Hochschule Mittweida forscht in Kooperation mit dem Landkreis Mittelsachsen zur „Bildung im Alter“

Im Forschungsprojekt „Bildung im Alter“ untersuchen Studierende der Hochschule Mittweida drei Semester lang Bildungsmöglichkeiten, Bildungsinteressen und Bildungsmotivationen älterer Menschen im Landkreis Mittelsachsen. Im Interview erklärt Prof. Dr. Isolde Heintze die Ziele des Projekts, wie es zu der Kooperation von Hochschule und Landkreis kam und welche Vorteile beide Partner daraus ziehen.

Bildung im Alter

Wir sprachen mit Prof. Dr. Iolde Heintze von der Hochschule Mittweida über das Forschungsprojekt „Bildung im Alter“ und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mittelsachsen.

Frau Prof. Dr. Heintze, wie ist es zu der Projektidee von „Bildung im Alter“ gekommen? Wer hatte die Idee?

Seit 2015 arbeiten wir als Hochschule sehr eng mit dem Landratsamt Mittelsachsen zusammen und haben inzwischen ein umfangreiches Sozialmonitoring aufgebaut. Auf dessen Grundlage sind inzwischen zwei Sozialberichte entstanden, die die Lebenslagen der Bevölkerung in den Kommunen des Landkreises beschreiben.  

Im Kontext dieser Zusammenarbeit sind auch studentische Arbeiten entstanden, die sich spezifischen sozialpolitischen Themen widmen, die den Sozialbericht um detaillierte Studien ergänzen.

Eines dieser Projekte widmet sich der „Bildung im Alter“. Daran arbeiten insgesamt 13 Masterstudierende in drei Teilprojekten über drei Semester. Die Ideen für die Projekte entwickeln wir gemeinsam mit dem Landratsamt, je nachdem, welche Themen vertieft und von der Verwaltung selbst nicht untersucht werden können. Beim Vorhaben „Bildung im Alter“ hat uns das Bildungsmonitoring des Landkreises besonders unterstützt.

Was sind die Ziele und Kernpunkte des Projekts?

Wir wollen den Status quo von Bildungsmöglichkeiten, Bildungsinteressen und Bildungsmotivationen bei älteren Menschen im Ruhestand im Landkreis Mittelsachsen erfassen, beschreiben und analysieren. Dabei werden exemplarisch einzelne Regionen des Landkreises untersucht.

Das Vorhaben „Bildung im Alter“ gliedert sich in drei Teilprojekte: Das erste geht der Frage nach, welchen Stellenwert das Thema Bildung für ältere Menschen im Landkreis einnimmt. Hierfür interviewen die Studierenden verschiedene Menschen im Ruhestand auf der Grundlage eines inhaltlichen Konzepts, das Ruheständler in vier Typen einteilt: „Weitermachende“, „Anknüpfende“, „Befreite“ und „Nachholende“. Überblick Teilprojekt 1 (PDF)

Diese unterscheiden sich darin, ob sie weiter wie bisher arbeiten, anderen Tätigkeiten nachgehen und an ihren Arbeitserfahrungen anknüpfen, sie einfach ihre Freizeit genießen oder Neues ausprobieren. Durch die Interviews soll auch herausgefunden werden, inwieweit sich der Stellenwert von Bildung je nach Typus unterscheidet.

In den beiden weiteren Teilprojekten geht es um Bildungsangebote. Die zweite Teilstudie umfasst eine standardisierte Befragung von älteren Menschen in zwei Sozialregionen des Landkreises. Im Zentrum stehen ihre Bildungsinteressen und Wünsche. Daraus kann abgeleitet werden, welche Bildungsangebote genutzt werden, welche ausgebaut werden sollten oder welche Lücken oder Hindernisse es noch gibt.

Im dritten Teilprojekt ist eine Erfassung und Analyse der bestehenden Bildungsangebote für ältere Menschen geplant. In einer Übersicht sollen formelle und informelle Bildungsangebote für zwei Sozialregionen dargestellt werden, perspektivisch in einer interaktiven Karte.

Welche Vorteile hat die Kooperation mit dem Landkreis aus Ihrer Sicht?

Die Studierenden arbeiten an praxisrelevanten Themen und nähern sich diesen aus einer forschenden Perspektive. Der Praxisbezug stärkt die Berufsvorbereitung, die Berufsorientierung und durch die geknüpften Kontakte auch den Berufseinstieg. Indem die studentische Forschung auf regionale und aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen bezogen wird, können theoretische Lernerfahrungen unmittelbar angewandt und erweitert werden.

Neben dem Wissenstransfer profitiert der Landkreis von diesem Blick und kann Ergebnisse aus dieser Expertise in die Gestaltung der sozialen Kommunalpolitik einfließen lassen. Eine kommunale Sozialberichterstattung, die vorwiegend einem quantitativ-analytischen Ansatz folgt, wird so um wesentliche qualitative Aspekte bereichert.

Der 2. Beigeordnete des Landkreises Mittelsachsen, Jörg Höllmüller, erkannte in der Zusammenarbeit eine gute Gelegenheit, zukünftige Fachkräfte zu gewinnen. Studierende haben im Rahmen der Kooperation die Möglichkeit, die Landkreisverwaltung als engagierten Arbeitgeber und verlässlichen Partner sozialer Dienste kennenzulernen.

Welche Rolle spielt das Bildungsmonitoring in Ihrer Zusammenarbeit mit dem Landkreis?

Aus meiner Sicht leistet das Bildungsmonitoring einen außerordentlich wichtigen ergänzenden Beitrag im Rahmen der Erarbeitung der Sozialberichterstattung für den Landkreis Mittelsachsen. So fließen Daten und Resultate aus dem Bildungsmonitoring in die Sozialberichte ein, vor allem wenn es darum geht, die Teilhabemöglichkeiten an Bildung regional in den Blick zu nehmen.

Sowohl die Mitarbeitenden der Hochschule als auch die der Sozialplanung und des Bildungsmonitorings in der Landkreisverwaltung arbeiten eng zusammen. Sie informieren sich gegenseitig über die Ergebnisse des Sozial- und Bildungsmonitorings und diskutieren Unterschiede und deren Ursachen.

Die Zusammenarbeit mit dem Bildungsmonitoring soll intensiviert werden. Für den dritten Sozialbericht wäre es aus meiner Sicht hilfreich, die inhaltliche Verknüpfung von ausgewählten Ergebnissen des Bildungsmonitorings mit der Sozialberichterstattung weiter voranzutreiben, denn beide Berichterstattungen ergänzen sich gut .

Lässt sich schon etwas über die Ergebnisse des aktuellen Projekts „Bildung im Alter“ sagen?

Derzeit beschäftigen sich die Studierenden mit den Erhebungsinstrumenten und dem Feldzugang für ihre jeweilige Untersuchungsfrage. Ergebnisse werden mit dem Ende des Wintersemesters 2022/2023, also im Februar 2023, erwartet.

Darauf sind wir schon sehr gespannt. Jetzt wünschen wir Ihnen erstmal weiterhin gutes Vorankommen in Ihrem Projekt und haben Sie vielen Dank für das Interview.

Kontakt

Das Interview führte Dr. Anne Walde, Kommunalberatung Sachsen.

Tel.: 0341-99392317 E-Mail: walde@dji.de

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