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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

30.10.2018

Rückblick: Bildungskonferenz in Eisenach

Mit der ersten Bildungskonferenz verdeutlichte die Stadt Eisenach erneut, dass Bildung Handlungsschwerpunkt von Kommunalpolitik und -verwaltung ist. Organisiert und durchgeführt von den Mitarbeiterinnen des Bundesprogramms „Bildung integriert“ wurde die Bildungskonferenz partizipativ gestaltet. Die Rechnung ging auf: Rund achtzig bildungsinteressierte Bürgerinnen und Bürger Eisenachs diskutierten ihre Ideen und legten den Grundstein für ein kommunales Bildungsleitbild.

Das Audimax der Dualen Hochschule Gera-Eisenach ist leer. Die sommerlichen Temperaturen an einem Mittwoch Anfang September lassen die Organisatorinnen und Organisatoren zittern: Werden überhaupt Leute kommen? Die Einladungen wurden rechtzeitig verschickt, eine Pressemeldung erstellt und überhaupt lief die Vorbereitung gut – aber man weiß ja nie. Doch gegen drei viertel zwei öffnen sich die Flügeltüren. Als erstes betritt ein Stadtratsmitglied den imposanten Raum, dann folgen eine Erzieherin, ein Schulleiter und eine selbstständige Beraterin.

Zur vollen Stunde ist das Audimax gut gefüllt – es sind rund achtzig Teilnehmende gekommen. So vielfältig wie die Bildungslandschaft Eisenach ist auch das Publikum. Es kann losgehen. Ich wurde von der Stadt als Moderator eingeladen und habe gehörigen Respekt vor einer Veranstaltung dieses Ausmaßes.

Bildungskonferenz erfüllt mehrere Zwecke

Oberbürgermeisterin Katja Wolf eröffnet die Veranstaltung mit den Worten: „Wenn wir in der Zukunft eine Bildungsstadt sein wollen, die wie ein Leuchtturm strahlt, müssen wir wissen, wo wir 2030 stehen wollen, welche Anknüpfungspunkte wir noch brauchen.“ Damit ist der Rahmen gesetzt. Die Bildungskonferenz soll gleich mehrere Zwecke erfüllen. So möchte die Stadt Eisenach heute einen Leitbildprozess starten, einen Überblick über verschiedene Sichtweisen auf die Bildungslandschaft erhalten, die Bürgerschaft einbinden und natürlich ihre eigenen Ambitionen im Bereich Bildungsmanagement darstellen. Am Ende des Tages wird all das gelungen sein.

In seiner Rede geht Bildungsdezernent Ingo Wachtmeister auf seine Erwartungen an ein Leitbild ein. Es diene als strategische Grundlage und solle Visionen, Werte und langfristige Ziele im Bereich Bildung beschreiben. Nicht zuletzt stehe ein Bildungsleitbild in Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungskonzept, das Eisenach als „Bildungs- und Innovationszentrum“ betrachtet. Auch nach der geplanten Fusion mit dem Wartburgkreis im Jahr 2019 werde die Stadt weiterhin im Bereich Bildung mitmischen und sich mit dem Zukunftsthema Bildung nach innen und außen Profil geben.

In einer Podiumsdiskussion „Bildung heute – Bildung morgen“ mit  Vertreterinnen und Vertretern aus Kommunalpolitik, Schule, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Erwachsenenbildung und Kultur werden anschließend die verschiedenen Facetten der kommunalen Bildungslandschaft sichtbar.  Es gehört vonseiten der Verwaltungsspitze Mut und Enthusiasmus dazu, sich all diese unterschiedlichen, teils kritischen Sichtweisen vor Publikum anzuhören. Diese Herausforderung meistern die Zuständigen mit Bravour und einem Stück Gelassenheit.

Leitbildentwicklung als transparenter und partizipativer Prozess

Vor Beginn der Arbeitsgruppenphase schildert Astrid Weimer, Leiterin der Stabsstelle „Soziale Stadt“, den Fahrplan für die Entwicklung des Bildungsleitbildes. Bis März 2019 hat ein mit verschiedenen Bildungsakteuren besetztes Redaktionsteam die Aufgabe, aufbauend auf die Ergebnisse der Bildungskonferenz einen ersten Leitbildentwurf zu entwickeln. Dieser soll dann auf einer zweiten öffentlichen Bildungskonferenz vorgestellt und diskutiert werden. So geht es weiter, bis der Entwicklungsprozess dann durch einen Stadtratsbeschluss sowie der Unterzeichnung des Leitbildes durch die Oberbürgermeisterin abgeschlossen werden soll. Maximale Transparenz und Beteiligung zeichnen den geplanten Prozess aus. Dafür nehmen die Verantwortlichen eine gewisse Dauer in Kauf.

Nach dieser Vorstellung geht es für alle Teilnehmenden in moderierten Arbeitsforen ans Werk. Diese wurden bereits vor Beginn der Veranstaltung per Zufallsprinzip eingeteilt. Ziel dieser Gruppenarbeitsphase ist es, relevante Themen, Ideen und Fragestellungen für das Bildungsleitbild zu sammeln und zu möglichen Themenkomplexen zu bündeln. Hier wird die inhaltliche Grundlage des späteren Leitbilds gelegt.

Die Vielfalt der auf Flipcharts verschriftlichten Arbeitsgruppenergebnisse spiegelt die Heterogenität der Teilnehmenden wider. Die Anregungen reichen von „Stärkung der Herzensbildung“ bis zu „Bildung grenzenlos!“, Handlungsfelder wie Lebenslanges Lernen, Optimierung der Berufsorientierung sowie der Wunsch nach höherer Transparenz werden mehrfach genannt. Die Verdichtung der Anregungen zu konkreten Überthemen eines Leitbilds soll in den nächsten Monaten durch die Redaktionskonferenz erfolgen.

Zahlreiche Anregungen für die Stadt

Das Audimax ist bei Konferenzende fast ebenso gut gefüllt wie am Anfang. Die Qualität von Veranstaltungen lässt sich auch an der Fluktuation ablesen – im Falle der Eisenacher Bildungskonferenz scheint es sich demnach um eine gute Veranstaltung gehandelt zu haben. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden sind positiv, viele bedanken sich für die Möglichkeit zur Mitbestimmung sowie die gute Organisation.

Auch die Oberbürgermeisterin, der Bildungsdezernent und die Mitarbeiterinnen der Stabsstelle sind zufrieden. Sie gehen mit einer riesigen Zahl an Anregungen nach Hause, konnten die Bedeutung des Themas Bildung für die Zukunft der Stadt Eisenach darlegen und sind mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch gekommen. Nun gilt es, die geweckten Erwartungen nicht zu enttäuschen, am Ball zu bleiben und das Leitbild über einen längeren Zeitraum zum Erfolg zu führen.

 

Text: Alexander Lorenz