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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

04.04.2018

Die Stadt Halle auf dem Weg zum Bildungsleitbild

Der Bedarf an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in der Stadt Halle (Saale) wächst stetig. Die Stadt will daher bis 2022 knapp 250 Millionen Euro in Kitas und Schulen investieren. Aber nicht nur in Gebäude soll investiert werden, auch strategisch sollen der Stadt Leitlinien bei der Bewältigung zukünftiger Aufgaben helfen. Mit der Beteiligung am Bundesprogramm „Bildung integriert“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) kann dieses Vorhaben nun umgesetzt werden.


Ein großer Auftrag

Ende 2015 fassten die Mitglieder des Stadtrats den Entschluss, dass die Stadt Halle (Saale) in den nächsten Jahren gemeinsam mit ihren Partner/innen eine einheitliche kommunale Bildungsstrategie entwickeln soll. Mit der Umsetzung wurde die frisch ins Amt gewählte Beigeordnete für Bildung und Soziales, Katharina Brederlow, betraut. Sie hatte schon bei der Schaffung des Fachbereiches Bildung aus den zuvor getrennten Bereichen Jugend und Schulverwaltung Erfahrungen mit rechtskreisübergreifender Bildungsarbeit gesammelt. Zur Seite stehen der Beigeordneten die Mitglieder der neugegründeten Lenkungsgruppe Bildung, welche Verantwortliche aus allen relevanten Verwaltungsbereichen versammelt. Die Geschäftsführung liegt bei Michael Gerstner, seines Zeichens Bildungsmanager der Stadt Halle (Saale).

Auf die Vorbereitung kommt es an

Bevor ein Leitbild konkrete Formen annehmen kann, ist es wichtig, sorgfältig und nicht überhastet vorzugehen. So führten die Mitarbeiter/innen des Kommunalen Bildungsmanagements Anfang 2017 mehr als 30 Gespräche mit kommunalen Vertreter/innen der halleschen Bildungslandschaft um sich und das Vorhaben bekannt zu machen und ein erstes Bild der Wünsche und Vorstellungen der Gesprächspartner zu erhalten. Dabei zeichneten sich große Bereitschaft und Unterstützung für ein solches Vorgehen ab. Eine Herausforderung wurde darin gesehen, die immensen Erwartungen und die Vielzahl der zu beteiligenden Vertreter/innen auf der einen Seite mit den realen Möglichkeiten eines solchen Vorhabens unter einen Hut zu bringen.

Um das Rad nicht neu zu erfinden, wurden schon verfügbare kommunale Beschlüsse und Dokumente, die Grundlage für die Leitlinien darstellen können, berücksichtigt. Insbesondere wurde darauf geachtet, dass sich das Leitbild zu bestehenden Konzepten, wie dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2025“ (ISEK 2025) oder dem Integrationsleitbild, kohärent verhält.

Partizipativer und offener Prozess als Grundlage für eine Strategieentwicklung

Mitte 2017 wurden die Ergebnisse der Analyse in der Lenkungsgruppe Bildung diskutiert und ein mehrstufiger Prozess festgelegt, in dem eine größtmögliche Anzahl von Beteiligten ihre Perspektive ergebnisrelevant einbringen soll: Der  Auftaktveranstaltung sollen zunächst vertiefende Workshops folgen, im Anschluss findet eine Bildungskonferenz statt. Schließlich ist der Beschluss des Stadtrats vorgesehen.

In der Auftaktveranstaltung am 26.10.2017 im Halleschen Stadthaus, bei der viele Bildungsvertreter/innen inklusive aller Stadtratsfraktionen zugegen waren, wurde erörtert, welches die großen Bildungsthemen sind und was es benötigt, um diese mit Leben zu füllen. Bei der Diskussion zeigte sich, wie wichtig ein gemeinsames Verständnis von zentralen Begriffen wie etwa „Bildung“, „Lebenslanges Lernen“ oder „Chancengerechtigkeit“ ist und welche unterschiedlichen Vorstellungen die Beteiligten darüber haben.

Sodann wurden die Punkte gebündelt und von der Lenkungsgruppe zentrale Arbeitsfelder festgelegt, die in fünf Workshops zu konkretisieren sind:

  • Chancengerechtigkeit und Zu- und Übergänge
  • Beteiligung und Transparenz
  • Qualität und Vernetzung
  • Digitalisierung
  • Inklusion

Der erste Workshop „Chancengerechtigkeit und Zu- und Übergänge“ fand am 29. Januar 2018 statt, die nächsten folgen bis Sommer. Daraus soll ein konkreter Leitbildentwurf resultieren, der auf einer breit angelegten Bildungskonferenz Ende 2018 vorgestellt und ergänzt werden kann. Schließlich soll die abgestimmte Fassung in den Ausschüssen und später im Stadtrat diskutiert und verabschiedet werden.

Kein Papiertiger in Sicht

Angesichts vielfältiger ernüchternder Erfahrungen mit Leitlinien wird insbesondere auf eine stärkere Verbindlichkeit des Leitbildes geachtet: Es soll nicht nur ein internes Leitbild der Stadtverwaltung sein, sondern auch ein Orientierungsrahmen für die halleschen Bildungsakteure werden. Um das Bildungsleitbild zu untersetzen, sind die Beteiligten nach Abschluss aufgerufen, konkrete Unterziele und konsensfähige Maßnahmen aus den Leitzielen abzuleiten. Das Bildungsmonitoring steht bei der Formulierung von Indikatoren und Kennzahlen unterstützend zur Seite, um die einzelnen strategischen Ziele und ihre Entwicklung in den nächsten Jahren kontinuierlich abzubilden. So soll eine Verständigung über die kontinuierliche Entwicklung der Bildungslandschaft der Stadt Halle angeregt werden.

 

Text: Oliver Wolff

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Halle.