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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

11.12.2020

Eisenacher Fachtag zum Übergang Kita-Grundschule

Am 10. Oktober 2020 lud die Stadt Eisenach pädagogische Fachkräfte aus Kitas und Grundschulen in das Bürgerhaus ein, um gemeinsam mit ihnen über die positive Gestaltung des Übergangs zu diskutieren. Wir sprachen mit Juliane Kumst, Bildungsmanagerin und stellvertretende Leiterin der Stabsstelle Soziale Stadt in Eisenach über den Fachtag und seine Ergebnisse.

Frau Kumst, warum veranstalten Sie einen Fachtag zum Thema Übergang Kita-Grundschule?

Der Übergang von der Kita in die Grundschule gilt als erster systematisch zu begleitender Übergang, der sich nachhaltig auf die Bildungsbiographie der Kinder auswirkt. Vieles ändert sich in dieser Zeit: für das Kind, seine Eltern und Geschwister. Eine gezielte und abgestimmte Begleitung der betroffenen Personen, v. a. der Kinder, soll verhindern, dass niemand bei diesem Übergang verloren geht. Die Stadt Eisenach möchte hier frühestmöglich Unterstützung bieten und damit Chancengerechtigkeit stärken.

Die Förderung des Austausches zwischen den Fachkräften aus den beteiligten Institutionen ist für uns ein wichtiges Instrument, um den Übergang von der Kita in die Grundschule positiv zu gestalten. Und auch die Personen aus den Institutionen wünschen sich den fachlichen Dialog. Das ergab eine Befragung, die die Stadtverwaltung Ende 2018 zur Übergangsgestaltung an den Eisenacher Kitas und (Grund-)Schulen durchgeführt hat. Und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie gewinnt ein transparentes und abgestimmtes Handeln zwischen den einzelnen Einrichtungen noch mehr an Bedeutung. Durch die Organisation einer Veranstaltung wollten wir den pädagogischen Fachkräften nun die Möglichkeit dazu geben.

Welche Ziele haben Sie mit dem Fachtag verfolgt?

Für uns stand der fachliche Austausch zwischen den pädagogischen Fachkräften und die Diskussionen zur Gestaltung eines gelungenen Übergangs von der Kita in die Grundschule im Vordergrund. Weil beim Übergang systematische Abläufe angesprochen werden, die auch auf Leitungsebene zu thematisieren sind, sind wir v. a. auf Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher zugegangen, welche direkt mit der Ausgestaltung des Übergangsprozesses betraut sind. Aber auch Fachkräfte aus dem Hort und Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter haben wir eingeladen, weil sie bei der Übergangsgestaltung eine wichtige Rolle spielen. Die verschiedenen Perspektiven der Berufsgruppen sollten den Erfahrungsaustausch bereichern. Bei der Planung haben wir vom Kommunalen Bildungsmanagement mit dem Jugendamt und dem Staatlichen Schulamt Westthüringen zusammengearbeitet. Am Veranstaltungstag haben uns zudem die Mitarbeitenden der Stabsstelle Soziale Stadt tatkräftig unterstützt.

Was erwartete die Teilnehmenden am Veranstaltungstag?

Als Hauptredner haben wir Professor Dr. Malte Mienert von der Swiss School of Management eingeladen. Sein Einstiegsvortrag diente als Rahmung der gesamten Veranstaltung. Er gab einen Einblick in die unterschiedlichen Perspektiven der Entwicklungspsychologie und Pädagogik auf das Übergangsgeschehen. Im Zentrum seines Vortrages standen stets die Kinder mit ihren Bedürfnissen. Professor Dr. Mienert ging auch der Frage nach, woran ein erfolgreicher Übergang zu erkennen ist und welche wissenschaftlichen Befunde dazu vorliegen.

Die anschließenden Werkstätten widmeten sich spezielleren Themen. In einem Workshop konnten sich die Teilnehmenden über die Konzepte des Bildungsplans und des Lehrplans austauschen und ihre eigene Arbeit reflektieren. In einem anderen gingen sie der Frage nach, welche Rolle und welches Potential die Bildungsdokumentation bei der erfolgreichen Bewältigung des Übergangs spielt. Und in der dritten Arbeitsgruppe gaben zwei Referentinnen Einblick in die Arbeit der Kindersprachbrücke Jena. Im Vordergrund standen die Förderung und Aneignung interkultureller Kompetenzen sowie deren Bedeutung und die damit verbundenen Herausforderungen für den Übergang von der Kita in die Schule.

Welche Ergebnisse hat der Fachtag hervorgebracht?

Als zentrale Herausforderung von Seiten der Lehrkräfte wurden die häufig wechselnden Ansprechpersonen bezüglich des Übergangs in den Kitas angesprochen. Die Erzieherinnen und Erzieher wiederum äußerten ihre Bedenken darüber, dass die Schule sehr defizitorientiert handelt. So würden Kinder im schulischen Kontext häufig mit ihren Schwächen konfrontiert, was sie aus der Kita nicht kennen. Hilfreich für die gemeinsame Arbeit seien außerdem kurze Wege. Das sei jedoch nicht immer zu gewährleisten, weil es zwar Grundschulbezirke gibt, aber keine deckungsgleichen „Kita-Bezirke“. Die erfolgreiche Ausgestaltung des Übergangs – und da waren sich alle einig – ist eine auf Vertrauen basierende, kontinuierliche Zusammenarbeit der einzelnen Akteure.

Wie arbeiten Sie mit den Ergebnissen weiter?

Ich arbeite den Fachtag gerade auf. Der Hauptvortrag wurde vom Wartburgradio aufgezeichnet. Die Ergebnisse der Werkstätten haben wird protokolliert. Die einzelnen Erkenntnisse und Anmerkungen sollen den Kitas und Schulen in einer Handreichung und einem Handout zugänglich gemacht werden. Die Ergebnisse werden auch in die Bildungsplanung der Kommune einfließen.

Der kontinuierliche Austausch auf Augenhöhe ist von enormer Bedeutung und wird von beiden Seiten gewünscht. Das ist ein zentrales Ergebnis der Fachtagung. Wir bleiben am Ball, behalten den Übergang von der Kita in die Grundschule weiter im Blick und wollen den Austausch der Fachkräfte durch verschiedenste Veranstaltungsformate, ggf. auch online, fördern. 

Das Interview mit Juliane Kumst führte Michael Brock, TransMit.