Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Bildungswerkstatt: Bildungsmonitoring X - Bildung à la carte. Informationen raumbezogen darstellen

Am 5. September 2018 fand in Halle die zehnte Bildungswerkstatt unserer Bildungsmonitoring-Reihe statt. Sie beschäftigte sich mit den verschiedenen Möglichkeiten, wie Bildungsdaten adressatengerecht visualisiert werden können. Der Bedarf und die Verfügbarkeit von raumbezogenen, digitalen Informationen ist in den letzten Jahren gestiegen. Moderne Geografische Informationssysteme (GIS) ermöglichen es, Daten zentral zu bündeln, miteinander zu verknüpfen und kartenbasiert darzustellen. In der Veranstaltung wurde näher beleuchtet, wie diese Systeme ein kommunales Bildungsmonitoring unterstützen können.

Neben Verantwortlichen für das Bildungsmanagement, Bildungsmonitoring und der Fachplanung sind heute auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Geoinformation und Kataster angereist. Zu Beginn der Veranstaltung umreißt Oliver Wolff (TransMit) das Feld visueller Darstellungsmöglichkeiten von Bildungsdaten. Statische Karten eignen sich vor allem für Bildungsberichte und Präsentationen in Gremien. Dynamische Karten sind hingegen für online-gestützte Informationsportale wichtig, die Bildungsinformationen interaktiv präsentieren und eine breite Zielgruppe erreichen.

Geoportal Vogtlandkreis

In einem Einstiegsvortrag stellt Thomas Etzel, Teamleiter GIS/Geoverfahren im Amt für Kataster und Geoinformation des Vogtlandkreises, ein solches Portal vor. Das Geoportal des Vogtlandkreises gibt es seit dem Jahr 2011. Es umfasst neben Informationen zum Bildungsbereich eine Vielzahl weiterer Themengebiete, wie z. B. Familie und Soziales, Gesundheit, Kultur, Sport und Freizeit. Im Geoportal können Daten raumbezogen auf verschiedenen Hintergrundkarten angezeigt werden und sind beliebig miteinander verknüpfbar. Aufgrund der Grenznähe zu Tschechien ist das Portal mehrsprachig aufgebaut.


Grundlage des Geoportals ist eine interne Datenbank, die Informationen aus verschiedenen Bereichen bündelt. Der Öffentlichkeit wird ein Teil dieser Daten im Geoportal zugänglich gemacht, um dem allgemeinen Informationsbedarf gerecht zu werden.

Das Geoportal Vogtlandkreis wurde mit dem Ziel eingeführt, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen, um z. B. den Rechercheaufwand für bestimmte Daten zu minimieren. Das GIS ermöglicht es, den Fachämtern schnell und einfach Auskünfte sowie Analysen aus digitalen Informationen zu gewinnen. Daneben bestand die Motivation laut Etzel auch darin, Partnern des Landkreises an der gemeinsamen Datenstruktur teilhaben zu lassen.

Um das GIS mit Daten zu füttern, wurde eine Geodateninfrastruktur (GDI) aufgebaut. Beteiligt waren verschiedene Partner, u. a. die 37 kreisangehörigen Kommunen, kommunale Betriebe, Verwaltungsverbände, Landesbehörden und Dritte. Diese pflegen ihre spezifischen Daten in das System ein und nutzen gleichzeitig die gemeinsamen Daten, z. B. im Rahmen der Schulnetz- oder Sozialplanung. Um zu dieser gemeinsamen Win-win-Situation und einer breiten Beteiligung zu kommen, ist es ein sehr schwieriger Weg, so Etzel. Es brauche viel „Klinkenputzen“, teils mehrere Anläufe und überzeugende Argumente gegenüber den Partnern. Dies ist ein noch andauernder Prozess. Aber er lohnt sich, denn Abläufe funktionieren nun schneller und die Arbeit mit Daten wird leichter. Damit alle Beteiligten gut mit dem Tool arbeiten können, werden umfangreiche kostenlose Schulungen angeboten.

Wichtige Gelingensbedingung für den Aufbau eines Informationsportals ist laut Etzel ein Gesamtkonzept anstelle von Insellösungen und der politische sowie administrative Wille aller Beteiligten. Diesbezüglich sei es hilfreich gewesen, die „großen“ Partner bereits im Boot zu haben. Auch die Einbindung notwendiger Fachverfahren, die Verständlichkeit und Aktualität der Daten und nicht zuletzt die Schaffung der technischen und personellen Voraussetzungen sind wichtige Erfolgsfaktoren für ein solches Vorhaben.

Thematische Karten: Aussagekraft auf den ersten Blick

In einem weiteren Vortrag hebt Benjamin Harney, Bildungsmonitorer der Stadt Herne, die Vorteile von thematischen Karten hervor. Tabellen können schnell unübersichtlich werden. Karten lassen sich leichter erfassen, sind eingängig und erzeugen Aufmerksamkeit. Mit thematischen Karten wird ein Raumbezug hergestellt, der zusätzliche Informationen vermittelt. Da Merkmale gleichzeitig dargestellt werden können, sind Anhäufungen in bestimmten Gebieten erkennbar. So können Stadtteile, statistische Bezirke oder Sozialräume mit besonderem Handlungsbedarf identifiziert werden.


Die Kartendarstellung veranschaulicht Harney am Beispiel des HITS-Atlas der Stadt Herne (Herne In Tabellen & Schaubildern). Dieser webbasierte Atlas besteht seit zehn Jahren und liefert grundlegende Sozialstrukturdaten auf Ebene der 32 statistischen Bezirke. Er basiert nicht auf einem GIS-System wie das Geoportal Vogtlandkreis, sondern nutzt eine Software zur Datenvisualisierung. Die kommunale Statistikstelle übernimmt die Betreuung und Datenpflege des Atlas. Mit dem Portal wird der allgemeine Informationsbedarf innerhalb und außerhalb der Verwaltung bedient. Neben den thematischen Karten können die Daten des HITS-Atlas in Form von Tabellen exportiert werden. Auch Entwicklungen lassen sich mithilfe von Zeitreihen nachvollziehen.

Harney beschreibt in seinem Vortrag weitere Beispiele für gelungene Informationsportale, z. B. den Oberhausener Bildungsatlas, der umfangreiche Bildungsdaten auf Sozialraum- und Sozialquartiersebene für die Stadt Oberhausen darstellt.

Ein Informationsportal aufbauen

Wie man ein Informationsportal aufbauen kann, erläutert Harney anhand von Einzelschritten. Unterstützend ist zu Beginn ein gemeinsamer Handlungsrahmen, z. B. in Form eines bereits existierenden Bildungsleitbildes oder Kreisentwicklungskonzeptes. Dieser kann den Ansatzpunkt für eine gemeinsame Vorgehensweise bei der Datenhaltung bilden. Andere Fachbereiche und Zuständige für Geodaten, Statistik, IT, Datenschutz und Marketing in der Kommune sollten frühzeitig in den Prozess einbezogen werden. Wichtig ist, gegenüber den Beteiligten den Mehrwert eines Informationssystems deutlich zu machen.

In einem weiteren Schritt sollten Anforderungen an das System formuliert werden: Welchen Zweck soll das Tool erfüllen? Welche Adressatengruppen sollen erreicht werden? Welche Daten sollen integriert werden? Wer übernimmt die Dateneingabe und -pflege? Meist existieren in Kommunen mehrere parallel genutzte Kartentools und Softwarelösungen. An dieser Stelle ist es empfehlenswert, sich abzustimmen und eine geeignete Auswahl zu treffen. Auch Fragen des technischen Supports über einen längerfristigen Zeitraum sind besser vorab zu klären.

Die Veranstaltungsteilnehmenden haben im Anschluss an die Inputs die Möglichkeit,
in Kleingruppen einzelne Fragen zu vertiefen. In den Diskussionen bringen die Verantwortlichen für das Bildungsmanagement, des Bildungsmonitorings, der Fachplanung und der Geoinformation ihre spezifischen Sichtweisen ein. Es wird gemeinsam darüber nachgedacht, welche Partner konkret einzubeziehen sind und wie diese von der Einführung eines GIS überzeugt werden können. Auch über Fragen, was ein Informationssystem alles leisten müsse, welche technischen Voraussetzungen und finanziellen Mittel einzukalkulieren sind und in welcher Tiefe und Gliederung Bildungsinformationen sinnvoll dargestellt werden können, wird gemeinsam diskutiert.


Aus der Gesamtschau der Gruppenbeiträge entsteht so ein erster Entwurf zu möglichen Vorgehensweisen, die die kommunalen Vertreterinnen und Vertreter spezifisch anpassen können.

Eine Arbeitshilfe soll auch die aktuelle TransMit-Handreichung „Bildung à la carte. Informationen raumbezogen darstellen“ sein, auf die Oliver Wolff zum Schluss der Veranstaltung hinweist. Neben einer Einführung in das Thema „Geografische Informationssysteme“ und sinnvollen Vorgehensweisen beim Einführungsprozess finden sich hier weitere Praxisbeispiele und Open-Data-Quellen.

 

Weiterlesen:
Das Geoportal des Vogtlandkreises umfasst neben Informationen aus dem Bildungsbereich eine Vielzahl an Themengebieten und ist online über die Webseite des Landkreises erreichbar. Der HITS-Atlas der Stadt Herne liefert grundlegende Sozialstrukturdaten auf Ebene der statistischen Bezirke und ist ebenfalls online zugänglich.


Text: Franciska Mahl

Inhalt der Veranstaltung

Statistik ist in der Regel ein trockenes Brot. Wer im Bildungsmanagement erfolgreich sein will, bereitet Bildungsinformationen nicht nur in Tabellen und Diagrammen auf, sondern verknüpft sie mit dem Raum und stellt sie in Karten anschaulich dar. Ob es die Oberbürgermeisterin ist, die einen schnellen Überblick über die jungen Stadtteile sucht, die Leitungsebene, die sozialräumliche Belastungen auf einen Blick erfassen möchte oder ob es Eltern sind, die für ihr Kind auf der Suche nach der richtigen Kita sind; in jedem dieser Fälle werden Informationen in ein räumliches System gebracht, welches schnelle Orientierung in der Fläche bietet. Überdies sehen Karten auch sehr ansprechend aus!

Die Teilnehmenden unserer Bildungswerkstatt lernen anhand von praktischen Beispielen, worin der Vorteil von kartenbasierten Darstellungen im Bildungsbereich liegt. Sie erhalten eine Einführung, was unter Geografischen Informationssystemen (GIS) sowie Statistikprogrammen, wie etwa dem IT-Instrumentarium, zu verstehen ist und welche Möglichkeiten die Systeme für die statische und Web-Kartengenerierung bieten. Schließlich werden wir in der Werkstatt darüber diskutieren, welche Wege Verwaltungen nehmen können, um hier zu ersten Lösungen zu kommen.

Zielgruppe

Die Bildungswerkstatt richtet sich an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kommunalverwaltungen unserer Transferkommunen, die sich über Kartendarstellungen im Bildungsbereich informieren wollen. Eingeladen ist insbesondere Personal aus dem Bildungsmanagement und dem Bildungsmonitoring, der Fachplanung sowie aus Raumplanung und Geoinformation.

Ablauf

  • 09:30 Uhr
    Ankommen und Anmeldung
  • 10:00 Uhr
    Einführung
  • 10:15 Uhr
    Einführungsvortrag
    Räumliche Darstellung von Bildungsinformationen mittels Geoinformationssystemen (GIS)
    Lutz C. Popp, Bildungsmonitoring Stadt Bielefeld
  • 11:15 Uhr
    Kleinräumige (Bildungs-)Daten online und interaktiv präsentieren: Der Herner Demografiemonitor HITS und weitere Beispiele
    Benjamin Harney, Bildungsmonitoring Stadt Herne
  • 12:00 Uhr
    Mittagspause
  • 12:45 Uhr
    Das Geoportal des Vogtlandkreises als webbasierte GIS-Lösung zur Darstellung von bildungsbezogenen Informationen
    Thomas Etzel, Amt für Kataster und Geoinformation Vogtlandkreis
  • 13:45 Uhr
    Wie geht man solch ein Vorhaben an? Was ist zu beachten?
    Benjamin Harney, Bildungsmonitoring der Stadt Herne, und TransMit
  • 14:30 Uhr
    Gemeinsamer Austausch und Diskussion
  • 15:15 Uhr
    Zusammenfassung und Feedback
  • 15:30 Uhr
    Ende

Moderation: Oliver Wolff, TransMit

Zeit und Ort

Mittwoch, 5. September 2018, 9:30 Uhr bis 15:30 Uhr,
Franckesche Stiftungen zu Halle, Haus 1, Amerikazimmer, Franckeplatz 1, 06110 Halle