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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

01.10.2018

Burgenlandkreis geht mit Migrationsagentur innovativen Weg

Mit der im April dieses Jahres gegründeten Migrationsagentur bündelt der Burgenlandkreis Behördenangelegenheiten und Hilfsangebote für Neuzugewanderte in einer Verwaltungsstelle in Naumburg. Das fördert Integration und Wirtschaft gleichermaßen.

Sprachförderung und Integrationskurse, Kindergarten- und Schulplätze, Ausbildung und Weiterbildung, Anerkennung von Abschlüssen, passgenaue Bildungsübergänge – schnell zeigt sich: Integration durch Bildung ist vor allem eine Querschnittsaufgabe für die Kommune. Sie verlangt ein koordiniertes Vorgehen, in dem vor Ort alle beteiligten Akteure vorhandene Maßnahmen abstimmen und neue Angebote entwickeln. Nur wenn Kommunen die Bildungsangebote für Neuzugewanderte gemeinsam mit den Bildungspartnern bedarfsgerecht gestalten und organisieren, kann Integration letztlich auch erfolgreich sein.

Das wiederum stellt auch besondere Herausforderungen an die soziale Infrastruktur: Auf kommunaler Ebene sind viele Akteure mit Beratungs- und Integrationsaufgaben betraut, die (Arbeits-)Strukturen sind dadurch oft unübersichtlich und aufwendige Abstimmungen zwischen den Akteuren nötig. Für die Mitarbeiter/innen der Kommunen, aber auch für viele der Neuzugewanderten kostet all das viel Zeit und Kraft. Denn gerade für Letztere führt der Weg zur Integration nicht selten durch einen schwer zu überblickenden Behördendschungel, gerade dann, wenn die für sie zuständigen Ämter in verschiedenen Orten liegen.

Ein Haus der kurzen Wege

Mit einem innovativen Modell, das sämtliche Behördenangelegenheiten und Hilfsangebote nunmehr in einer Verwaltungsstelle vereint, begegnet der Burgenlandkreis dieser Herausforderung. Der Landkreis setzt mit der im April dieses Jahres neugegründeten Migrationsagentur auf die Neuordnung aller Ämter und Einrichtungen, die auf Kreisebene mit der Integration von Neuzugewanderten befasst sind.

Statt unterschiedliche Ämter an verschiedenen Orten arbeiten alle Bereiche nun räumlich eng zusammen. Zu den Arbeitsbereichen Ausländerbehörde, Asylbewerberleistungen, Unterkunftsverwaltung und Integration, die schon seit 2015 unter einem Dach arbeiten, sind das Jobcenter, die Agentur für Arbeit, das Wirtschafts- und das Jugendamt, die Volkshochschule, die Bildungskoordination, der Kreissportbund und die beim Kirchenkreis angesiedelte Ehrenamtskoordination hinzugekommen.

Die einstigen Außenstellen in den drei Städten Naumburg, Weißenfels und Zeitz gibt es nicht mehr. Stattdessen arbeiten die knapp 80 Mitarbeiter/innen der Migrationsagentur nun in Naumburg in einem nagelneuen Verwaltungsbau auf zwei Etagen. Das gemeinsame Ziel: Prozesse vereinfachen und beschleunigen und so Integration effektiver gestalten.

Und das gelingt! Durch die enge räumliche Anbindung der Ämter können die Mitarbeiter/innen der Migrationsagentur nun viele Fälle deutlich effizienter lösen, weil sich Fragen auf kurzen Wegen klären lassen. Schnell ist ein oder zwei Türen weiter etwas Notwendiges geklärt, die Schnittstellendefizite bei den Fachämtern dadurch auf ein Minimum reduziert. Und auch die Besucher/innen der Migrationsagentur freuen sich über die Bündelung der Hilfsangebote an nur einem Ort. Für sie lassen sich viele Dinge ämterübergreifend erledigen, weite Wege und vor allem lange Warteschlangen vermeiden. Der sonst so undurchsichtige Behördendschungel ist durch die Migrationsagentur sehr viel lichter geworden.

Integration verbessern und Zielgruppe erweitern

Das neue Modell des Burgenlandkreises soll Integration aber nicht nur verbessern, sondern auch für eine größere Zielgruppe Unterstützung sein. Zwar ist das Projekt im Landkreis einst unter dem Eindruck wachsender Flüchtlingszahlen vom Kreistag mit breiter Zustimmung beschlossen worden, das ganzheitliche Integrationsangebot der Migrationsagentur zielt aber längst nicht nur auf die im Landkreis lebenden Flüchtlinge.

Im Fokus steht außerdem die zahlenmäßig größere und auch zukünftig noch wachsende Gruppe der neuzugewanderten EU-Bürger/innen, die im Burgenlandkreis vor allem aus Rumänien, Bulgarien, Polen und Ungarn stammen. Auch bei ihnen möchte der Landkreis seine Integrationsbemühungen intensivieren, damit sie dauerhaft mit ihren Familien in der Region sesshaft werden können.

Der Landkreis verspricht sich davon, die Lücken, die die demographische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten auf dem Arbeitsmarkt gerissen hat, wenn nicht zu schließen, so doch zu verkleinern. Denn die Region braucht dringend Zuwanderung. Vor allem in den Unternehmen und Handwerksbetrieben sind Fachkräfte, aber auch Mitarbeiter/innen im Bereich der Anlerntätigkeiten händeringend gesucht.

Positive Resonanz von Wirtschaft und Zugewanderten

Die ämterübergreifende Zusammenarbeit, die der Burgenlandkreis im Bereich der Integration auf den Weg gebracht hat, erweist sich schon jetzt – nach nur einem halben Jahr – als erfolgreich: So zeigt sich die regionale Wirtschaft zufrieden, dass sich die Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften mit der neuen Arbeitsweise der Migrationsagentur deutlich beschleunigt hat. Auch ist es gelungen, durch engere Abstimmungen die angebotene Sprachförderung viel besser mit der beruflichen Orientierung und Weiterbildung zu kombinieren.

Davon profitiert aber nicht nur die Wirtschaft. Durch die Vereinfachung von Behördengängen und durch den leichteren Zugang zu abgestimmten Bildungs- und beruflichen Qualifizierungsangeboten, den die Migrationsagentur möglich macht, finden Neuzugewanderte zukünftig sehr viel einfacher passende Arbeitsangebote und können so schneller am gesellschaftlichen Leben teilhaben und in der Region sesshaft werden. Und das fördert letztlich nicht nur die ansässige Wirtschaft, sondern auch die Integration.

 

Weiterlesen:
Pressemitteilung des Burgenlandkreises zur feierlichen Eröffnung der Migrationsagentur, kurz MiA

 

Text: Katharina Sydow