Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

26.11.2019

Neu im Programm „Bildung integriert“: Sachsen-Anhalt (1)

Mit dem Förderprogramm „Bildung integriert“ des Bundes werden Kommunen dabei unterstützt, ein datenbasiertes Bildungsmanagement aufzubauen bzw. weiterzuentwickeln. Im Rahmen dieses Programms nahmen auch in diesem Jahr Bildungsmanager/innen und -monitorer/innen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihre Arbeit auf. In einer kleinen Reihe stellen sie sich vor – was sie motiviert, welche Erfahrungen sie einbringen, wo sie Herausforderungen sehen und nicht zuletzt, welche Ziele sie sich gesteckt haben. Nach der Vorstellung der neuen Mitarbeitenden in Sachsen und Thüringen schließen wir die Reihe mit denen aus Sachsen-Anhalt – zunächst aus den Landkreisen Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und dem Saalekreis.

Was motiviert Sie persönlich für das Aufgabenfeld?

Anja Göricke und Sandra Lamm (Bildungsmanagerin und Bildungsmonitorerin im Landkreis Wittenberg): Die bildungsbezogenen Projekte, in denen wir vorher gearbeitet haben, fokussierten jeweils eine Zielgruppe. Jetzt können wir das Bildungsgeschehen über alle Alters­phasen hinweg beobachten und analysieren, von der frühkindlichen bis zur Seniorenbildung. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Bildungsbüro inkl. Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, die Berührungspunkte mit deren Projekten macht die Arbeit sehr abwechslungsreich.

Katja Rehhahn (Bildungsmanagerin im Landkreis Anhalt-Bitterfeld): Bildung ist vielseitig und betrifft sämtliche Lebensbereiche und -phasen. Ob bewusst oder unbewusst, sie beeinflusst sowohl die Möglichkeiten jedes Einzelnen, aber auch die der Gemeinschaft, der Wirtschaft und Politik – kurzum der gesamten Region. Da jeder etwas mit ihr verbindet, finden sich leicht erste Gesprächsthemen und Überschneidungen. Spannend wird für mich dann die intensive Auseinandersetzung, um den Bildungsbereich im Landkreis gemeinsam weiterzuentwickeln.

Juliana Alferi (Bildungsmanagerin und -monitorerin im Landkreis Saalekreis): Nach beruflichen Erfahrungen in der Elementar-, Förder- und Sozialpädagogik kenne ich die Stärken und Schwächen unseres Bildungssystems. Die kommunal- und landespolitischen Entscheidungsprozesse haben weitreichende Auswirkungen auf die Qualität der pädagogischen Arbeit vor Ort. Sie sind oft langwierig, und einzelne nacheinander beschlossene Maßnahmen fügen sich deshalb oft nicht in ein stimmiges Gesamtkonzept. Ich möchte in meiner Funktion als Bildungsmanagerin dazu beitragen, unser Bildungssystem zukunftsfähig zu gestalten.

Auf welche Erfahrungen können Sie für Ihre Arbeit zurückgreifen?

Anja Göricke: Ich habe Politikwissenschaften studiert und war zuvor bereits beim Landkreis Wittenberg in dem bildungsbezogenen Projekt „Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt (RÜMSA)“ beschäftigt. Insofern sind mir die Verwaltung, die Zusammenarbeit mit politischen Ausschüssen und Netzwerkpartnern vertraut.

Sandra Lamm: Letzteres trifft auf mich ebenso zu. Ich war als Bildungskoordinatorin für Neuzu­gewanderte im Landkreis tätig. Die Kenntnis von Strukturen, Arbeitsweisen und Personen ist für die neue Aufgabe ebenso hilfreich wie nützlich. Als studierte Bildungswissenschaftlerin kenne ich mich mit Datenerhebungen und statistischen Auswertungen aus.

Katja Rehhahn: Politikwissenschaften habe ich auch studiert, zudem Soziologie. Beruflich war ich in den letzten zehn Jahren in der Erwachsenenbildung tätig. Viele Jahre habe ich in Unternehmen die interne Mitarbeiterentwicklung mit strukturiert, organisiert und ausgebaut. Zusätzlich habe ich auf Vereinsebene Kommunen und Vereine im Bereich der politischen Bildung beraten und begleitet.

Juliana Alferi: Ich kann auf eine breite Ausbildung und umfangreiche Berufserfahrungen zurückgreifen. Neben den Studien der Pädagogik und des Bildungsmanagements bin ich staatlich anerkannte Erzieherin und war zuletzt als Leiterin einer Kita in Halle tätig. Praktische und wissenschaftliche Aspekte meiner Arbeit kann ich daher gut miteinander verbinden. Aufgewach­sen in der DDR und ausgebildet in der Bundesrepublik, stehen mir verschiedene Denk- und Handlungsstrategien zur Verfügung. Kombiniert mit den Erfahrungen vielfältiger Auslands­aufenthalte und den Einsichten als Mutter dreier Kinder, gelingt es mir, Situationen zielorientiert zu analysieren und pragmatisch zu handeln.

Welche Herausforderungen erwarten Sie für Ihre Arbeit?

Sandra Lamm und Anja Göricke: Eine große Herausforderung im kommunalen Bildungs­management ist es, die identifizierten Lücken und Bedarfe im Bildungsbereich in konkrete Maßnahmen und Ergebnisse münden zu lassen. Oftmals erschweren knappe finanzielle Ressourcen vielversprechende Lösungsansätze. Wir möchten hier ansetzen und aktiv mit den Gremien und Ausschüssen zusammenarbeiten.

Juliana Alferi: Zunächst bin ich Bildungsmanagerin und -monitorerin in einer Person. Es wird also meine Aufgabe sein, beide Stellenanteile in meiner Arbeit sinnvoll zu vereinen. Meine Tätigkeit beschränkt sich auf Braunsbedra, eine Gemeinde im ländlichen Raum mit 10.000 Einwohnern. Bildungsmanagement mit seinen Aufgabenfeldern und Handlungskonzepten ist hier gänzlich unbekannt. Es kommt also darauf an, Menschen für das Projekt „Bildung integriert“ aufzuschließen und seinen praktischen Nutzen aufzuzeigen. Als jemand, die „von außen“ kommt, möchte ich die gesellschaftlichen und politischen Strukturen kennenlernen. Die Ideen und Vorstellungen der Menschen in Braunsbedra stehen für mich im Mittelpunkt. Nur mit ihnen lassen sich Veränderungsprozesse gestalten. Für das Gelingen des Projekts maßgeblich sind Transparenz sowie Bürgerbeteiligung. Nur so können aus Kritikern aktive Mitgestalter werden.

Katja Rehhahn: Bildung ist ein weites Feld. Angesichts der begrenzten Projektlaufzeit wird es herausfordernd sein, sich auf wenige Themen und Aufgaben zu fokussieren und sie konsequent zu verfolgen. Das kann nur zusammen mit den Akteuren und Entscheidern vor Ort geschehen, wenn es strategisch und nachhaltig wirken soll – und das sollte es.

Was möchten Sie in den nächsten Jahren gerne erreichen?

Katja Rehhahn: Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen vor Ort möchte ich Transparenz und Zusammenarbeit weiter fördern. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gibt es viele tolle Ideen, Projekte, Maßnahmen und Akteure. Das sollte noch klarer werden – innerhalb und außerhalb des Landkreises – und muss gut aufeinander abgestimmt werden. Das ist Aufgabe des Bildungsmanagements, das ich fest im Landkreis etablieren möchte.

Anja Göricke: Für die nächsten anderthalb Jahre ist geplant, ein Bildungsleitbild für den Landkreis Wittenberg zu veröffentlichen sowie eine Bildungslandkarte zur Erhöhung der Transparenz von Bildungsangeboten zu erarbeiten. Nachdem die erste Bildungskonferenz 2018 ein großer Erfolg war, wollen wir ihr 2021 eine weitere folgen lassen.

Sandra Lamm: Außerdem kam auch aus dem Kreistag der Wunsch, den Bildungsbericht fortzuschreiben. Wir haben uns Berichte zu spezifischen Themen vorgenommen, beispielsweise zu Migration und digitaler Bildung.

Juliana Alferi: Die Gemeinde Braunsbedra beteiligt schon seit Jahren ihre Bürgerinnen und Bürger an der Verbesserung der Bildungsstrukturen und -angebote, insbesondere des Übergangs vom Kindergarten in die Schule. Nun gilt es, das Spektrum um den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erweitern, aber auch darüber hinaus. Bedarfe müssen erkannt und Lücken geschlossen werden. Damit das gelingt, ist eine intensive Netzwerkarbeit erforderlich sowie der Transfer guter Lösungen auf die hiesigen Rahmenbedingungen, um eigene zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten. Kritikfähigkeit und eine konstruktive Fehlerkultur, verstanden als Lernchancen, sind dafür ebenso unerlässlich wie reflexives Denken und Handeln. Das ist entscheidend nicht nur für dynamische Veränderungsprozesse im Rahmen kommunalen Bildungsmanagements, sondern auch für eine lebendige Demokratie.

 

Das Interview führte: Eyk Henze, TransMit

 

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Auch Dr. Nurdin Thielemann und Tobias Krüger sind seit diesem Jahr in Magdeburg dabei – im Vergleich zu ihren Kolleginnen aus den Landkreisen Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und dem Saalekreis aber mit einem kleinen, zeitlichen Vorsprung. Vor dem Hintergrund erster Erfahrungen vor Ort haben wir auch sie in einem kleinen Interview befragt.