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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

06.08.2018

Zukunftswerkstatt regt Diskussion über Bildungslandschaft an

Im Landkreis Nordhausen existieren gut eingespielte Bildungsmanagement-Strukturen. Verwaltungsspitze und das Programmpersonal von „Bildung integriert“ wollten im April 2018 von lokalen Expertinnen und Experten wissen: Welche künftigen bildungspolitischen Herausforderungen sehen Sie für den Landkreis Nordhausen? Eine Zukunftswerkstatt sollte den Auftakt für einen umfassenden Regionaldiskurs zu dieser Frage darstellen. Dort hatten Vertreter/innen aus Kommunalpolitik und Verwaltung Gelegenheit, über Herausforderungen zu debattieren und konkrete Handlungsschritte zu erarbeiten.

Welche Themen werden künftig wichtig?

Der Landkreis Nordhausen initiierte bereits im Jahr 2016 eine Lenkungsgruppe Bildung. Dort wird die strategische Ausrichtung der kommunalen Bildungslandschaft zwischen Verwaltung und lokalen Bildungsakteuren ausgehandelt. Die Lenkungsgruppe tagt im Schnitt einmal jährlich und widmet sich aktuellen bildungspolitischen Themen. Nun signalisiert der stellvertretende Landrat Stefan Nüßle Interesse, über das Tagesgeschäft hinaus mit lokalen Expertinnen und Experten aus Kommunalpolitik und Verwaltung über mögliche Zukunftsthemen in den Austausch zu treten.

Die Idee eines „Regionaldiskurses Bildung“ nimmt daraufhin Gestalt an. Aufbauend auf der Workshop-Methode „Zukunftswerkstatt“ erarbeitet Bildungsmanager Marcel Sievers gemeinsam mit TransMit einen Veranstaltungsablauf, dessen zentrale Punkte eine Kritik-, Visions- und Verwirklichungsphase sind. Besonders relevant ist die Frage, wo Fachleute Schwerpunkte im Bereich Bildung verorten, die bislang vonseiten der Verwaltung noch nicht bearbeitet werden. Die Ergebnisse des Regionaldiskurses sollen vielfältig verwendet werden. Zum einen als Überblick und Anregung für Verwaltungsspitze, Kommunalparlament und Lenkungsgruppe; zum anderen als Ideenpool für die zweite Förderphase des Bundesprogramms „Bildung integriert“.

Von der Kritik zur Vision

Mitte April 2018 kommen rund ein Dutzend Teilnehmende zum Regionaldiskurs im Business and Innovation Centre Nordhausen zusammen. Der Einladung des Landkreises sind Mitglieder des kommunalen Schulausschusses, des Staatliches Schulamtes und des Jobcenters sowie Verwaltungsmitarbeiter/innen aus Jugendamt, Sozialplanung, Bildungskoordinierung für Neuzugewanderte und des Sachgebiets Schulen, Jugend und Sport der Stadt Nordhausen gefolgt. Stefan Nüßle eröffnet die Runde und dankt allen Anwesenden für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit.

Dann übernimmt Alexander Lorenz von TransMit, der die Veranstaltung moderiert. In der Kritikphase werden von den Teilnehmenden zunächst Bildungsthemen erarbeitet, in denen sie verstärkten Handlungsbedarf sehen. Hier werden in einer lebhaften Diskussion neben „Klassikern“ (z.B. Personalmangel an Schulen) auch die Stärkung des Themas Lebensbegleitendes Lernen oder die Transparenz von Bildungsangeboten genannt.

Stefan Nüßle und der Leiter des Schulverwaltungsamts, Hans-Georg Müller, sind sich nach Abschluss der Diskussion einig: Auch wenn der Landkreis in den vergangenen Jahren an vielen Schulen investiert hat, müssen in den kommenden Jahren gezielt Schulstandorte saniert werden. Insbesondere die Digitalisierung erfordere aufwendige und umfassende Investitionen, um die Schulen vor Ort zukunftsfähig zu gestalten und zeitgemäße Lernbedingungen zu garantieren.

Von der Vision zur Verwirklichung

In der Visionsphase werden durch die Teilnehmenden nach vorheriger Schwerpunktsetzung Ideen zu drei konkreten Problemfeldern gesucht. In Kleingruppen können die Teilnehmenden dabei kreative Lösungen entwerfen. Thematisiert werden: Schule als zentraler Ort für Bildung und Freizeit, Rahmenbedingungen an Schule sowie Lebensbegleitendes Lernen.

Innerhalb der Arbeitsgruppen entstehen zahlreiche Ideen. Geht es nach den mitwirkenden Expertinnen und Experten, sollen künftig beispielsweise außerschulische Lernorte gestärkt, Berufsorientierung an Bedarfe angepasst oder Digitalisierung als wichtiges Querschnittsthema bearbeitet werden. Die Teilnehmenden verstehen ihre Anregungen als Zukunftsmusik, verdeutlichen aber auch die Dringlichkeit von zeitnahen Lösungen für zahlreiche weitere bildungspolitische Handlungsfelder.

Schlussendlich steht die sogenannte Verwirklichungsphase auf der Agenda. Aus dem Bündel an Ideen soll ein Thema ausgewählt werden. Die Runde entscheidet sich mehrheitlich für „Schule als zentraler Ort für Bildung und Freizeit“.  Das Thema wird mit konkreten Inhalten unterlegt – Schulen sollen in den kreisangehörigen Gemeinden und Stadtteilen zu gesellschaftlichen Zentren werden, in denen sich neben Fachpersonal auch Bürgerinnen und Bürger engagieren. Es geht um Ganztagsangebote und attraktive Lernräume. „Schule als zentraler Ort“ im Landkreis Nordhausen wird nun in Lenkungsgruppe, Kreistag und Verwaltung weiterverfolgt werden. 

Zukunftswerkstatt als erster Schritt des Regionaldiskurses

Folgende Vorgehensweise vereinbaren die Teilnehmenden am Ende der Veranstaltung: Die innerhalb der Zukunftswerkstatt priorisierten Themen werden als Ausgangspunkt des Regionaldiskurses vom Bildung-integriert-Personal zusammengefasst. Anschließend erhalten Bildungsausschuss, Verwaltungsspitze, relevante Netzwerke in der Verwaltung sowie schulische Akteure die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt zur Kenntnis.

Für die zweite Jahreshälfte 2018 wird zu einem weiteren Termin der Lenkungsgruppe des Projektes „Bildung integriert“ Nordhausen eingeladen. Hier sollen die in der Zukunftswerkstatt definierten Themen weiter bearbeitet werden. Die wesentlichen Ergebnisse der Zukunftswerkstatt werden in das Handlungskonzept der zweiten Förderphase des Projektes „Bildung integriert Nordhausen“ (2018 bis 2020) integriert.

Rückblickend verdeutlichte das positive Feedback der Teilnehmenden, dass die Zukunftswerkstatt den richtigen Nerv traf. Als Ergänzung zu den gut eingespielten Strukturen des Kommunalen Bildungsmanagements sowie bisher bearbeiteten Handlungsfeldern wurden über den Regionaldiskurs neue bildungspolitische Themen ermittelt, die sonst voraussichtlich erst zu einem viel späteren Zeitpunkt auf der Agenda der Verwaltung erschienen wären.

Bei der Zukunftswerkstatt handelt es sich um ein Format, einen ausgewählten Akteurskreis zur Mitgestaltung der kommunalen Bildungslandschaft anzuregen.  Es ermöglicht, etablierte Wege zu verlassen und kann den Auftakt zu einer kontinuierlichen Debatte über bildungspolitische Zukunftsthemen vor Ort darstellen.

 

Text: Alexander Lorenz