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Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

08.03.2019

Bildungsjournal als kurzes Datendossier bei drängenden Herausforderungen

Datenbasierte Berichte und Reports sind klassische Produkte des kommunalen Bildungsmanagements. Silvia Daehn und Marcel Sievers vom Projekt „Bildung integriert“ aus dem Landkreis Nordhausen arbeiten zudem mit themenzentrierten Bildungsjournalen. In Abwägung von Bedürfnissen der Zielgruppe, zur Verfügung stehenden Ressourcen und erwartetem Nutzen hätten sich diese Journale im Landkreis als wichtige Ergänzung im Bereich Bildungsmonitoring erwiesen. So könnten bildungspolitische Herausforderungen auf Grundlage der Dossiers zielgerichtet bearbeitet werden.

Seit rund zweieinhalb Jahren hat das Team „Bildung integriert“ im Landkreis Nordhausen seine Arbeit aufgenommen. Bildungsmanager Marcel Sievers und Bildungsmonitorerin Sylvia Daehn haben über die Anbindung im Schulverwaltungsamt gute Kontakte zur Verwaltungsspitze etablieren können. Bei der Leitung der Landkreisverwaltung gäbe es klare Vorstellungen zum Nutzen eines kommunalen Bildungsmanagements. Dementsprechend würden von dort regelmäßig Handlungsfelder benannt, die von den beiden Bildungsfachleuten intensiv bearbeitet werden sollen. Hierfür nutzt das Bildung-integriert-Team „Bildungsjournale“ – kurze, auf ein bestimmtes Thema zugeschnittene Datenreports.

Ein Bildungsmanagement funktioniert insbesondere durch datengestützte Analysen von bildungspolitischen Herausforderungen. Durch die Auswertung und Aufbereitung von Daten kann eruiert werden, ob man es tatsächlich mit einer Herausforderung zu tun hat. Ein gängiges Beispiel hierfür ist die Schulabbrecherquote, die üblicherweise gesenkt werden soll. Doch zum einen liegt diese Quote vielerorts in ihrer Reinform noch gar nicht vor. Zum anderen muss erst ermittelt werden, warum sie „hoch“ bzw. „zu hoch“ ist – erst dann können durch Zuständige wirksame Maßnahmen eingeleitet werden. Soziale, regionale, schulspezifische und weitere Gründe können die Schulabbrecherquote beeinflussen. Diese gilt es zu sondieren und ggf. per Datenanalyse für Entscheiderinnen und Entscheider aufzubereiten.

In Nordhausen ist das Vorgehen an die geschilderte Herangehensweise angelehnt. Frau Daehn und Herr Sievers bekämen von der Leitung des Landratsamts bildungspolitische Themen angetragen, die es anhand von Daten zu untersuchen gilt, um sie anschließend ggf. mit Maßnahmen zu unterfüttern. Die im Zuge dieses Vorgehens erarbeiteten Bildungsjournale umfassten zwischen vier und sechzig Seiten. Auf Wunsch von Verwaltungsspitze und Kommunalpolitik gäben Sievers und Daehn darin auch Handlungsempfehlungen. Laut Marcel Sievers seien die Bildungsjournale sehr punktgenau und in Bezug auf die Daten sehr aktuell, was deren Relevanz für die Verwaltungsspitze positiv beeinflusse. Auch der Kreistagsausschuss für Schulen und soziokulturelle Teilhabe erhalte die Dossiers und nutze sie als Entscheidungsgrundlage, so Sylvia Daehn.

Bislang gäbe es fünf Bildungsjournale zu unterschiedlichsten Themen: „Außensportanlagen“, „Impulse für Schularchitektur im Klassenzimmer“ – ein eher konzeptionell gestaltetes Dokument, „Nutzung von EDV-Technik an Schulen“, „Möglichkeiten der Lehrergewinnung am Beispiel verschiedener Bundesländer“ und das eher statistisch gehaltene Journal „Schülerentwicklung und Übergänge Grundschule-Gymnasium“. Das alles seien Felder, die im Landkreis eine gewisse Relevanz haben und bei denen die Kommune Handlungsbedarf sieht. Dementsprechend intensiv würden die Journale als Entscheidungsgrundlage genutzt. Viele Themen seien von der Verwaltungsspitze nachgefragt worden. Das Bildungsjournal zu Schülerentwicklung und Übergängen sei vom Bildung-integriert-Team durch eine Datensammlung initiiert worden. Marcel Sievers sagt dazu: „Zu achtzig Prozent ist es so, dass es ein bildungspolitisches Handlungsfeld, aktuelles Thema oder Problemfeld gibt. Und dann erhalten wir von der Haus- oder Abteilungsleitung den Auftrag, das zu untersuchen, es darzustellen bzw. es auszuwerten.“

Es seien verschiedene Journal-Formate entstanden – einerseits inhaltlich-konzeptionelle und andererseits eher statistisch gehaltene Journale. Bei den statistischen Dossiers frage sich das Team: Über welche Indikatoren könnten wir diese Themenstellung bearbeiten? Bildungsmonitorerin Daehn recherchiere dann, ob die betreffenden Daten verfüg- und darstellbar seien. Bildungsmanager Sievers bringe die Analysen dann in ein optisch und inhaltlich ansprechendes Format, schildern die beiden übereinstimmend.

Auf der Internetseite des Projekts „Bildung integriert“ sind Journale thematisch aufgelistet, allerdings sind die Inhalte nicht öffentlich einsehbar. Die Berichte dienten ausschließlich der internen Entscheidungsfindung, zeigen Handlungsfelder und -optionen auf. Sie seien eher eine Vorstufe der politischen Debatte als ein allgemeines Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, erläutert Sylvia Daehn. Auf Anfrage würden die Journale jedoch verschickt.

Über die Bildungsjournale sei es gelungen „an einigen Stellschrauben im kommunalen Bildungsbereich nachhaltig zu drehen“, so der Bildungsmanager. Über das Projekt „Bildung integriert“ könne eine andere Systematik ins Verwaltungshandeln eingebracht werden – nämlich datenbasiert Entscheidungen zu treffen. Das berühre beispielsweise Fragen wie: In welcher Schule wird wie investiert, welche Schule wird geschlossen, welche bleibt erhalten? Die Bildungsjournale sorgten auch dafür, ein neues Planungsverständnis zu entwickeln. „Bildung integriert“ versuche, Ausschuss- oder den Kreistagsmitgliedern sowie der Verwaltungsleitung „nicht nur ein Endergebnis abzuliefern, sondern aufzuzeigen, wie man Daten aufbereiten, darstellen und eine Kausalitätskette in einer Entscheidungsfindung herbeiführen kann“, heißt es von Bildungsmonitorerin Sylvia Daehn.

Mit den Bildungsjournalen hat das Nordhäuser Bildung-integriert-Team ein an kommunale Bedarfe angepasstes Produktformat im Bereich Bildungsmonitoring entwickelt, das von Kommunalpolitik und Verwaltungsspitze nachgefragt wird. Dessen Merkmale sind Aktualität, Übersichtlichkeit und nicht zuletzt der Verweis auf mögliche Handlungsoptionen. Dass die Verwaltungsspitze regelmäßig Aufträge zur Erstellung neuer Journale erteilt, kann als Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit des Teams sowie für den Nutzen des Formats als bildungspolitische Entscheidungsgrundlage gedeutet werden.


Text: Alexander Lorenz