Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Bildungswerkstatt: Integrierte Fachplanungen – Zusammen denken

Mit dem Wunsch nach zündenden Ideen starteten wir die Bildungswerkstatt "Integrierte Fachplanungen – Zusammen denken" in Sömmerda, dem Geburtsort des Erfinders des Zündnadelgewehrs, Johann Nicolaus Dreyse. Die Veranstaltung thematisierte die Bedeutung integrierter Fachplanungen für Kommunales Bildungsmanagement.


 

Der Landkreis Sömmerda hat sich auf Betreiben der Verwaltungsspitze in den letzten Jahren zu einem Vorreiter in den Bereichen Bildungsmanagement und Sozialplanung entwickelt. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, die Veranstaltung in der Kreisstadt an der mittleren Unstrut durchzuführen. 

Die Veranstaltung wurde durch mehrere Expertinnen und Experten gestaltet:

  • Klaus Maciol – Bildungsplaner der Stadt Augsburg sowie Mitglied im Verein für Sozialplanung
  • Claudia Michelfeit – Referentin der Stabsstelle Strategische Sozialplanung im Thüringer Sozialministerium, zuständig für das Landesprogramm "Armutspräventionsrichtlinie"
  • Thomas Schorcht – Landkreis Sömmerda, Dezernent für Bildung, Soziales, Jugend und Gesundheit
  • Insa Schulze – Wissenschaftliche Referentin am Institut für Kommunale Planung und Entwicklung Erfurt (IKPE)
  • Robert Römer – Wissenschaftlicher Referent am Institut für Kommunale Planung und Entwicklung Erfurt (IKPE)
  • Moderation: Norbert Blauig-Schaaf & Alexander Lorenz, Landeskoordinatoren TransMit

Nach einer kurzen Einführung thematisierten unsere TransMit-Moderatoren Norbert Blauig-Schaaf und Alexander Lorenz die unterschiedliche Handhabung der Koordination integrierter Fachplanungen bzw. von Sozialplanung in den drei mitteldeutschen Bundesländern. Während Thüringen mit dem ESF-geförderten Landesprogramm „Armutspräventionsrichtlinie“ Kommunen fördert, die eine Planungskoordination entwickeln, basiert die Umsetzung von Sozialplanung in sächsischen und sachsen-anhaltischen Kommunen auf Freiwilligkeit.

Entwicklung integrierter Fachplanungen in Kommunen

In einem Expertengespräch beantworteten Klaus Maciol und Claudia Michelfeit Fragen zu Grundlagen, regionalen Ausprägungen und Gelingensbedingungen integrierter Fachplanungen. Im Expertengespräch wurde deutlich, dass Kommunales Bildungsmanagement durch aufeinander abgestimmte Planungen an Qualität gewinnen kann.

Zudem hängt der Erfolg integrierter Planungen im Bereich Bildung vom strategischen Auftrag der Verwaltungsspitze ab. "Wenn der Chef es selbst unterschreibt, dann steht er dazu", ermutigte Maciol die Teilnehmenden. Nicht von Entscheidungsträgern legitimierte Alleingänge ließen Bildungs- und sonstige Fachplaner/innen schnell verschleißen, warnte er. 

Michelfeit, deren Stabsstelle die Thüringer Kommunen durch die Armutspräventionsrichtlinie bei der Entwicklung integrierter Fachplanungen unterstützt, bestätigte diesen Eindruck: "Der Landrat oder die Oberbürgermeisterin müssen integrierte Planungen wollen. Die Fachebene muss es zwar auch wollen, aber wenn Dezernenten nicht wollen, dann geht es nicht, denn diese sind verantwortlich für den entsprechenden Fachbereich."

Abgestimmte kommunale Entwicklungskonzepte unter Berücksichtigung der Interessen von Bürgerschaft und externen Akteuren, ausreichende Personalressourcen sowie ein Bewusstsein für die Notwendigkeit des Vorhabens seien Erfolgsfaktoren für gelingende integrierte Fachplanungen. "Gemeinsame Planung heißt nicht Einmischungsplanung. Integrierte Fachplanung verbindet u.a. Bildungs-, Jugendhilfe-, Sozial-, Stadtplanung", betonte der Augsburger Experte. Im Rahmen der Verknüpfung von Planungen müsse in jeder Kommune geprüft werden, inwieweit sich die Versäulung von Verwaltung reduzieren lasse und wo dafür Handlungsspielräume lägen.

Die Umsetzung konkreter Projekte sei als Initialzündung für die Etablierung integrierter Planungen sinnvoll. Damit könnten auch interne Widersacher von deren Nutzen überzeugt und ins Boot geholt werden. Michelfeit berichtete abschließend von der unterschiedlichen Bereitschaft Thüringer Kommunen zur Entwicklung abgestimmter Planungen, die sich u.a. in den Antragszahlen zur Armutspräventionsrichtlinie widerspiegle.

Gruppenphase I

In einer anschließenden Aktivitätsphase beantworteten die Veranstaltungsteilnehmer in Gruppen zwei Fragen:

  • Vor welchen Herausforderungen stehen IFP in Ihrer Kommune?
  • Welche Bedingungen sind für den Erfolg IFP in Ihrer Kommune künftig notwendig?  

In den mit uns gemeinsam erarbeiteten Antworten wurden u.a. genannt: Personelle Ressourcen, Vernetzung, Austausch, Qualifikation, Legitimation des Vorhabens, strukturelle Hürden, fehlende Ist-Stand-Analyse, fehlendes gemeinsames Bild, fehlende Datengrundlage, Mangel an Praxisbeispielen.

Integrierte Fachplanungen in Augsburg

Nach der Mittagspause gab Maciol einen Überblick über integrierte Fachplanungen in Augsburg. Dabei nannte er das politische Klima, die verwaltungsinterne Kooperationsbereitschaft und den Willen der Verwaltungsspitze als grundlegende Voraussetzungen für deren Erfolg.

Anhand von Praxisbeispielen erläuterte der schwäbisch-bayrische Bildungsplaner integrierte Planungsvorhaben – z.B. die Aufwertung von Schulen in sozial benachteiligten Gebieten. Hierbei arbeiteten Bildungs-, Sozial-, Jugendhilfe-, Stadtentwicklungs-, und Bauplanung eng zusammen und es gelang, aus einer "Problemschule" ein für den gesamten Stadtteil geöffnetes Bildungszentrum mit positiven sozialen Effekten zu machen. Maciol verdeutlichte zudem die Bedeutung der Ermittlung von Bedarfen anhand von Daten.

Gruppenphase II

In einer auf den Vortrag folgenden Gruppenphase am Nachmittag konnten die Veranstaltungsteilnehmer aus verschiedenen, von Expertinnen und Experten begleiteten Workshopthemen wählen:

  • Erste Schritte auf dem Weg zur integrierten Fachplanung, Insa Schulze & Robert Römer
  • Rahmenbedingungen integrierter Fachplanungen, Claudia Michelfeit
  • Integrierte Fachplanungen im Landkreis, Thomas Schorcht
  • Integrierte Fachplanungen in der Stadt, Klaus Maciol

In einer anderthalbstündigen Arbeitsphase tauschten sich Experten und Teilnehmer intensiv zu den jeweiligen Gruppenschwerpunkten aus. Ein Gruppensprecher stellte die Ergebnisse anschließend im gesamten Plenum zur Diskussion.

Nach einer kurzen Feedbackrunde und Verabschiedung traten die rund zwei Dutzend Kommunalvertreter aus ganz Mitteldeutschland mit zahlreichen neuen Erkenntnissen den Heimweg an.

Die Ergebnisse der Veranstaltung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Kommunales Bildungsmanagement und integrierte Fachplanungen sind per se Instrumente zur Aufwertung der Lebensqualität in Kommunen. Sie haben keinen Selbstzweck, sondern sollen Bürger bei der gesellschaftlichen Teilhabe unterstützen und das Gemeinwesen stärken helfen. Beide Prozesse begünstigen einander.

Grundlegend sind  u.a. Unterstützung durch die Verwaltungsspitze, strategischer Auftrag, personelle und sonstige Ressourcen, interne Kooperationsbereitschaft, Handlungsbedarf, Einbeziehung von Betroffenen, Vernetzung und ein gemeinsames Bild. Im Bereich Bildungsmanagement können integrierte Fachplanungen zu einer Aufwertung des Bildungsthemas in der Kommune führen.

Trotz zahlreicher Herausforderungen (z.B. Versäulung, persönliche Widerstände, Qualifikation, fehlende Kommunikation, regionale Besonderheiten) sollten kommunale Bildungsverantwortliche die Verknüpfung von Fachplanungen an kleinen Projekten ausprobieren. Oder wie es Maciol ausdrückte: "Stellen Sie angeblich unumstößliche Rahmenbedingungen in Frage! Verlassen Sie eingefahrene Wege!"