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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

08.09.2020

Mehr als nur Technik – medienpädagogische Beratung im Burgenlandkreis

2016 haben sich die Länder im Rahmen ihrer Strategie zur „Bildung in der digitalen Welt“ auf die Vermittlung digitaler Kompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler verständigt. Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises, stellte für seinen Landkreis finanzielle Mittel für die Digitalisierung der Schulen in Trägerschaft bereit. Großflächig umgesetzt werden konnte sie schließlich mit dem durch das Land Sachsen-Anhalt initiierten Programm (IKT) im Jahr 2017. Doch mit der Anschaffung der Technik allein ist es nicht getan. Die Medienpädagogin Jana Maurer-Trautmann berät deshalb zum bedarfsgerechten Einsatz der neuen Hard- und Software.

„Etwas über die Köpfe der Nutzerinnen und Nutzer zu entscheiden, bringt gar nichts“, sagt Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises. Man habe frühzeitig erkannt, welche Bedarfe die Schulen im Zuge der Digitalisierung haben. In der Konsequenz richtete der Landkreis die Stelle einer medienpädagogischen Beratung ein. Seit Januar 2019 ist Jana Maurer-Trautmann nun die zentrale Ansprechpartnerin für die Schulen. Ziel ihrer Arbeit ist es außerdem, Standards in Beratung, Fortbildung und Evaluation medienpädagogischer Konzepte an den Schulen zu etablieren.

Das Herz an die Medienpädagogik verloren

„Es waren die praktischen Erfahrungen während meines Studiums der Medien- und Kommunikationswissenschaften in Leipzig — hier habe ich mein Herz an die Medienpädagogik verloren.“ Begeistert erinnert sich Jana Maurer-Trautmann an den Aufbau der ersten Leipziger ComputerSpielSchule oder die Einsätze mit dem Medienmobil im ländlichen Raum Sachsens. Sie berichtet von Angeboten zum Thema Gesundheitsförderung durch Medienkompetenz und von Kinderbüchern, die sie zusammen mit Kindergartenkindern gestaltet hat. „Es ist wichtig“, so die Medienpädagogin, „dass schon kleine Kinder Medien wie mobile Endgeräte als etwas erkennen, was sie selber gestalten, produktiv nutzen und bewerten können."

Ihre aktuelle Zielgruppe ist etwas älter und dennoch stark begeisterungsfähig für die digitalen Medien. Es sind Lehrerinnen und Lehrer der Schulen im Burgenlandkreis bei denen sie bereits so manche Einstellungsänderung bewirkt hat. Etwa beim Chemielehrer, der sich sicher war, den Farbverlauf einer Nachweisprobe besser mit Kreide malen zu können, als es die digitale Software jemals schaffen könne. Nach einer kurzen Vorführung war seine Skepsis jedoch verflogen. Beeindruckt von der Geschwindigkeit und der Darstellung der Ergebnisse musste er sich eingestehen: „So verkehrt ist es ja doch nicht, das digitale Arbeiten.“

Wichtig sei es, sich immer in die Lage des Gegenübers zu versetzen. Das Gegenüber bestimme Thema und Bedarf der Beratung. „Nur mal zuhören, das reicht nicht aus“, sagt die Beraterin. Allein die sofortige Umsetzung verschafft ein Aha-Erlebnis, aber auch die Erkenntnis, bei der Anwendung Entlastung im Unterricht zu erfahren. „Meine Zielstellung sind begeisterte Lehrkräfte, die den Mehrwert der digitalen Software erkennen und dadurch ihren Schülerinnen und Schülern Vorteile eröffnen können.“

Ein ganz normaler Arbeitstag

Wenn Jana Maurer-Trautmann gegen halb acht ihren Arbeitsplatz im Amt für Bildung in Naumburg betritt, wird als erstes der Rechner angeschaltet und die E-Mails abgerufen. Anfragen aus den Schulen im Landkreis werden sofort bearbeitet. Ein Blick in den Kalender verrät, sie ist in diesen Tagen eine gefragte Frau. Die Vorbereitungswochen für das nächste Schuljahr stehen an, der Fortbildungsplan füllt sich.

In den nächsten Stunden stehen Beratungen zum Antrag Sofortprogramm für digitale Lernmittel mit dem Amtsleiter und dem Sachgebiet IT an. Danach schreibt Maurer-Trautmann an den Anträgen zum Digitalpakt. Wenn es die Zeit noch zulässt, wird Marktanalyse betrieben. Das sind Recherchen zur optimalen Ausstattung der Schulen mit zielgruppenspezifischen Hardwareprodukten. Stolz berichtet die Medienpädagogin von einem neuen interaktiven Teppich für die Schülerinnen und Schüler einer Förderschule. Es brauche genau diese zielführenden Recherchen, um von den bereitgestellten Geldern das Passende anschaffen zu können, sagt Maurer-Trautmann.

Bevor es in den Feierabend geht, packt sie die Materialien für einen anstehenden Beratungstermin zusammen. Vertrauensvoll wenden sich Lehrkräfte mit ihren fachspezifischen Fragen an die Beraterin. Gemeinsam stimmt man sich auf ein bedarfsorientiertes Vorgehen ab, um dann die bestmögliche Lösung für das jeweilige Problem zu finden. Diese Form der Beratung schätzen die Lehrenden sehr. Der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu, das Smartphone piept: eine weitere Beratungsanfrage. Wenn es danach geht, könnte ihr Arbeitstag 24 Stunden haben.

Beratung für alle

Ganz zu Beginn ihrer Tätigkeit stand eine Abfrage zum Fortbildungsbedarf der Schulen. Die Ergebnisse bilden bis heute die strategische Grundlage ihrer Beratung. Der Landkreis stellt die inhaltliche Beratung sowie Koordinierung von Fortbildungen auch den Grundschulen zur Verfügung. „Dies ist nur folgerichtig“, meint Maurer-Trautmann, „denn auch wenn sich die Grundschulen in Trägerschaft der Gemeinden befinden, sind die Schüler in den Grundschulen später auch Schüler in anderen Schulformen, für die der Landkreis Träger ist“.

Vor diesem Hintergrund organisierte die Beraterin zusammen mit dem Bildungsbüro und dem Landesschulamt Sachsen-Anhalt im November 2019 einen Fachtag für die Grundschulen im Burgenlandkreis. Diskutiert wurde die Umsetzung des Digitalpakts und medienpädagogischer Konzepte an den Grundschulen. Auf dem Markt der Möglichkeiten stellten sich Verlage und Technikanbieter vor. Die anwesenden Schulleiterinnen, Schulleiter und Lehrkräfte waren dankbar für dieses Angebot. Frau Maurer-Trautmann ist seitdem eine gefragte Referentin beim Landesschulamt.

Nicht nur dieser Fachtag hat zu einer verstärkten Nachfrage medienpädagogischer Fortbildungsangebote geführt. „Die Lehrkräfte sind unglaublich motiviert“, berichtet Maurer-Trautmann. Theoretisch könnte jetzt an jedem Tag der Woche ein Angebot stattfinden. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund Corona bedingter Schulschließungen bestehe ein großes Interesse an Anwendungen, mit denen Lehrende mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt treten, Aufgaben bereitstellen und in Arbeitsgruppen zusammenarbeiten können. Aufgrund der starken Nachfrage baut Maurer-Trautmann mittlerweile einen Pool von motivierten Lehrkräften auf, die es sich zutrauen, selber Fortbildungen vor ihren Kolleginnen und Kollegen zu geben.

 

Text: Norbert Blauig-Schaaf