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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

09.02.2018

Neue Wege in Mansfeld-Südharz: Jugendkonferenz 2017


Gemeinsam mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit veranstaltete der Landkreis Mansfeld-Südharz am 21. November 2017 im Kolping Berufsbildungswerk Hettstedt seine zweite Jugendkonferenz. Unter dem Motto „Neue Wege“ lag dieses Mal ein Augenmerk auf Schülerfirmen der Region, die sich auf der Jugendkonferenz vorstellten und mit den Teilnehmenden in Austausch traten. 

Ein Marktplatz im Kolpingwerk

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer finden sich am 21. November 2017 zur zweiten Jugendkonferenz des Landkreises Mansfeld Südharz ein. Veranstalter ist, wie bei der ersten Jugendkonferenz im Jahr 2015, der Landkreis in Kooperation mit dem Jobcenter Mansfeld-Südharz und der Agentur für Arbeit Sangerhausen. Als Veranstaltungsort stellt das Kolpingwerk Hettstedt seine tageslichtdurchflutete und geräumige „Halle der Nationen“ zur Verfügung.  Eingeladen sind neben unzähligen Akteuren, die sich dem gelingenden Übergang Jugendlicher von der Schule in Ausbildung und Beruf verpflichtet fühlen vor allem auch Kinder und Jugendliche selbst. Auch wir, zwei Landeskoordinatoren der Transferagentur Mitteldeutschland, sind vor Ort und folgen der Einladung und Bitte, die Jugendkonferenz mit einem Fachvortrag zum Thema zu bereichern.

Bereits im Foyer warten Kinder, Jugendliche und engagierte Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Informationsständen auf und präsentieren ihre Schülerfirmen und deren Produkte. Hier  finden wir auch den Stand des Bildungsbüros Mansfeld-Südharz, an dem Frau Detsch  ihre Arbeit und die Angebote des Bildungsbüros vorstellt. Das Bildungsbüro ging im Jahr 2013 aus den Strukturen des vom BMBF initiierten Bundesprogramms „Perspektive Berufsabschluss - Regionales Übergangsmanagement“ hervor und ist seither wichtiger Ansprechpartner für alle Bildungsfragen und Angebote im Landkreis. Nicht zuletzt durch Frau Detsch besteht bereits seit über zwei Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen der Transferagentur Mitteldeutschland und dem Landkreis. Nach einem ersten Rundgang steigt die Neugier auf den zweiten nachmittäglichen Teil der Veranstaltung, an dem die Schülerinnen und Schüler auch auf der Bühne Gelegenheit bekommen sollen, ihre Schülerfirmen vorzustellen.

Genug Ausbildung für alle?

Zum Auftakt wendet sich die Landrätin, Frau Dr. Klein, an alle Teilnehmenden und dankt besonders den anwesenden Kindern und Jugendlichen für deren Engagement während der Tagung. In Ihrem Grußwort stellt sie klar heraus, dass die Situation am Ausbildungsstellenmarkt nicht mehr durch einen Mangel an Ausbildungsplätzen geprägt ist. Jedem Jugendlichen steht nach Verlassen der Schule statistisch ein Ausbildungsplatz zur Verfügung. Dennoch, so die Landrätin, findet nicht jeder Jugendliche ohne weiteres in eine Ausbildung und damit bleiben auch Ausbildungsplätze unbesetzt. Damit eröffnet sie das Thema der Tagung, was die verschiedenen Akteure tun können, damit möglichst viele Ausbildungsstellen besetzt und möglichst wenige Jugendliche ohne Ausbildung bleiben.


Mit diesem Grußwort gab die Landrätin den roten Faden vor, den wir mit unserem Fachvortrag direkt aufgreifen möchten. Dazu stellen wir Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts und Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesinstituts für Berufsbildung vor, die Hinweise liefern, warum ein ausgeglichener Ausbildungsmarkt nicht automatisch alle Probleme des Übergangs von der Schule in Ausbildung und Beruf zu lösen vermag. Passungsprobleme zwischen dem Ausbildungsangebot und den zukünftigen Auszubildenden sind dafür verantwortlich: Setzen Ausbildungsbetriebe hohe Leistungserwartungen an ihre potentiellen Fachkräfte voraus, eignen sich nur wenige der Jugendlichen für diese Stellen und gerade diese jungen Leute haben möglicherweise noch andere Bildungswege zur Auswahl. Umgekehrt treffen insbesondere in homogenen Wirtschaftsregionen einzelne sehr häufig angebotene Ausbildungsstellen nicht unbedingt das Interesse der Mehrheit der Jugendlichen. In beiden Fällen bleiben so Stellen unbesetzt und Jugendliche mit schlechteren Zeugnissen bzw. geringeren Schulabschlüssen ohne Ausbildungsplatz. 

Zusätzlich zeigen sich starke Zunahmen im Ausbildungsabbruch. Neben statistischen Ursachen dieses Anstiegs, wie dem Unterzeichnen mehrerer Ausbildungsverträge und dem Antritt nur einer Stelle, was in der Statistik als Abbruch erscheint, gibt es jedoch auch Hinweise, dass insbesondere in gering entlohnten Berufen mit wenig anspruchsvollen Aufgaben die Abbruchquoten besonders hoch sind. Dies betrifft dann oftmals Jugendliche, die eher schlechte Noten bzw. niedrige oder gar keinen Schulabschluss haben. Dieser Zusammenhang wurde in der Vergangenheit oft so gedeutet, dass die Gründe für den Abbruch bei den Jugendlichen liegen. Neuere Daten des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) zeigen jedoch, dass unabhängig von den Jugendlichen bestimmte Branchen und Betriebe ein höheres Abbruchrisiko erklären. So sind kleine Betriebe dahingehend gefährdet, weil sie weniger personelle Ressourcen haben, den Jugendlichen eine adäquate Ausbildung zu gewähren. 

Wird monatelang an einem Auftrag nur ein geringer Ausschnitt des Tätigkeitsfeldes des Berufs ausgeführt, kann der Auszubildende in seiner Praxisausbildung nicht viel lernen. Junge Menschen spüren dies sehr schnell und das führt neben den Problemen im (während der Ausbildung zu dokumentierenden) Lernfortschritt auch zu Frustration, nur Hilfstätigkeiten auszuführen, anstatt umfänglich den Beruf zu erlernen. Fehlt dann aufgrund sehr geringer Betriebsgrößen dem Personal die Zeit, sich dem Auszubildenden zu widmen führt das sehr oft zu Abbrüchen von Seiten der Jugendlichen. Die oftmals geringe Entlohnung bestimmter Branchen, der Weg in einen Beruf, der nicht unbedingt der Wunschberuf des Jugendlichen war und die mangelnden zeitlichen und personellen Ressourcen, Konflikte zu lösen, steigern dieses Risiko noch.  Um diesen Problemen etwas entgegenzusetzen, braucht es Unterstützungsangebote, die ihre Perspektive um die Qualität der Ausbildung sowie den Betrieb erweitern und gezielte Hilfestellung im Konfliktfall anbieten.

Schülerfirmen stellen sich und ihre Produkte vor

Neben den vielen Akteuren, die das Übergangsgeschehen begleiten, liegt ein besonderer Fokus auf den Möglichkeiten, die Schülerfirmen bieten. Diese Thematik greift Frau Dr. Gina Mösken von den Gründerkids Sachsen-Anhalt in ihrem Vortrag auf, in dem sie die Chancen, die eine Schülerfirma eröffnet, aufzeigt. Dazu gibt sie einen guten Überblick über die bestehenden Schülerfirmen des Landes Sachsen-Anhalt. Schülerfirmen bieten vielfältige Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler. So lernen die Jugendlichen verschiedene Anforderungen und Arbeitsbereiche kennen, die in einer Firma anfallen, also nicht nur das eigentliche Berufsfeld, sondern auch Organisation und Abwicklung von Aufträgen, die Buchhaltung und Kalkulation der Kosten und Einnahmen, das Arbeiten im Team und nicht zuletzt das jeweilige fachspezifische Wissen und Können der jeweiligen Branche, in dem die Schülerfirma aktiv ist.   

Im Anschluss daran haben nun die Kinder und Jugendlichen verschiedener Schülerfirmen die Möglichkeit, sich, ihre Arbeit und die Geschichte ihrer jeweiligen Firma auf großer Bühne vorzustellen.  So erfahren wir von den „Krea-Klecksen“ Grundschülerinnen und Grundschülern der „Ersten Kreativschule“ aus Halle, die sich mit kreativen Designideen vermarkten. Danach stellt sich die „Schlemmerecke“ der Ganztagsschule „Thomas Müntzer“ aus Sangerhausen vor, die ihre Mitschülerinnen und Mitschüler mit Pausenbroten und Veranstaltungen mit Catering versorgen. Als dritte Schülerfirma kommt zum Abschluss der „Benndorfer Holzbau“ der Sekundarschule Benndorf auf die Bühne. In dieser Firma stellen Jugendliche Natur- und Kreativprodukte her, die man ebenso wie die Designprodukte der „Krea-Kleckse" im Anschluss an den Ständen im Foyer direkt erwerben kann.
 


Der Nachmittag gehört dann ganz den Schülerinnen und Schülern auf dem Marktplatz und den neugierigen Teilnehmenden, die die Gelegenheit nutzen, sich umfassend zu informieren und das eine oder andere Produkt zu erwerben. Den Schülerinnen und Schülern sieht man die Freude und das Selbstbewusstsein über ihre Produkte und weit darüber hinaus, das, was sie damit gemeinsam schaffen, an. Die Teilnehmenden außerhalb der Schulen haben viel über Möglichkeiten erfahren, wie neue Wege zur Berufsorientierung sowie einem gelungenen Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf gestaltet werden können.  

Damit dieser Überblick nicht verloren geht, hat das Bildungsbüro einen Rückblick der Konferenz auf seiner Homepage  und sämtliche Beiträge zum Download zur Verfügung gestellt. Die Tagung hat unter ihrem Motto „Neue Wege“ neugierig gemacht, im nächsten oder übernächsten Jahr erneut einen Einblick zu erhalten, wie Jugendliche nach der Schule diese Wege gehen und welche Chancen ihnen diese Wege eröffnen. An Themen und Fragestellungen sowie engagierten Akteuren für weitere Jugendkonferenzen mangelt es im Landkreis Mansfeld-Südharz sicher nicht. 

 

Hier finden Sie weitere Informationen.


Text: Matthias Müller

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des Landkreises Mansfels-Südharz, © U. Weißenborn (Mansfeldecho).