agentur verweist hierbei auf die Bildungswerkstatt „Vom Bericht zum Diskussionsgegenstand“ am 19. März dieses Jahres sowie auf die bald erscheinende Publikation „TransMitPlus 1: Anschlüsse herstellen“. Das Schlüsselwort hier: Dienstleistungsorientierung.

Zum Schluss stellt Ulrike Richter die weiteren thematischen Veranstaltungen und Publikationen der Agentur für dieses Jahr vor. So wird es Veranstaltungen zur Schulentwicklung und zur Beteiligung geben. Auch Datenschutz im Bildungsmonitoring und die Einbettung eines Bildungsmanagements in die Integrierte Planung sind wichtige Themen.

 

Text: Oliver Wolff

Inhalt der Veranstaltung

Das datenbasierte Bildungsmanagement ist mittlerweile über zehn Jahre Bestandteil der Kommunalverwaltung und damit den Kinderschuhen entwachsen. Auch in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bewegen sich viele Kommunen schon auf sicheren Beinen, andere machen gerade die ersten Schritte. Und die Anzahl derer, die in ihrer Kommune Antreiber und Wegweiser für Verbesserungen im Bildungsbereich sind, wächst stetig.

2016 haben wir auf dem TransMit-Fachtag in Nordhausen schon einmal die Grundlagen für das Themenfeld gelegt. Diesmal möchten wir neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus unseren Transferkommunen in die Franckeschen Stiftungen zu Halle einladen, um ihnen einen Einstieg in das Thema zu ermöglichen.

Dabei werden wir das datenbasierte kommunale Bildungsmanagement und die bundesweiten und regionalen Unterstützungsstrukturen vorstellen. Was bedeutet kommunales Bildungsmanagement eigentlich praktisch und warum ist das Monitoring dabei nicht wegzudenken? Erfahrene Kommunen aus dem mitteldeutschen Raum berichten von ihrem Weg und weisen auf Chancen und Risiken hin. Gleichzeitig bietet die Veranstaltung den Teilnehmenden die Chance, sich mit anderen Erfahrenen und Einsteigern auszutauschen und die eigenen Vorhaben zu präsentieren.

Zielgruppe

Die Fortbildung richtet sich an die neu eingestellten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring sowie ihre Leitungsebene aus den Transferkommunen.

Ablauf

  • 09:30 Uhr Ankommen
  • 10:00 Uhr Begrüßung und Einführung in die Transferinitiative
  • 10:20 Uhr Warm-up
  • 11:00 Uhr DKBM praktisch gedacht: Was ist die Idee des DKBM? Struktur und Zusammenspiel von Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring in der Kommune
  • 12:00 Uhr Mittagspause
  • 13:00 Uhr Wie haben es die anderen gemacht? Aktuelle Blitzlichter aus der Stadt Halle und dem Burgenlandkreis
  • 14:15 Uhr Arbeitsphase: Ziele und geplante Produkte der Kommunen
  • 15:30 Uhr Vorstellung der Ergebnisse und Abschlussrunde
  • 16:45 Uhr TransMit-Hinweise und Verabschiedung
  • 17:00 Uhr Ende

Moderation: Dr. Cornelia Leser, Ulrike Richter, Oliver Wolff, TransMit

Mittwoch, 22. Mai 2019, 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Deutsches Jugendinstitut, Franckesche Stiftungen zu Halle, Frankeplatz 1, Haus 12/13, Seminarraum 2. Etage, 06110 Halle/Saale