Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

22.03.2019

Was macht eigentlich... eine Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte?

Seit drei Jahren beteiligen sich rund 80 Prozent der bundesdeutschen Städte und Landkreise am Programm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“. Doch was genau steckt hinter dem langen Titel und wie sieht der Arbeitsalltag des Programmpersonals vor Ort aus? Wir waren zu Gast in Freiberg und haben bei Jennifer Diehl, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Landkreis Mittelsachsen, nachgefragt.


Seit 2017 beteiligt sich der Landkreis Mittelsachsen am Bundesprogramm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“. Was genau steckt dahinter?

Wie der Name schon sagt: Wir koordinieren die Bildungsangebote für Neuzugewanderte. Das heißt, wir sind Ansprechpartner für alle regionalen Akteure, die die Integration der Menschen, die zu uns in den Landkreis gekommen sind, durch gute Bildung unterstützen.

Unser Auftrag im Integrationsfeld Bildung lässt sich auf folgende Hauptaufgabenfelder herunterbrechen: Wir kümmern uns um Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit, sorgen für Transparenz von Bildungsangeboten und den Bedarfen vor Ort. Darüber hinaus beraten wir die Entscheidungsträger im Landkreis. 

Wichtig ist: Wir arbeiten ausschließlich auf institutioneller Ebene, betreuen also keine konkreten Einzelfälle. Dennoch hilft es uns, einzelne Fälle und Probleme zu kennen, denn so können wir unsere Arbeit besser an den tatsächlichen Bedarfen im Landkreis ausrichten. Zusammen mit unseren Netzwerkpartnern vor Ort erarbeiten wir dann strukturelle und inhaltliche Lösungsansätze. 

Wie können wir uns Ihr Tagesgeschäft ganz konkret vorstellen?

Wir sind viel unterwegs. In unserem Kalender stehen Arbeitsgespräche und Treffen in Gremien und Arbeitskreisen. Wir koordinieren die themenbezogene Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Kommunalverwaltung – und zwar ämterübergreifend und unter Einbezug der Bildungsakteure vor Ort. So haben wir zum Beispiel die erste Integrationsmesse hier im Landkreis Mittelsachsen mitorganisiert und mit dem Jobcenter eine Schulungsreihe zum Thema Alltagswissen für Migrantinnen und Migranten auf die Beine gestellt.

Über die Grenzen unseres Landkreises hinaus engagieren wir uns im Netzwerk der sächsischen Bildungskoordinatoren oder besuchen die Veranstaltungen der TransMit und die bundesweiten Treffen der Transferinitiative.

Steht mal kein Außentermin an, nutzen wir die Zeit im Büro für die Vorbereitung unserer Netzwerkarbeit. Wir arbeiten an Übersichten, wie unsere regelmäßig aktualisierte Sprachkursliste, erstellen Präsentationen für unsere Vorträge in den Gremien oder erarbeiten Stellungsnahmen für die kommunale Spitze.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit Sie Ihre Arbeit gut machen können?

Wir Bildungskoordinatorinnen sind in der Stabsstelle Ausländer- und Asylangelegenheiten des Landkreises Mittelsachsen verortet, genauer: im Stabsbereich Koordination, Unterbringung und Integration im Freiberger Ortsteil Zug. Zu unserem Stabsbereich gehören die Koordinatorin für integrative Maßnahmen und acht Integrationskoordinatoren. Außerdem haben wir zwei Sozialarbeiter und eine Sachbearbeiterin für die Förderung von Asylangelegenheiten im Team. Mit ihr arbeiten wir beim Thema Sprachkurse intensiv zusammen. 

Zudem haben einen guten Draht zu den Integrationskoordinatorinnen und -koordinatoren des Landkreises. Für uns sind sie wichtige Ansprechpartner in der Fläche. Von ihnen erfahren wir auf kurzem Weg von den Bedarfen und Problemen vor Ort und können darauf reagieren, indem wir die relevanten Bildungsakteure an einen Tisch holen oder das Thema in einem unserer Netzwerktreffen zur Sprache bringen.

Gut ist es, dass wir als Stabsstelle direkt in strategische Entscheidungen des Kreises eingebunden sind und so an Projekten wie dem Integrationsbericht Mittelsachsenmitarbeiten können. Eine wichtige Voraussetzung unserer Arbeit ist der Rückhalt unseres Stabstellenleiters Herr Steinert, denn ohne die Unterstützung der Führungsebene geht es nicht.

Und wie geht es weiter, welche Aufgaben stehen an?

Neben dem Ziel, ein flächendeckendes Angebot von Sprachkursen im Landkreis bereitzustellen, wollen wir uns vor allem mit dem Thema berufliche Bildung und Weiterqualifizierung beschäftigen. Diese Thematik wird auch bei der 2. Integrationsmesse, die am 19. Juni 2019 stattfinden wird, im Fokus stehen. Hierfür arbeiten wir eng mit den Bildungsträgern des Landkreises, dem Landesamt für Schule und Bildung sowie der Berufsberatung der Agentur für Arbeit zusammen.

Unser Arbeitskreis „Integration durch Bildung und Arbeit“ wurde sogar auf Grund seines positiven Engagements zur Fachkräftesicherung vom Innovationszentrum GIZEF- GmbH für den Wettbewerb „Innovatives Netzwerk 2019“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vorgeschlagen. Mit der baldigen Veröffentlichung eines Online-FAQ zum Thema „Arbeiten und berufliche Aus- und Weiterbildung“ haben wir gemeinsam mit den Integrationskoordinatoren des Landkreises Mittelsachsen schon ein Teilziel für dieses Jahr erfolgreich umsetzen können. 

Das Gespräch mit Jennifer Diehl führte Denis Thürer, TransMit.