Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

Bildungswerkstatt: Bildungsangebote für Zugewanderte koordinieren II

Am 15. August 2017 veranstalteten wir die zweite Bildungswerkstatt zum Bundesprogramm "Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte". Das Format trug den Titel "Kommunale Koordination ist wichtig! Sich Akzeptanz in der Verwaltung und unter den Akteuren verschaffen". Tagungsort war das Haupthaus der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Wir begrüßten rund 30 Programmmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aus den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.


In einem Impulsreferat gab der für das Themenfeld "Integration durch Bildung" zuständige TransMit-Mitarbeiter Alexander Lorenz eine Einschätzung zum derzeitigen Stand der Programmumsetzung in den mitteldeutschen Kommunen. Demnach hängt der Programmerfolg jeweils von unterschiedlichen Aspekten und Rahmenbedingungen ab: Stellenwert des Themas Integration, zugeschriebene Rolle des Programmpersonals, Anbindung, Vernetzungsgrad, örtlicher Verwaltungskultur u. v. a. Insbesondere die Unterstützung durch Vorgesetzte und Verwaltungsspitze ist einer der wichtigsten Gelingensfaktoren für das Programm. Wie von den Teilnehmenden der Bildungswerkstatt im Februar 2017 favorisiert, rückten wir deshalb das Thema "Akzeptanz durch Vorgesetzte" in den Mittelpunkt der August-Veranstaltung.

Was mache ich eigentlich und für wen?

Aufgrund der unterschiedlichen Verfasstheit jeder Kommunalverwaltung und den daraus resultierenden heterogenen Erwartungen an das Programmpersonal gestalteten wir die Bildungswerkstatt interaktiv. Die Teilnehmenden sollten sich gegenseitig unterstützen, ihr Wissen austauschen und Lösungswege erarbeiten. So wurde beispielsweise mit Hilfe der Fahrstuhl-Pitch-Methode gemeinsam nach Kurzaussagen gesucht, die die Arbeit des Programmpersonals knapp und verständlich erklären. Zentrale Frage: „Was sagen Sie einem Vorgesetzten, den Sie erstmals nur kurz im Fahrstuhl treffen, um diesen für eine Zusammenarbeit zu gewinnen?“ Es zeigte sich, dass es keine allgemeingültigen Sätze geben kann vielmehr sind die Kurzstatements zum eigenen Tun stets von der jeweiligen Zielperson abhängig. Ein Beispielergebnis: „Ich schaffe eine übersichtliche und aufeinander abgestimmte Angebotsstruktur für alle Bereiche, derzeit mit Fokus auf Geflüchtete. Ich bin Ihr Experte für das Bildungsmanagement im Landkreis.“


Anschließend kam in der Bildungswerkstatt ein bewährtes Instrument aus dem Marketingbereich zum Einsatz. Beim Ausfüllen von "Empathiekarten" arbeiteten die Teilnehmenden in verschiedenen Arbeitsgruppen zu der Frage: Wer ist meine Zielgruppe und wie überzeuge ich sie/ihn? "Empathiekarten" wurden beispielhaft für verschiedene Akteure entwickelt: Verwaltungsspitze, die Dezernenten- und Amtsleiterebene Ausländerbehörde u. a. m. Es wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Zielperson im Vorfeld eines Gesprächs zum besseren Verstehen beitragen kann.

Wissen, wie es nicht geht

Auf den ersten Blick unkonventionell erscheint die nach der Mittagspause eingesetzte Methode "Kopfstandübung". Hierbei wurden die Teilnehmenden gefragt, was sie dazu beitragen müssten, damit das Programm in ihrer Kommune scheitert. Aufgeführt wurden unter anderem: Missachten von Regeln, Ignorieren von Gepflogenheiten, unkooperatives Verhalten, rein operatives Vorgehen, Mangel an Kommunikation, fachliche Inkompetenz, Missachtung der Vorgaben des Fördermittelgebers.  Nach einer Gruppenarbeitsphase wurden die Ergebnisse geclustert, vorgestellt und positiv gewendet (Gelingensbedingungen für das Programm). Durch den Kopfstand wurde erkennbar, dass das Programmpersonal samt seiner Schnittstellenfunktion eine hohe Verantwortung hat und zahlreiche Faktoren beachten muss, um Fettnäpfchen bei der Programmumsetzung zu vermeiden.


Was wirklich wichtig ist

In der anschließenden Podiumsrunde "Kommunale Koordination ist wichtig! Sich Akzeptanz in der Verwaltung und unter den Akteuren verschaffen" gaben drei Programmmitarbeiterinnen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt Auskunft über ihr tägliches Geschäft, Erfolgsfaktoren, Stolpersteine, Nachhaltigkeitsbemühungen und Möglichkeiten der Kooperation mit der Verwaltungsspitze. Als Gäste auf dem Podium sprachen: 

  • Birgit Schuster, langjährige Mitarbeiterin im Bereich Bildung sowie Kommunale Koordinatorin in der LvO-Kommune Erfurt/Thüringen
  • Damaris Berger, Kommunale Koordinatorin im Burgenlandkreis/Sachsen-Anhalt
  • Jennifer Diehl, Bildungskoordinatorin im Landkreis Mittelsachsen/Sachsen.

Aus dem Publikum meldeten sich zahlreiche Teilnehmende mit Rückmeldungen und Detailfragen zu Wort. Um sichtbar und akzeptiert zu werden, empfiehlt sich zunächst offensives Zugehen auf Gremien und Netzwerke („Sich notfalls selbst einladen!“; „Vernetzungsarbeit ist essentiell für Erfolg!“). Das Füllen bestehender Wissens- oder Dienstleistungslücken und erste konkrete Arbeitsergebnisse tragen maßgeblich zur Akzeptanz bei. Aufgaben, die durch andere Verwaltungsbereiche und andere Akteure an das Programmpersonal herangetragen werden, sollten nur im Rahmen der Förderrichtlinie bearbeitet werden. Die Teilnehmenden kamen überein, dass vor allem Übersichtswissen gebraucht wird, um Prozessketten optimieren und Strukturen (weiter)entwickeln zu können. Nachhaltigkeit soll u. a. dadurch erzielt werden, dass die Koordinatorinnen und Koordinatoren auch für langfristig umzusetzende Aufgaben bereits jetzt die Weichen stellen und (Vor-)Arbeiten leisten, die nach Programmende durch andere Verwaltungsmitarbeiterinnen und Verwaltungsmitarbeiter fortgeführt werden können. Um die Kontaktaufnahme zwischen Unternehmen und Neuzugewanderten zu unterstützen, entwickeln die Kommunen verschiedene Veranstaltungsformen (z. B. Integrationsmesse, Kontaktbörse, Speed-Dating).

In Vorbereitung der nächsten KoKo-Bildungswerkstatt im Januar 2018 wurden die drei  Ländernetzwerke gebeten, nach ihrem nächsten Treffen je einen Themenvorschlag mit Bezug zum strategischen kommunalen Bildungsmanagement zuzuarbeiten. Nach einer kurzen Feedbackrunde fand die Veranstaltung gegen 16 Uhr ihr Ende.

Inhalt der Veranstaltung

Die kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren sind gut vernetzt. Seit einem halben Jahr treffen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jeweils im Thüringer, im sächsischen und im sachsen-anhaltischen Netzwerk. Mit dieser Bildungswerkstatt bieten wir nun erneut die Gelegenheit sich länderübergreifend auszutauschen und die strategische Ausrichtung des Bundesprogramms in den Blick zu nehmen.

Wir laden Sie ein herauszuarbeiten, wie Sie der kommunalen Koordinierung angemessene Akzeptanz in Ihrer Verwaltung und bei anderen Akteuren verschaffen können. Wir werden in kleinen Gruppen erarbeiten, wie wir unsere Ansprechpartner erreichen, womit wir überzeugen und über welche Kanäle sie ansprechbar sind. Dazu nutzen wir erprobte Methoden des Bildungsmarketings.

Nicht zuletzt wird es darum gehen, sich untereinander auf den aktuellen Stand zu bringen und darüber auszutauschen, welche weiteren Schritte geplant sind. Wir haben hierfür eine Diskussionsrunde mit Koordinatorinnen und Koordinatoren aus den Ländernetzwerken vorgesehen.

Zielgruppe

Die Bildungswerkstatt richtet sich ausschließlich an kommunale Koordinatorinnen und Koordinatoren der Bildungsangebote für Neuzugewanderte in Thüringen,  Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Ablauf

  • 10.00 Uhr
    Begrüßung
  • 10.30 Uhr
    Einführung: Marketing in eigener Sache
    Was haben wir zu bieten?
    Wer sind unsere Adressaten?
    Worauf müssen wir achten?
    (Erarbeitung in Kleingruppen)
  • 12:45 Uhr
    Mittagspause
  • 13:39 Uhr
    Wie wird kommunale Koordinierung zum Erfolg?
    (Erarbeitung in Kleingruppen)
  • 14:45 Uhr
    Austausch zum Stand der kommunalen Koordinierung
  • 15.30  Uhr
    Feedback und Ausblick
  • 16:00 Uhr
    Endeder Veranstaltung

Moderation: Ulrike Richter und Alexander Lorenz, TransMit

Ort und Zeit

Dienstag, 15. August 2017, von 10:00 bis 16:00 Uhr, Franckesche Stiftungen, Amerikazimmer im Haupthaus, Franckeplatz 1, 06110 Halle