Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

28.11.2019

Neu im Programm „Bildung integriert“: Sachsen-Anhalt (2)

Der Bund fördert Kommunen im Rahmen des Programms „Bildung integriert“ bei Aufbau und Entwicklung eines datenbasierten Bildungsmanagements. In einer dreiteiligen Reihe haben wir Bildungsmanager/innen und -monitorer/innen aus Mitteldeutschland vorgestellt, die ihre Tätigkeit in diesem Jahr aufgenommen haben. Auch Dr. Nurdin Thielemann und Tobias Krüger sind seit diesem Jahr in Magdeburg dabei im Vergleich zu ihren Kolleginnen aus den Landkreisen Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und dem Saalekreis aber mit einem kleinen, zeitlichen Vorsprung. Vor dem Hintergrund erster Erfahrungen vor Ort haben wir auch sie befragt.

Was motiviert Sie für die Aufgaben des Bildungsmanagements bzw. -monitorings?

Dr. Nurdin Thielemann: Das Bildungssystem ist von Versäulung, wenn nicht gar von Verinse­lung geprägt. Menschen profitieren nicht in gleicher Weise von ihm oder sind sogar von Bildung ausgeschlossen. Die Folgen eines (früh) selektierenden Bildungssystems treten spätestens am Übergang von der Schule in den Beruf zutage. Misslingt dieser Übergang werden die Folgekosten von der Kommune zu tragen und in der Kommune zu verorten sein. Dabei gibt es erprobte Wege, sehr früh gelungene Bildungswege zu gestalten und ggf. am eben benannten Übergang nachzusteuern. Dazu möchte ich gerne beitragen.

Tobias Krüger: Ich finde es äußerst spannend, relevante Probleme, wie zum Beispiel die soziale Segregation im Bildungsbereich, mit einem geeigneten, handhabbaren Indikatoren-Set sichtbar zu machen oder auch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Zwei Dinge haben mich in meinem bisherigen Berufsleben geprägt: zum einen, dass es unfassbar viele sinnvolle Lösungen für relevante Probleme gibt; zum anderen, dass diese selten in einen Zusammen­hang gebracht werden und sich deshalb teilweise sogar entgegenstehen. Kurz gesagt, Probleme plastisch zu machen und dadurch Lösungen miteinander zu vernetzen, um die bestmöglichen Ergebnisse für meine Heimatstadt zu erreichen, motiviert mich persönlich am meisten.

Welche Erfahrungen bringen Sie dafür mit?

Tobias Krüger: Zahlen, ihre Bereitstellung, ihre Vernetzung und übersichtliche Darstellung sowie ihre Interpretation ziehen sich wie ein roter Faden durch meine Berufsbiografie über den Statistischen Verbund (der „Statistischen Ämter des Bundes und der Länder“) bis zur Mitarbeit an thematischen sowie räumlichen Monitoring-Systemen auf kommunaler Ebene.

Dr. Nurdin Thielemann: Ich hatte beruflich die Möglichkeit das Thema Bildung innerhalb verschiedener Kontexte und aus verschiedenen Perspektiven zu sehen resp. auf verschiedenen Ebenen mitgestalten zu können. Insofern kann ich mich in die Anforderungen und Arbeits­aufträge der verschiedenen Akteure, die in der und auf die Kommune wirken, hineindenken. Akademisch habe ich mich mit gesellschafts- und bildungsrelevanten Fragestellungen befasst, mit Frühpädagogik, der Qualitäts- und Prozessentwicklung von Inhalten und Kontexten, sowie den verschiedenen Übergangsformen vom Bildungs- ins Arbeitssystem.

Welche Herausforderungen erwarten Sie für Ihre Arbeit?

Dr. Nurdin Thielemann: Es zeigt sich, dass Bildungsaktivitäten in Magdeburg bereits in der Stadtverwaltung genauso vielfältig wie exklusiv umgesetzt werden. Jene Akteure, denen genuin die Verantwortung für Bildung zugeschrieben wird, zum Beispiel der Schule oder der Hochschule, sind dabei noch nicht einmal benannt. Während Schulbildung in Landeshoheit liegt, obliegt die akademische Bildung den Hochschulen selbst. Die Frage, wer die Bildung in frühen Jahren inhaltlich und strukturell umsetzt und gestaltet, ist umkämpft und bietet Platz für gesellschaftliche Diskussionen. Berufsbildung obliegt vielen Akteuren. Ebenso weisen Zuständigkeiten in der Aus-, Fort- und Weiterbildung ein breites Spektrum auf. Insofern besteht die große Herausforderung erst einmal darin, sämtliche Aktivitäten zu identifizieren, die Handlungslogiken und Arbeitszusammenhänge der verschiedenen Akteure zu verstehen und, unter dem Stichwort Bildungsketten, diese nützlich in ein Verhältnis zueinander zu setzen. Das gilt im vermeintlich Kleinen – der Stadtverwaltung – genauso wie im Großen – der Stadt Magdeburg.

Tobias Krüger: Die Komplexität der Datenlandschaft zu erfassen und interpretierbar zu machen sowie dabei alle relevanten Akteure in das Monitoring einzubeziehen, stellt für mich die größte Herausforderung dar. Neben technischen Unwägbarkeiten, denke ich aus der Erfah­rung heraus, dass die überzeugende Kommunikation des Nutzens eines Monitoringsystems eine weitere zentrale Herausforderung darstellt.

Was möchten Sie in den nächsten Jahren gerne erreichen?

Tobias Krüger: Gemeinsam mit meinem Kollegen sind wir auf einem guten Weg, die eben benannten Herausforderungen zu bewältigen. Akteure vernetzen, bestehende Datenquellen effektiv an ein übersichtliches Monitoring anbinden und damit dazu beitragen, Lösungsansätze in den Fokus zu rücken. Dabei soll die modular aufgebaute Bildungsberichterstattung sinnvoll ergänzt und über die Projektdauer hinaus für die Landeshauptstadt Magdeburg verstetigt werden.

Dr. Nurdin Thielemann: Im Zentrum unserer Bemühungen stehen die Gestaltung und Beglei­tung von Übergängen. Dafür sind der Aufbau von Strukturen, die einen permanenten Aus­tausch zwischen Bildungsakteuren sicherstellen, und eine Bildungsberichterstattung, die eine verlässliche Entscheidungsgrundlage in der Landeshauptstadt darstellen, prioritär zu behandeln. Grundlegend bemühen wir uns, ein gemeinsam geteiltes Verständnis von dem, was Bildung sei, mit den Akteuren in der Stadt zu erarbeiten und zu etablieren.

 

Das Interview führte: Eyk Henze, TransMit