Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

02.10.2018

Integrierte Sozialplanung – ein role model für das Bildungsmanagement

Mit Bildungsberichten, wie sie entstehen und was aus ihnen wird, damit beschäftigen wir uns immer wieder. Gerade bei der Frage, was passiert eigentlich, wenn die beachtlichen Datensammlungen in den wichtigen kommunalen Gremien vorgestellt sind? – herrscht oft etwas Ratlosigkeit. Der Blick richtet sich dann häufig auf die sogenannte integrierte Sozialplanung, deren Arbeitsweise und die Einbindung in kommunale Steuerungsprozesse. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff der Sozialplanung, was bedeutet der Zusatz „integriert“ und in welchem Verhältnis steht sie zum Bildungsmanagement insgesamt?

In den vergangenen Wochen setzten wir uns mit diesen Fragen im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungen auseinander. Neben einem Austausch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Jena und Halle suchten wir auch das Gespräch mit einem erfahrenen Sozialplaner und Mitglied des Vereins für Sozialplanung: Walter Werner. Mitgenommen haben wir aus beiden Formaten einen neuen Blick auf Berichterstattung und das Zusammenspiel von Berichterstattung und Planung.

Sozialplanung - Reaktion auf den stetigen Wandel in der Kommune

Doch was ist nun eigentlich Sozialplanung? Die Gesellschaft und damit auch die Kommune verändert sich ständig; neue, insbesondere soziale Herausforderungen entstehen. Sie zu mildern bzw. auf sie zu reagieren, ist unter anderem Aufgabe der örtlichen Sozialplanung. Um das zu leisten, beobachtet die Sozialplanung sehr genau Veränderungen in der Kommune. Sie zeigt Probleme auf und entwickelt gemeinsam mit Fachkolleginnen und -kollegen sowie den Betroffenen Maßnahmen.

Sozialplanung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen: der Fachplanung, der sozialräumlichen Entwicklungsplanung und der Sozialberichterstattung. Die drei Bereiche sind eng miteinander verknüpft und können nicht einzeln stehen. Die Fachplanungen, wie sie in den Handlungsfeldern Jugendhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe oder auch in der Gemeindepsychiatrie zu finden sind, werden dabei nicht separat in den Fachämtern betrachtet, sondern unter Berücksichtigung sozialräumlicher Entwicklungen gemeinsam bearbeitet. Dafür werden zunächst die vorhandene soziale Infrastruktur, Lebenslagen und Sozialstrukturdaten kleinräumig analysiert und beschrieben, um dann möglichst bedarfsgerechte Maßnahmen zu entwerfen.

Das besondere Anliegen der integrierten Sozialplanung ist es, die Menschen, die in den jeweiligen Sozialräumen leben, in die Planungspraxis einzubeziehen. Ob nun über Befragungen, offene Planungsverfahren oder andere gemeinwesensorientierte Angebote, die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort ist ein wichtiges Merkmal einer nachhaltigen Sozialplanung.

Berichterstattung - Unterstützung für Planung und Politik

Wie im Bildungsmonitoring spielen empirischen Daten auch in der integrierten Sozialplanung eine zentrale Rolle. Bevor man etwas ändern kann, muss man wissen, was ist. Kennt man die jeweiligen Lebenslagen – gerade vor Ort – ist es möglich, ganzheitliche Lösungsstrategien für soziale Problemgruppen aufzuzeigen und präventiv zu wirken. Wie im Bildungsmonitoring arbeitet die Sozialberichterstattung dafür mit Zeitreihen, um zu dokumentieren, wie sich Dinge über verschiedene Zeitpunkte hinweg verändern.

Beide Monitoringsysteme stellen indikatorengestützte Beobachtungen an, die im Rahmen von Berichterstattungen ausgewertet und interpretiert werden können. Soweit so gut. Doch was folgt? Im oft beschriebenen Ideal sind die Ergebnisse Grundlage für kommunalpolitische und planerische Handlungs- und Steuerungsansätze und damit für konkrete Maßnahmen. Diese werden anschließend evaluiert und wieder in den Steuerungskreislauf zurückgeführt. Es bleibt die Frage, wie kann das gelingen? Wen oder was braucht es? Die integrierte Sozialplanung liefert hier viele positive Beispiele, die Anregungen für Prozesse des Bildungsmanagements sein können. In den kommenden Monaten möchten wir uns deshalb weiter mit diesem wichtigen Schritt von der Berichterstattung zur Maßnahmenentwicklung auseinandersetzen. Dafür betrachten wir gelungene Beispiele der integrierten Sozialplanung und bringen diese in Verbindung mit aktuellen Prozessen in unseren Transferkommunen.

Klar ist: Sozialplanung und auch Bildungsmanagement bleibt folgenlos, wenn sie nicht mit Durchsetzungsstrategien gekoppelt sind. Planung ist kein Selbstzweck, ihr Sinn liegt in der Umsetzung. Eine Fachplanung ohne Berücksichtigung der baulichen, personellen, organisatorischen und finanziellen Konsequenzen hat keine Zukunft. Leistungsfähig sind Sozialplanung und auch Bildungsmanagement dann, wenn sie aktiv auf die Gestaltung von Lebenslagen hinwirken. Dafür braucht es eine dauerhafte kleinräumige, indikatorengestützte Entwicklungsplanung, eine ressort- und trägerübergreifende Zusammenarbeit und die Beteiligung der Menschen vor Ort.

 

Weiterlesen:
Walter Werner (2017): 50 Jahre Sozialplanung in der Bundesrepublik Deutschland. In: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, Heft 1/2017.

 

Text: Maria Nobis