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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

25.04.2018

Externe Steuerungsgremien in Thüringer Kommunen

Externe Steuerungsgremien sind die Herzkammern datenbasierten Kommunalen Bildungsmanagements (KBM). Hier werden aktuelle Bildungsthemen aus der Kommune aufgegriffen und Lösungen verhandelt. In Thüringen haben sich in den letzten Jahren verschiedene Modelle zur Steuerung des kommunalen Bildungssektors herausgebildet, die hier kurz vorgestellt werden sollen.  Grundsätzlich sind dabei verwaltungsinterne und -externe Steuerungsgremien zu unterscheiden.

Interne und externe Gremien

Interne Bildungsgremien dienen den innerhalb der Kommunalverwaltung arbeitenden Bildungsexpertinnen und -experten als Austauschplattformen. Entsprechend der Bildungsstrategie der Kommune werden hier konkrete Antworten auf bildungspolitische Fragen besprochen. Interne Gremien sollen vor allem den Gedanken „Von der Zuständigkeit zur Verantwortung“ befördern und rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit in Bildungsfragen ermöglichen.

Externe Bildungsgremien haben eine andere Funktion und sind überwiegend mit nicht verwaltungszugehörigen Expertinnen und Experten besetzt. Initiierung, Organisation und Leitung dieser koordinierenden Bereiche obliegen jedoch der Kommune. Wichtige Unterstützer sind hier die „großen“ Bildungsakteure in den Kommunen. Kaum ein externes Bildungsgremium kommt ohne Mitglieder des Bildungsausschusses und Vertreter/innen der Agentur für Arbeit, der Landesschulverwaltung, der lokalen Wirtschaftsverbände, von Stiftungen, Volkshochschulen, der Zivilgesellschaft oder Trägervereinigungen aus. Hier geht es um Strategie und Legitimation für bildungspolitische Vorhaben der Verwaltungen und darum, das gemeinsame Handeln aller Akteure in der Bildungslandschaft zu planen und zu koordinieren. Ressourcen werden verhandelt, Ideen entworfen und bildungspolitische Schwerpunkte festgelegt. Externe Gremien können ganz unterschiedliche Zuschnitte und Arbeitsweisen haben. Am Beispiel von drei Thüringer Kommunen soll das im Folgenden kurz illustriert werden.

Wenig hilft viel – Beispiel Jena

Immer wieder steht die Frage im Raum, wie Doppelstrukturen bei der Etablierung eines KBM vermieden werden können. Oft hören wir bei Beratungen den Ausruf: „Bitte nicht noch ein zusätzliches Gremium!“ Es besteht die berechtigte Sorge, die zum Teil deckungsgleichen Akteure in weiteren Gremien zu ermüden. Die Crux: Koordinierung braucht Gremien.

Die Stadt Jena reagierte auf das geschilderte Phänomen u. a. mit einer Zusammenlegung mehrerer Themengebiete in einem mit Verwaltungsmitarbeiterinnen/mitarbeitern und Externen besetzten Gremium mit dem Titel „Programmbeirat Armutsprävention – Bildungsförderung – Integration“. Die Schwerpunktsetzung erklärt sich durch die dahinterstehenden Programmstrukturen. So erhält Jena neben dem Bundesprogramm „Bildung integriert“ Förderung aus zwei Landesprogrammen mit den Schwerpunkten Armutsprävention und Integration. Ziel des Programmbeirats ist es, Synergien zwischen den inhaltlich verwandten Arbeitsgebieten zu erzeugen und mit externen Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft sowie Zivilgesellschaft den Jenaer Weg in den genannten Bereichen zu diskutieren.

Daneben unterhält die Stadtverwaltung eine interne Steuerungsgruppe „Bildung“ und ein externes Gremium „Forum Bildung“, bei dem vor allem die Schulentwicklung im Vordergrund steht. „Das Programm 'Bildung integriert' bot eine starke Argumentationshilfe, endlich eine Steuerungsgruppe einberufen zu können, in der sich alle Bereiche der Stadtverwaltung und ihre Eigenbetriebe regelmäßig zu Bildungsthemen verständigen. Wir haben die Chance wahrgenommen, dies gleich mit einer Kooperationsvereinbarung zu festigen. Die Programmlaufzeit möchten wir gut nutzen, um auch die Gremienarbeit mit Externen weiter zu optimieren.", fasst Stefanie Teichmann, Bildungsmanagerin der Stadt Jena, den Stand des KBM in Jena zusammen. 

Immer am Puls der Zeit – Externe Gremien im Landkreis Nordhausen und der Stadt Eisenach

Im Landkreis Nordhausen sowie in der Stadt Eisenach sind ebenfalls externe Gremien entstanden, die die klassische Funktion einer Steuerungsgruppe für Bildung übernehmen.

In Nordhausen geht man sogar noch einen Schritt weiter: Der bildungspolitische Diskurs soll nicht auf der Stelle treten, sondern immer mit den aktuellen Themen und Herausforderungen im Bildungsbereich gefüttert werden. Deshalb wird mit dem  „Regionaldiskurs zu aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen“ kommunalen Bildungsakteuren ein Forum geboten, um ihre Themen und Perspektiven in das Gremium einzubringen. Bildungsmanager Marcel Sievers erläutert das Vorhaben wie folgt: „Neben den mit der Verwaltungsspitze bereits abgestimmten Handlungsfeldern wollen wir regionalen Bildungsakteuren die Möglichkeiten geben, an der Definition weiterer wichtiger bildungspolitischer Herausforderungen mitzuarbeiten. Die Ergebnisse dienen dabei nicht nur der Verwaltungsspitze und dem Projekt 'Bildung integriert', sondern sollen vielmehr zu eigenständigen Projekten und Maßnahmen führen.“

Immer am Puls der Bildungslandschaft zu sein, bewegte auch die Stadt Eisenach als sie  Anfang des Jahres ihre erste Lenkungsgruppe Bildung initiierte. Wie in Nordhausen erhofft sich die Stadtverwaltung von externen Akteuren vor allem Impulse zu aktuellen Bildungsfragen. Dementsprechend setzten die frischgebackenen Lenkungsgruppenmitglieder gleich in der ersten Sitzung neue Handlungsfelder auf die Agenda der Verwaltung, u. a. die Unterstützung von Eisenach als Hochschulstandort sowie den Übergang von der KiTa zur Grundschule. In den nächsten Sitzungen will man sich konkrete Maßnahmen überlegen, um die Handlungsfelder mit praktischen Lösungsschritten zu untersetzen.

Externe Steuerungsgremien versorgen ein komplexes System mit Nährstoffen und verknüpfen so alle lebenswichtigen Teile miteinander. Doch bis sie regelmäßig und wie selbstverständlich arbeiten, müssen viel Zeit und Kraft investiert werden. Aber es lohnt sich.

Weitere Informationen zu Bildungsgremien erhalten Sie in unserer Handreichung "Netzwerke für Bildung aufbauen und koordinieren".


Text: Alexander Lorenz