Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

22.01.2018

Erste Bildungskonferenz im Landkreis Harz


Was verbindet einen goldenen Herbsttag mitten im Oktober 2017 und ein kleines Kloster unweit von Ilsenburg? Beide haben zu einer erfolgreichen ersten Bildungskonferenz im Landkreis Harz beigetragen. Jede Konferenz ist eine Herausforderung. Sie weckt Erwartungen bei den Gästen und geht einher mit der Ungewissheit: Wer wird kommen? Wie wird der Ort angenommen? Sind die Themen ansprechend? Werden alle Gäste zufrieden sein? Die Antwort vorweg: Die Gäste machten einen äußerst zufriedenen Eindruck.


Über 150 Akteure aus Kindertageseinrichtungen, Schulen, der Politik sowie Fachexperten finden sich am 17. Oktober 2017 zur ersten Bildungskonferenz des Landkreises Harz ein. Sie alle nehmen sich die Zeit gemeinsam in thematischen Workshops über die Zukunft der Kinder und Jugendlichen und deren Bildungsbiografien zu diskutieren. Veranstalter ist der Landkreis Harz, dessen Bildungsbüro sich für die Organisation, Durchführung und Dokumentation verantwortlich zeichnet. Der Veranstaltungsort ist das Kloster in Drübeck, ein bereits seit Jahren etablierter Bildungsort in der Region, also genau die richtige Adresse für eine solche Konferenz. Als Landeskoordinator der Transferagentur Mitteldeutschland habe ich die Einladung gern angenommen. Unsere Agentur berät den Landkreis Harz seit über zwei Jahren beim Aufbau des Bildungsbüros und der Weiterentwicklung der Bildungslandschaft.

Bildung gemeinsam verantworten

Mit der Einladung in der Hand steige ich bei strahlendem Sonnenschein und goldglänzendem Herbstlaub auf einem kleinen Parkplatz vor dem Klostergelände aus. Mit mir gemeinsam finden immer mehr Gäste den Weg zum Veranstaltungsort. Erwartet werden wir von der Dixilandband der Musikschule. Etwas untypisch an diesem doch eher ruhigen Ort, aber für diesen Tag eine willkommene Einstimmung auf die Veranstaltung. Bereits im Foyer werde ich von Herrn Brozio und Frau Richter freundlich begrüßt. Beide arbeiten im Bildungsbüro. Die Anspannung ist deutlich zu spüren. Nur noch wenige Minuten. Dann wird der Landrat die erste Bildungskonferenz im Landkreis Harz eröffnen.

In seinem Grußwort stellt der Landrat Martin Skiebe klar heraus, dass es eine gemeinsame Verantwortung braucht, die Bildungsregion Harz zukunftsfähig zu gestalten. Die Bildungskonferenz heute sei genau der Ort sich als Akteur aktiv und erfolgreich in den Dialog einzubringen. Er begrüßt die große Vielfalt in der Bildungslandschaft, die einhergeht mit einer Vielzahl von Chancen, Angeboten und Möglichkeiten für alle Einwohnerinnen und Einwohner im Landkreis. Dennoch, so der Landrat, liegt darin die Herausforderung, diese vielen Akteure effektiv zu vernetzen und damit den jungen Menschen und auch ihren Eltern eine bestmögliche Orientierungshilfe zu geben. Doch wer soll sich darum kümmern? Hier verweist der Landrat bereits auf erste strukturelle Veränderungen. Mit Beschluss des Kreistags wurde ein Bildungsbüro gegründet, das die Fäden zusammen hält, Impulse setzt und neue Ideen und Konzepte entwickelt. Das Büro ist bereits fest in die Landkreisverwaltung etabliert.

Sein Grußwort schließt der Landrat mit dem Wunsch, den Dialog zwischen dem Land und den Kommunen in Bildungsfragen zu intensivieren. Edwina Koch-Kupfer, Staatssekretärin im Bildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, greift den Faden auf und unterstreicht das große Interesse an den Ergebnissen des Entwicklungsprozesses des Bildungsmanagements im Landkreis Harz. Auch sie betont, Verantwortung für Bildung als eine gemeinsame Aufgabe zu verstehen, die jenseits von Zuständigkeiten wahrzunehmen ist.

Den Grußworten des Bürgermeisters der Stadt Ilsenburg folgt eine Vorstellung des Bildungsbüros mit allen wesentlichen Aufgabenbereichen. So hat das Bildungsbüro allen Anwesenden einen Bildungsreport mit aktuellen Zahlen zum Bildungsgeschehen im Landkreis Harz bereitgestellt. Dieser wird von den Gästen dankend und als Grundlage für den Dialog in den sich anschließenden Workshops angenommen. Der Fachvortrag von Prof. Rolf-Torsten Kramer zum Thema: „Schullaufbahn-Übergänge-Bildungsungleichheiten“ liefert empirische Befunde zum Übergangsgeschehen und Gestaltungsperspektiven für die Bildungsakteure im Feld.

Eine willkommene Abwechslung zwischen den Grußworten und dem Fachvortrag bringen die musikalischen Beiträge von Kindern der Musikschule und der Theatergruppe des Martineum Gymnasiums Halberstadt. Die Schülerinnen und Schüler zeigen ihre ganz ungeschminkte persönliche Sicht auf das Übergangsgeschehen Kita-Grundschule-weiterführende Schule in einem eigenständig choreografierten Theaterstück. Für mich und alle anderen Gäste ein gelungener Perspektivwechsel und der Applaus ist der Dank an die jungen Künstlerinnen und Künstler. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind alle Gäste auf die bevorstehende thematische Workshopphase eingestimmt. Schon während des Mittagsimbiss diskutiere ich mit Teilnehmenden intensiv bei Sonnenschein im Klostergarten.


Herausforderungen der Bildung im Landkreis kennen(lernen)

Nach dem Mittagsimbiss ordnen sich die Gäste den thematischen Workshops zu. Mit den fünf Themen stehen unterschiedliche Bereich von Bildung im Fokus:

  • Übergang Kita-Grundschule: Weite Wege - viele Hürden – Handlungsbedarfe und Lösungsansätze auf dem Weg in die Grundschule
  • Übergang Grundschule-weiterführende Schule: „Alles Gymnasium - oder was?“ – Übergangsgestaltung von der Grundschule zur weiterführenden Schule
  • Kooperation Schule-Beruf: „Viele Bäume - aber kein Wald?“ – Die Kooperation Schule-Wirtschaft
  • Wege und Möglichkeiten ohne Schulabschluss: „Kein Schulabschluss und dann?“
  • Die strategische bildungspolitische Ausrichtung im Landkreis Harz: „Ist Bildung auch kommunal ein Thema? Wenn ja – wie reden wir darüber?“

Ich erfahre von einem Mitarbeiter des Bildungsbüros, dass alle fünf Themen als Arbeitsschwerpunkte bei der Weiterentwicklung der Bildungsregion in den nächsten Jahren gesetzt sind. Die Mitarbeitenden erhoffen sich eine angeregte Diskussion in den Workshops mit Impulsen für konkrete Fragestellungen oder Arbeitsaufgaben. In kleinen Arbeitsgruppen soll sich dann nach der Bildungskonferenz intensiv, konzeptionell und strukturell gekümmert werden. Durch Daten aus dem Bildungsreport sowie Impulsvorträge haben die Workshopteilnehmer eine Einführung in das jeweilige Thema erhalten.

Mit weiteren 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhalte ich im Workshop eins anhand einer Reportage „Von der Kita in die Grundschule“ im Landkreis Harz einen ersten Eindruck von aktuellen Themen bei der Übergangsgestaltung. In einer sehr intensiven und leidenschaftlichen Diskussionsrunde erörtern die Teilnehmenden Herausforderungen, Rahmenbedingungen und Qualitätsmerkmale für den Übergang. Am Ende des Workshops stehen fünf konkrete Aufgaben für die Arbeitsgruppe Übergang Kita-Grundschule, die zukünftig vom Bildungsbüro begleitet wird. Nach der Arbeitsphase berichten Teilnehmende von ähnlich nachdrücklichen Erfahrungen, ebensolche wie ich sie erlebt habe. Schade, dass ich nicht an allen Workshops teilnehme konnte. Froh bin ich über die Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse am Ende der Veranstaltung und die Dokumentation aller Workshops.


Mit den Ergebnissen weiterarbeiten

Wie am Anfang stehen auch mit Abschluss der Veranstaltung Herr Brozio und Frau Richter vom Bildungsbüro im Foyer und verabschieden die Gäste auf ihrem Weg nach Hause. Die erste Bildungskonferenz war ein großartiger Erfolg. Alle Akteure sind sich einig darüber, dass ein solcher Dialog auch zukünftig fortgesetzt werden muss. Doch wie geht es konkret weiter? Die AG Übergang Kita-Grundschule nimmt sich der formulierten Aufgaben an. Mit der Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ steht ein kompetenter Partner für den Übergang Grundschule-weiterführende Schule zur Verfügung. Die Projektgruppe „Regionales Übergangsmanagement“ befasst sich mit den Fragestellungen des Workshops drei. Bereits zeitnah finden sich die Teilnehmenden des Workshops fünf in einem Strategieworkshop zusammen, in dem über die Gründung eines Regionalen Arbeitskreises Bildung abzustimmen ist. Termine sind auch bereits gefunden. Jetzt geht es in die konkrete Umsetzung.

Mit einem Augenzwinkern lässt sich festhalten, dass die erste Bildungskonferenz im Landkreis Harz so etwas wie ein „Exportschlager“ werden könnte. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus anderen Kommunen sind begeistert von dem Format und schnell erhalte ich die Einladung für die nächste Bildungskonferenz.


Text: Norbert Blauig-Schaaf

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