Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

03.05.2019

Netzwerkanalyse – ein Informations- und Arbeitsinstrument für das Bildungsmanagement

Wie in anderen Kommunen auch, existiert im Landkreis Wittenberg eine Vielzahl an Austauschformaten, wie Arbeits- und Steuerungsgruppen, Beiräte und Gremien, in denen zu unterschiedlichsten Handlungsfeldern im Bildungsbereich Lösungsstrategien entwickelt werden. Durch die notwendige Teilnahme an verschiedenen Gremien zeigte sich die Netzwerkarbeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung schnell als unübersichtlich – Schnittpunkte in den Arbeitsbereichen waren oft nur schwer festzustellen. Eine Netzwerkanalyse half, die bestehenden Strukturen systematisch zu erfassen, Doppelstrukturen aufzudecken, Lücken zu identifizieren und somit auf eine zuverlässige, übersichtliche und leistbare interne Koordinationsstruktur hinzuwirken. Einen Einblick in das konkrete Vorgehen bei der Netzwerkanalyse gab uns Sandra Lamm, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Landkreis Wittenberg.

Was war der Anlass, eine Netzwerkanalyse in Ihrem Landkreis durchzuführen?

Der Auftrag, eine Netzwerkanalyse für den Landkreis Wittenberg durchzuführen, war sowohl in der Vorhabenbeschreibung für das Projekt „Bildung integriert“, konkret für unsere Bildungsmanagerin, als auch für mich als Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte verankert. Zielstellung war hierbei die Erarbeitung einer projektbezogenen Gesamtübersicht über die Bildungspartner vor Ort. Wir erachten die Herstellung von Transparenz über Bildungsangebote, -daten sowie -strukturen als wichtige Aufgabe, die für beide Programme gilt und eine Voraussetzung für die Weiterentwicklung von Bildungslandschaften ist.

Wie sind Sie bei der Erfassung der Netzwerke und Gremien vorgegangen?

Am Anfang haben wir uns als Abteilung Bildung und Planung zusammengesetzt und überlegt, welche Arbeitsgruppen uns bekannt sind bzw. an welchen wir selbst teilnehmen. Wir haben dann einen Fragebogen entworfen, mit dem sich die Strukturen von Netzwerken erfassen lassen. Für uns war es wichtig, mit der Analyse verschiedene Fragen beantworten zu können: Handelt es sich um eine operative Arbeitsgruppe oder ein beschlussfähiges Gremium? Seit wann besteht das Netzwerk und gibt es eine Befristung? Was war Grundlage für die Gründung? Wie häufig finden Treffen statt? Wer ist Vorsitzende/r? Wer moderiert? Wer organisiert? Auf welchen Wirkungskreis ist das Netzwerk bezogen (gesamtkommunale Ausrichtung vs. städtebezogen)? Wer ist die Zielgruppe? Welche Themenschwerpunkte werden bearbeitet? Welche Ziele verfolgt das Netzwerk? Was für Aktivitäten werden durchgeführt? Und zuletzt die für uns wichtigste Information, wer sind die Mitglieder?

Unser Fragebogen basiert auf einem Generalfragebogen, den wir von TransMit zur Verfügung gestellt bekommen haben. Der Fragebogen wurde dann an alle Vorsitzenden der uns bekannten Netzwerke verschickt. Zum Teil haben wir auch Interviews durchgeführt und die Bögen gemeinsam ausgefüllt. Die Entwicklung des Fragebogens sowie die Datenerhebung haben ungefähr 3-4 Monate in Anspruch genommen.

Was konnten Sie mithilfe der Netzwerkanalyse herausfinden?

Insgesamt haben wir mithilfe unserer Befragung weit über 30 Arbeits- und Steuerungsgruppen sowie Gremien mit Bildungsbezug im Landkreis erfasst. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Arbeitsgruppen, die von der Verwaltung aus initiiert werden. Vereinzelt sind auch besonders relevante Gremien auf Landesebene dargestellt. Ein zentrales Ergebnis der Netzwerkanalyse besteht darin, dass es bei uns im Landkreis Schlüsselpersonen gibt, die im Bildungsbereich in zahlreichen Gremien vertreten sind und somit wichtige Multiplikatoren darstellen.

Wie wurden die Ergebnisse aufbereitet? 

Im Anschluss an die Analyse ging es darum, die Ergebnisse möglichst anschaulich und übersichtlich aufzuarbeiten. Wir haben uns dafür entschieden, die Netzwerke entsprechend der im Fokus stehenden Zielgruppen auf einem Zeitstrahl zu verorten. So haben wir die Arbeitsgruppen in die Bereiche frühkindliche Bildung, schulische Bildung bis Jugendalter, Netzwerke im Bereich Erwachsenenbildung und zum Thema Arbeitsmarktintegration bis hin zu migrationsspezifischen Netzwerken kategorisiert. Gemeinsam mit dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit unseres Hauses haben wir dann ein Arbeitstool entwickelt, bei dem sich die Nutzer/innen durch die Netzwerke navigieren können und so detaillierte Informationen zu den einzelnen Arbeitsgruppen erhalten. Perspektivisch wollen wir die Analyse im Intranet und ggf. auch auf der Homepage des Landkreises einstellen.

Gab es besondere Herausforderungen, die Ihnen im Analyseprozess begegnet sind?

Letztendlich waren wir bei der Analyse natürlich sehr stark auf das Mitwirken anderer Personen angewiesen. Wichtig ist es deshalb, von Beginn an den Nutzen und die Bedeutung für alle Akteure transparent zu machen, damit diese motiviert sind, zu unterstützen. Auch das Thema Datenschutz hat eine Rolle gespielt. Nicht alle Akteure wollten die Namen der Mitglieder einer Arbeitsgruppe benennen, ohne zu wissen, in welcher Form die Informationen verwendet werden.

Wir arbeiten heute mit einer Fassung, in der Namen hinterlegt sind und einer anonymen Variante, in der nur Funktionsbezeichnungen der Mitglieder aufgeführt sind. Nur die anonyme Variante wird im öffentlichen Kontext verwendet. Es ergeben sich auch immer wieder Herausforderungen hinsichtlich der Aktualisierung. Netzwerkstrukturen sind nicht starr, sondern verändern sich regelmäßig hinsichtlich der Besetzungen, zum Teil auch im Hinblick auf die Zielstellungen. Dabei auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, ist nicht immer einfach. Alle Änderungen müssen auch in unser Arbeitstool eingepflegt werden, was sehr zeitaufwändig ist.

Wie werden die Ergebnisse der Netzwerkanalyse im Landkreis genutzt?

Die Netzwerkanalyse soll in zweierlei Hinsicht gewinnbringend sein. Zum einen dient sie als Informationsinstrument, mit dem interessierte Personen innerhalb und außerhalb der Verwaltung Wissen über unsere Netzwerkstruktur erhalten können. Wir stellen das Tool beispielsweise Akteuren im Landkreis zur Verfügung, die neu im Bildungsbereich tätig werden und sich vernetzen möchten. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass dies in Erstgesprächen gut angenommen wird. Auch wir selbst profitieren regelmäßig von der Netzwerkanalyse, beispielsweise bei externen Anfragen zu Gremienstrukturen.

Zum anderen wurde die Analyse genutzt, um sich gezielt Gedanken über Lücken und Doppelstrukturen zu machen. Indem die Ergebnisse in verschiedenen Ausschüssen, Gremien und vor Entscheidungsträgern vorgestellt wurden, konnten verschiedene Prozesse angestoßen werden. Beispielsweise wurden Arbeitsgruppen zusammengeführt, die zu ähnlichen Themen und mit zum Teil gleicher Besetzung tätig waren. Einige Netzwerke wurden aufgrund veränderter Bedarfe und Herausforderungen gänzlich aufgelöst. Bezüglich unserer migrationsspezifischen Netzwerke haben wir mehrere Beratungen durchgeführt und uns intensiv mit den vorhandenen Strukturen auseinandergesetzt. Elf bestehende Arbeitsgruppen haben wir so auf vier reduziert. Den erarbeiteten Vorschlag haben wir über unsere zentrale Steuerungsgruppe legitimieren lassen.

Das Interview mit Sandra Lamm führte Franciska Mahl, TransMit.