Wir bringen Bildung in Form

Transferagentur Mitteldeutschland für Kommunales Bildungsmanagement – TransMit

07.10.2016

Berichte aus den Kommunen

Bildungsmonitoring liefert die Datenbasis für die strategische Ausrichtung eines kommunalen Bildungsmanagements. Es identifiziert Handlungsbedarfe, ermöglicht nachfrageorientierte Angebote und misst Erfolge im Zeitverlauf. Wir haben drei Bildungsmonitorerinnen gefragt, die sich auf den Weg gemacht haben.

Im Gespräch:

  • Sylvia Daehn, Bildungsmonitorerin im Landkreis Nordhausen, "Bildung integriert" Nordhausen
  • Iris Richter, Bildungsmonitorerein im Landkreis Harz, im Fachbereich Strategie und Steuerung/Fachdienst Planung
  • Annett Fritzsche, Sozialplanung und Bildungsmonitoring in der Stadt Halle (Saale), im Geschäftsbereich IV – Bildung und Soziales

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Bildungsmonitoring aufzubauen?

Daehn: Bisher existiert in der Verwaltung noch keine umfassende und einheitliche Datensammlung, um Prozesse im Bildungsbereich steuern zu können. Erforderliche Daten werden in den jeweiligen Bereichen nur bei Bedarf erhoben. Ein übergreifender Datenaustausch findet in der Regel nicht statt, sodass es teilweise zu Doppelerhebungen kommt.

Richter: Unsere Sozialraumanalysen in 2011 und 2014 zeigten, dass die Datenlage im Landkreis nicht ausreicht. Wir sahen, dass Fachplanungen unabhängig voneinander agieren und ihre Indikatoren getrennt entwickeln. Das gilt genauso für die Bildungsdaten. Auch hier fehlt eine koordinierte Abstimmung. Durch "Bildung integriert" haben wir nun die Möglichkeit, unser Bildungsmonitoring trotz knapper Ressourcen bedarfsorientiert aufzubauen. Nach Projektende soll dieses Vorhaben in Eigenregie fortgeführt werden.

Fritzsche: Wir werden die verfügbaren bildungsrelevanten Daten bündeln und sie den Fachplanern zur Verfügung stellen. Unser Ziel ist es, eine kontinuierliche Berichterstattung aufzubauen, die über unsere Bildungsberichte hinausgeht. Mithilfe der Daten wollen wir Entwicklungstendenzen darstellen sowie Defizite, Potenziale und Handlungsbedarfe identifizieren. Diese Informationen bilden dann die Grundlage für unsere Bildungsleitlinien und das Bildungskonzept der Stadt Halle.

Wie gehen Sie den Aufbau Ihres Monitorings an?

Daehn: Im Projekt "Bildung integriert" wurde eine Teilzeitstelle für das Bildungsmonitoring geschaffen. Sie arbeitet mit Datenhaltern aus der Verwaltung und externen Institutionen, wie z. B. der Bundesagentur für Arbeit oder dem Jobcenter, zusammen. Gemeinsam prüfen sie, welche Daten bereits erhoben werden und welche darüber hinaus verfügbar sind. Langfristiges Ziel ist es, eine einheitliche und alle Bildungsdaten abdeckende Struktur aufzubauen. Eine Entscheidung für eine spezielle Software ist noch nicht gefallen. Derzeit werden alle Daten mit Excel erfasst. Ein späterer Import in Datenerfassungssysteme ist damit gewährleistet.

Richter: Zuerst haben wir die Fachplanungen im Fachbereich Strategie und Steuerung zusammengeführt und begonnen, sie zentral zu koordinieren. Im nächsten Schritt wurde das Bildungsbüro räumlich herausgelöst. Im Büro sind Bildungsmonitoring und Bildungsmanagement mit je einer Stelle vertreten. Zudem haben wir zwei Personalstellen für die Jugendhilfe-, Schulentwicklungs- und Sozialplanung. Wir wollen Software der Firma mps public solutions gmbh nutzen. Unser Bestreben ist dabei, die bisher erhobenen und in Excel erfassten Daten effektiv einbinden zu können.

Fritzsche: Zunächst geht es darum, Verbündete zu suchen und anzusprechen. Diese sitzen in der Statistikstelle, der IT, den Fachplanungen, dem Landesschulamt oder anderen Einrichtungen. Parallel dazu denken wir über die Auswahl der Software nach. Hier sind wir dabei, bestehende Lösungen gegen den Einsatz neuer Tools abzuwägen. Der nächste Schritt ist die Gründung einer Monitoring-AG. Dort werden wir die Bedarfe aus den Fachplanungen erheben, vorhandene Datenbestände erkunden und Datenquellen zusammentragen. Als Orientierung und Inspiration dienen uns der "Anwendungsleitfaden zum Aufbau eines kommunalen Bildungsmonitorings" und weitere Handreichungen aus "Lernen vor Ort".

Welche Themen werden Sie bearbeiten?

Daehn: In den Experteninterviews der TransMit wurden verschiedene Aufgabenschwerpunkte benannt. Einer davon ist das Übergangsmanagement von Schule – Beruf und der damit einhergehenden Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf Industrie 4.0. Hier untersuchen wir im Moment, wie interaktiv und digital die Schulen derzeit arbeiten. Eine weitere Analyse nimmt die Außensportanlagen von Schulen in den Blick. Denn Bewegung und sportliches Miteinander fördern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und letztlich die Bildungschancen.

Richter: Wir nehmen zwei Themenbereiche in den Blick. Am Übergang KITA – Grundschule wollen wir Fragen zur Qualität der frühkindlichen Bildung stellen und Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen erfassen. Dazu werten wir die Schulfähigkeit, die Förderbedarfe, die Anzahl der Lernanfänger und die Anzahl der integriert Beschulten aus. Am Übergang Grundschule – weiterführende Schule beobachten wir die Übergangsquoten, Schulabbrüche und die Wechsel zwischen den Schulformen. Hier geht es z. B. um die Rückkehrer, die vom Gymnasium zur Sekundarschule wechseln. Wir untersuchen, in welchen Jahrgängen und an welchen Schulstandorten besonders häufig gewechselt wird.

Fritzsche: Wir werden den Schwerpunkt "Lebenslanges Lernen" möglichst umfassend abdecken, ohne dabei einen "Datenfriedhof" zu produzieren. Aus aktuellem Anlass konzentrieren wir uns erst einmal auf die Darstellung der Bildungssituation von Neuzugewanderten.

Wie und für wen werden Sie die Ergebnisse bereitstellen?

Daehn: Die Ergebnisse werden zuerst der Hausleitung, der Lenkungsgruppe, dem Schulausschuss und dem Kreistag vorgestellt. Ein Ziel ist es, eine Prioritätenliste für die IT-Ausstattung in den Schulen zu erstellen. So soll der Unterricht zunehmend digital gestaltet und die Schüler besser auf einen Start ins Berufsleben vorbereitet werden. Wir planen sogenannte Bildungsjournale. Darunter verstehen wir kurze Berichte, die ein Thema, beispielsweise die frühkindliche Bildung oder die Schularchitektur, informativ beleuchten.

Richter: Wir planen themenspezifische Bildungsreports. Parallel dazu bereiten wir die vorliegenden Daten für eine fortlaufende Bildungsberichterstattung auf. Diese Berichte sollen bildungspolitischen Gremien und den Kommunen vorgelegt werden. Wir wollen besonders den kreisangehörigen Kommunen kleinräumige Auswertungen und Analysen zur Verfügung stellen. Langfristig bereiten wir damit den Aufbau einer Bildungsberatung vor.

Fritzsche: Die Ergebnisse fließen in die Fachplanungen ein, liefern die Grundlage für strategische Entscheidungen und erweitern die Basis unserer 2009 ins Leben gerufenen Bildungsberichterstattung. Wir werden eine fokussierte Darstellung über die Bildungssituation Neuzugewanderter vorlegen. Außerdem wollen wir die Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und den bildungsrelevanten Gremien regelmäßig mit aktuellen Informationen versorgen.

Wie hat Sie TransMit beim Bildungsmonitoring bisher begleitet?

Daehn: Wir haben an Fortbildungen der Transferagentur zum Thema Bildungsmonitoring teilgenommen. Die Agentur steht uns im Diskussionsprozess zur Datenerfassungssoftware aktiv zur Seite.

Richter: Der Landkreis Harz startete mit "Bildung integriert" zum 1. März 2016. Im Vorfeld unterstützte uns die Transferagentur bei der Konzepterstellung und schwerpunktmäßigen Ausrichtung. In einer TransMit-Veranstaltung im März 2016 kristallisierte sich für uns eine erste zu klärende Frage heraus: Wie können Schwerpunkte des Monitorings definiert werden, ohne mit anderen bereits vorhandenen Projekten an möglichen Schnittmengen zu konkurrieren? Strukturiert von der Transferagentur tauschten wir dazu unsere Ideen mit Akteuren vor Ort aus. Verständnisfragen wurden geklärt und wir erhielten entscheidende Impulse für unsere nächsten Schritte.

Fritzsche: Auch uns hat die TransMit bei unseren Vorüberlegungen zum Antrag "Bildung integriert" und der Konzepterstellung beraten. Die Materialien und Fortbildung zum Thema Monitoring helfen mir in meiner täglichen Arbeit. Ich bekomme praktische Anregungen und die Möglichkeit, mich mit anderen Kommunen auszutauschen.