Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Bundeskonferenz Bildungsmanagement

GEMEINSAM. Das war das Motto der Bundeskonferenz Bildungsmanagement am 24. Juni in Berlin. Im Rahmen der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in eine ehemalige Lagerhalle auf dem Berliner Westhafen geladen. In außergewöhnlicher Kulisse trafen sich über 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Landkreisen und kreisfreien Städten, um sich über aktuelle Entwicklungen im kommunalen Bildungsmanagement auszutauschen. Das Konzept: Vorträge, Diskussionen und die Möglichkeit, mit einer der acht bundesweiten Transferagenturen Ansätze für die eigene Bildungsarbeit zu finden. Wir waren dabei und blicken zurück.

Von "Lernen vor Ort" zur Transferinitiative

In ihrer Eröffnungsrede blickte Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, auf die Entstehungsgeschichte der Transferagenturen zurück. Die Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement sei das erste Bundesprogramm, das konsequent auf den Erfahrungen des Vorgängers  "Lernen vor Ort" aufbaut. Bis 2014 unterstützte das vom BMBF mit 100 Millionen Euro finanzierte Programm 35 Kommunen beim Aufbau eines kommunalen Bildungsmanagements. Ziel war es, die Erfahrungen aufzuarbeiten und in angepasster Form auf andere Kommunen zu übertragen. Diese Aufgabe übernehmen seit 2014 die Transferagenturen.

Brunhild Kurth, sächsische Staatsministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz, begrüßte den Beratungsansatz der Agenturen. In ihrem Grußwort machte sie deutlich, dass gerechte Bildung nur aus den Kommunen heraus gestaltet werden könne. Eine zentrale Steuerung auf Landesebene sei aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslagen vor Ort kaum möglich. Die Transferagenturen sieht sie als "Mittler guter Erfahrungen", die Kommunen dabei unterstützen, ihren eigenen passenden Weg zu gehen. Von der Transferagentur Mitteldeutschland verspricht sich Kurth wertvolle Anregungen für die eigene Arbeit in Sachsen. 

Weg vom Bauchgefühl – Von Daten zu Taten

Nach der offiziellen Eröffnung ging es in die Praxis. Im Kommunalen Quartett sprach Ansgar Wimmers, Vorstandsvorsitzender der Alfred Töpfer Stiftung, mit seinen Gästen über ihre Erfahrungen beim Aufbau einer kommunalen Bildungslandschaft. Das Podium räumte rückblickend ein, sich beim Thema Bildung anfangs zu sehr auf das eigene Bauchgefühl verlassen zu haben. Mit "gefühlter Temperatur" könne man jedoch nicht argumentieren und letztlich niemanden an einen Tisch bringen, sagte Iris Bothe, Bildungsdezernentin der Stadt Wolfsburg. Es brauche eine solide Datenbasis, so der Vizepräsident des Deutschen Städtetags Ulrich Maly, um Themen zu identifizieren und gemeinsam ins Handeln zu kommen.

Auf der Bühne war man sich einig: Kommunales Bildungsmanagement sei Gemeinschaftsaufgabe – das Denken in Zuständigkeiten müsse ebenso überwunden werden, wie Eifersüchteleien zwischen den Institutionen. Der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt sei hier auf einem guten Weg, bekräftigte Landrat Götz Ulrich. Orientiert an den Bildungsbiografien wolle man die Übergänge im Bildungssystem in den Blick nehmen und darüber hinaus die Kooperation zwischen den Gemeinden fördern.

Attraktiv durch Bildung

Wo immer langfristig Strukturen installiert werden, stellt sich die Frage nach dem messbaren Nutzen der Bemühungen. Die Podiumsdiskussion der Transferagentur Mitteldeutschland nahm deshalb eine der zentralen Chancen eines kommunalen Bildungsmanagements in den Blick: den Standortfaktor.

Elke Schreiber, Leiterin der TransMit, sprach mit Stefan Nüßle, 2. Kreisbeigeordneter im Landkreis Nordhausen, und Landrat Ulrich über ihre Beweggründe, in Bildung zu investieren und dabei auf die Beratung der TransMit zu setzen. Nüßles Antwort: Besonders für strukturschwache ländliche Regionen sei ein passgenaues Bildungsangebot der zentrale Schlüssel, um Fachkräfte für die Region zu begeistern. Das erfreue nicht nur die regionale Wirtschaft, so Ulrich, sondern führe langfristig zu Einsparungen in den Sozialkassen und mehr gesellschaftlicher Teilhabe. Bei allem Herzblut für den eigenen Landkreis stehe jedoch immer die Region im Vordergrund. Der Rückbau der Bildungsinfrastruktur in den letzen Jahren zwinge geradewegs zur Kooperation mit den Nachbarn, sagte Ulrich. Wer will schon 180 km zur Berufsschule in die Landeshauptstadt fahren, wenn die Thüringer Schule einen Katzensprung weit entfernt liegt.